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16:27 12 November 2019
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    Ein kleiner Besucher der Ausstellung

    Jeder kann eine Mauer zerstören – zumindest auf einer Ausstellung

    © Foto : D. Krotowa
    Gesellschaft
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    DDR 1989 – Erst Feier zum 40. Jahrestag, dann "Mauerfall" und Untergang (91)
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    Wie die Mauern in den osteuropäischen Ländern 1989 einstürzten – darüber berichtet eine Ausstellung der Internationalen Gesellschaft „Memorial“ in Moskau. Die Besucher können sich selbst als Freiheitskämpfer empfinden und eine Mauer zerstören.

    Es wird heute manchmal behauptet, dass es unmöglich sei, auf friedlichem Wege bedeutsame Veränderungen durchzusetzen. Doch 1989 hatte die ganze Welt erfahren, wie man auf gewaltfreiem Wege tatsächlich und metaphorisch gesprochen Mauern durchbrechen kann.

    Kuratoren R. Masljukowa, K.Melnikowa, E.Pawlenko (v.l.n.r.)
    © Foto : D. Krotowa
    Kuratoren R. Masljukowa, K.Melnikowa, E.Pawlenko (v.l.n.r.)

    Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Einfluss der Sowjetunion in den osteuropäischen Ländern hoch. Die Menschen in diesen Staaten und in der UdSSR selbst hatten jahrzehntelang unter der Kontrolle der einzigen, kommunistischen Partei gelebt. 1989 schafften sie es, das zu verändern. Die Ausstellung „Gegenüber der Mauer“ berichtet über diejenigen, die sich trotz Meinungsverschiedenheiten zusammenschlossen, um das Leben zu verändern. Hier wurden Informationen über die Länder gesammelt, die auf friedlichem Wege die Unabhängigkeit erlangten. Irgendwo gab es Massendemonstrationen und irgendwo Runde Tische, an denen Vertreter der bereits gebildeten Opposition versuchten, mit den Behörden zu vereinbaren, was als nächstes zu tun war.

    „Die Idee entstand im Zusammenhang mit dem 30. Jahrestag der Ereignisse, die in diesem Jahr gefeiert werden. Darüber hinaus wurde in diesem Sommer in Russland viel darüber diskutiert, ob durch friedliche zivile Proteste wesentliche Veränderungen erreicht werden können. Wir haben beschlossen, in der Ausstellung darüber zu sprechen“, sagte eine der Kuratoren der Ausstellung, Jekaterina Pawlenko, im Sputnik-Gespräch.

    Die Menschen, die 1989 auf die Straße gingen, wurden zu Hauptfiguren der Ausstellung. Und die Solidarität sowie das, was man mit ihrer Hilfe friedlich erreichen kann, zu deren Hauptthemen. 1989 schafften die Bürger Bulgariens, Ungarns, Ost-Deutschlands, Polens, der Tschechoslowakei, der Russischen Föderation, Georgiens sowie der baltischen Staaten auf gewaltfreiem Wege die Monopolstellung der kommunistischen Partei ab; im Endergebnis bekamen sie die Freiheiten, für die sie gekämpft hatten. In einigen Ländern geschah das im gleichen Jahr, in anderen wurde dieser Prozess 1989 erst eingeleitet, aber er verlief trotzdem sehr zügig. Vieles hat sich schnell verändert.

    „Es war uns wichtig, die erfolgreichen Erfahrungen der osteuropäischen Länder zu zeigen, um gewaltfrei Veränderungen herbeizuführen“, fährt Jekaterina Pawlenko fort. „In Russland ist das Jahr 1989 heute kaum noch in Erinnerung, es wurde durch den Putsch und die 1990er Jahre verdrängt. Die Erfahrung der Perestroika, die ersten Wahlen im Jahr 1989: Diese Themen werden heute nicht oft angesprochen, und wir haben beschlossen, sie ins Gedächtnis zu rufen. Unsere Erklärung ist, dass gewaltfreier Protest funktioniert. Das reicht aber nicht. Es ist sehr wichtig, dass die zivile Solidarität auch weiterhin bestehen bleibt. Es ist sehr wichtig, die Verantwortung nicht konkreten Politikern aufzuerlegen, sondern auch künftig zusammenzuarbeiten und sich nach den ersten Erfolgen nicht voneinander zu trennen.“

    Die Ausstellung ist in mehrere Abschnitte aufgeteilt. Am Eingang hat man einen Chronographen mit der Geschichte des Sozialismus in den Ostblockländern platziert. Den Hauptteil der Ausstellung bilden zwei Mauern, die einander gegenüberstehen. An einer der Mauern stürzen die Ziegelsteine ein, und an ihrer Stelle erscheinen Bilder von den Ereignissen des Jahres 1989, die dazu verhalfen, die Mauern vor dreißig Jahren niederzureißen. Die zweite Mauer war vor der Ausstellungseröffnung intakt, aber das dauerte nicht lange. Die Besucher konnten sie selber zerstören und sich somit ins Jahr 1989 versetzen. An den frei gewordenen Stellen konnte man aufschreiben, wie sich die Gesellschaft im Laufe der letzten dreißig Jahre verändert hat.

    Dies ist eine Geschichte über die Menschen, die lange gegenüber einer Mauer gelebt hatten, und über diejenigen, die dagegen waren. An der Eröffnung nahmen Menschen verschiedener Generationen teil: Diejenigen, die das Jahr 1989 noch gut im Gedächtnis haben, und diejenigen, die sich nicht daran erinnern, weil sie viel später geboren wurden, darunter viele Studenten.

    „Die Länder des Ostblocks sind auf der Ausstellung gleichermaßen vertreten, aber Ostdeutschland nimmt einen besonderen Platz ein. Dieses Land hat unsere Ausstellung konzeptionell beeinflusst, da in Deutschland eine reale Mauer existierte und ein wichtiges Symbol der Epoche war. Deshalb tauchte unsere Mauer auch auf der Ausstellung auf“, fasst Jekaterina Pawlenko zusammen.

    Promo der Memorial-Ausstellung in Moskau
    © Foto : Memorial
    Promo der Memorial-Ausstellung in Moskau

     

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    Themen:
    DDR 1989 – Erst Feier zum 40. Jahrestag, dann "Mauerfall" und Untergang (91)
    Tags:
    Mauerfall, Warschauer Pakt, DDR, 30 Jahre Mauerfall