07:02 18 November 2019
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    Eine U-Bahn-Station in Santiago, Chile, wurde von Protestlern in Brand gesteckt. Der 19. Oktober 2019

    Nach Protesten in Santiago: Chiles Präsident verhängt Ausnahmezustand

    © AFP 2019 / JAVIER TORRES
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    Nach schweren Ausschreitungen wegen U-Bahn-Fahrpreiserhöhungen in der chilenischen Hauptstadt Santiago hat der Präsident des Landes Sebastián Piñera den Ausnahmezustand in mehreren Regionen des Landes ausgerufen. Das verkündete der Staatschef in einer Fernsehansprache, die als Video auf Twitter veröffentlicht wurde.

    Die ersten Proteste waren der Nachrichtenagentur France-Presse zufolge vor knapp einer Woche mit Inkrafttreten der Fahrpreiserhöhung von 800 auf 830 Pesos (1,04 Euro) ausgebrochen – umgerechnet eine Erhöhung von vier Euro-Cent. Im Januar hatte es bereits eine Preiserhöhung um 20 Pesos gegeben.

    Proteste

    Zunächst wurden hunderte Schüler und Studenten mit Sprüngen über die Drehkreuze zu Schwarzfahrern, später entwickelten sich in der chilenischen Hauptstadt Protestkundgebungen.

    In verschiedenen Stadtteilen errichteten Demonstranten Barrikaden, es gab Zusammenstöße mit der Polizei. Diese setzte Wasserwerfer und Tränengas ein.

    Brände in der U-Bahn

    Die Feuerwehr musste wiederholt ausrücken, weil Brandstifter in mehreren U-Bahn-Stationen schwere Schäden angerichtet hatten. Die Verwaltung der Metro stellte daraufhin am Freitagabend den gesamten U-Bahnverkehr auf dem etwa 140 Kilometer langen Streckennetz ein. Die Sperrung soll demzufolge das ganze Wochenende dauern.

    „Die Maßnahme ist wegen ernster Schäden getroffen worden, durch die den Passagieren und Mitarbeitern nicht einmal ein Minimum an Sicherheit gewährleistet werden kann“, twitterte die Gesellschaft am Freitag.

    Ausnahmezustand ausgerufen

    Präsident Piñera sprach am Freitagabend (Ortszeit) von „ernsten und wiederholten Angriffen“ auf die U-Bahn in der chilenischen Hauptstadt. Sie „behindern die Freiheit der Bewegung und haben die öffentliche Ordnung wesentlich gestört“.

    Der Ausnahmezustand wurde in den Provinzen Santiago und Chacabuco sowie in den Gemeinden Puente Alto und San Bernardo verhängt. Der Präsident gab darüber hinaus bekannt, dass er eine Arbeitsgruppe zur Besprechung von Fahrpreiseerhöhungen bilden werde. In einem Radio-Interview bezeichnete er die Demonstranten als Straftäter.

    „Dieser Drang, alles kaputt zu machen, ist kein Protest, das ist kriminell“, zitiert die AFP den chilenischen Staatschef.

    Am Donnerstag waren laut der Agentur 133 Menschen wegen Schäden in U-Bahnstationen, die sich umgerechnet auf rund 630.000 Euro belaufen, festgenommen worden.

    mo/ae/sna/dpa

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    Santiago, Chile