07:05 15 November 2019
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    Gamer (Symbolbild)

    Thüringens Verfassungsschutzchef: Gamer als Alliierte bei Extremismus-Bekämpfung gewinnen

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    Gesellschaft
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    Thüringens Verfassungsschutz-Präsident Stephan Kramer warnt nach dem Terroranschlag in Halle davor, die Gamer-Szene pauschal zu verdächtigen. Stattdessen sollte man sie als Alliierte gewinnen, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Freitag.

    Zuvor war Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in die Kritik geraten, weil er in einem Interview darauf verwies, dass „viele von den Tätern oder den potenziellen Tätern aus der Gamer-Szene“ kommen würden.

    Eine solche Pauschalisierung, wobei die ganze Gamer-Gemeinschaft unter Verdacht komme, sei „sachlich falsch und auch kontraproduktiv“, so der Thüringer Verfassungsschutzchef.

    „Es geht darum, sie (Gamer – Anm. d. Red.) als Alliierte zu gewinnen, damit ihre Plattformen sauber bleiben“, erläuterte Kramer.

    Kramer, der von 2004 bis 2014 Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland war, sagte auch, es sei Aufgabe der Gesellschaft, Menschen zu helfen, die in den Extremismus abglitten. Die Bedrohung könne nicht nur durch die Beobachtung des Internets gemindert werden, dafür seien die Aktivitäten dort zu unübersichtlich und vielfältig.

    Er kritisierte zudem den fehlenden Schutz der Synagoge in Halle vor dem Anschlag: „Es ist für mich unverständlich, dass nicht wenigstens zum höchsten jüdischen Feiertag eine Polizeistreife vor der Tür stand“, sagte er dem RND. In diesem Zusammenhang äußerte er Verständnis für die Kritik seitens des Zentralrats der Juden, der unmittelbar nach dem Attentat ebenfalls von mangelndem Schutz gesprochen hatte.

    Halle-Attentat

    Am 9. Oktober hatte ein Mann schwer bewaffnet versucht, in die Synagoge in Halle an der Saale einzudringen. Als sein Plan misslang, erschoss er auf der Straße eine 40 Jahre alte Frau und kurz darauf einen 20-jährigen Mann in einem Döner-Imbiss. Der 27-Jährige ist in Untersuchungshaft. Er war in der Gamer-Szene unterwegs. Vor dem Anschlag hatte er einen Ablaufplan veröffentlicht, die Bluttat selbst hatte er über eine Helmkamera live im Internet übertragen. Auch in seinem im Netz veröffentlichten „Manifest“ hatte er eine Liste von möglichen „Errungenschaften“, die er während des Massakers erreichen könnte. Diese war stilistisch von den in Computerspielen üblichen „Achievements“ inspiriert.

    msch/ip/dpa

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    Tags:
    Thüringen, Computerspiel, Spieler, Gamer, Halle