10:36 15 November 2019
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    Luisa Neubauer (Archiv)

    ZDF-Moderator Lanz wäscht deutscher „Greta“ Luisa Neubauer wegen Radikalität den Kopf – Netz empört

    © AFP 2019 / INA FASSBENDER
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    Im letzten ZDF-Talk stellte Moderator Markus Lanz deutscher Klimaaktivistin Luisa Neubauer unbequeme Fragen zu ihrem Buch „das Ende der Klimakrise“, darunter zum „unverantwortlichen“ Kinderkriegen. Viele Zuschauer gehen nun im Netz „den Anwalt der alten weißen Männer“ selbst an, wobei die anderen ihn in Schutz nehmen.

    Die 23-jährige Anführerin der deutschen „Fridays-for-Future“-Bewegung und das Grünen-Mitglied Neubauer liess Anfang Oktober ihr erstes Buch über die Klimakrise veröffentlichen. An diesem soll sie mit dem Politikökonomen Alexander Repenning zwei Jahre lang gearbeitet haben. Auf eine Textstelle im Buch sprach sie gerade Lanz in seiner Sendung an. Er zitierte: „Ist das Kinderkriegen unseren Mitmenschen gegenüber verantwortungsvoll, da statistisch gesehen nichts einen größeren CO2-Fußabdruck hinterlässt als ein Kind?“ - und fragte seine Gästin, was daraus folge. Viele junge Frauen hätten ihr die Frage gestellt, so Neubauer, ob es noch verantwortungsbewusst sei, ein Kind in die Welt zu setzen, die ihr ganzes Leben mit dieser Krise zu kämpfen haben werden. Sie antworte mit viel Zuversicht, denn zurzeit gebe es viele Möglichkeiten. „Ich ermutige diese Frauen, mit uns für diese Veränderung zu kämpfen.“

    Der Moderator konterte, das sei nicht die Antwort auf seine Frage. Neubauer legte nach: „Wenn Sie jetzt von mir hören wollen, dass Leute aufhören sollen, Kinder zu bekommen: Sorry, so einfach ist es nicht.“ Es sei ja nicht die Anzahl der Menschen auf dieser Welt, sondern wie diese leben würden. Doch Lanz wollte Neubauer „nicht so schnell aus diesem Satz rauslassen“. Ob diese radikale Sprache „uns weiterbringt“, wollte er wissen. Wieder antwortete Neubauer etwas ausweichend: Deutschland lebe in einer „Vorstellungskrise“. Die Menschen würden denken, dass sie nicht betroffen seien, und mit der Klimakrise lediglich im Pazifik untergehende Inseln und Eisbären verbinden.

    ​Indirekt wollte der ZDF-Moderator Neubauer wieder herausfordern. Man rede ja so viel über Populismus, über Leute, die nicht auf ihre Sprache achten würden, so Lanz mit Blick auf die AfD. Das radikale Ignorieren der Klimakrise sei das Radikale, parierte Neubauer. An den Forderungen von ihrer Bewegung sei nichts radikal, denn man fordere nur, sich an internationale Abkommen zu halten. Man müsse sich noch fragen: „Was hilft noch? Sind wir noch zu retten? Wie bewegen wir Menschen?“ Sie bedauerte zugleich, mit Morddrohungen konfrontiert zu sein, bezeichnete sie zugleich als ein absurd-normales Begleitphänomen bei Menschen, die sich öffentlich aussprechen würden.

    Netz gegen „alte weiße Herren“

    In den sozialen Netzwerken häuft sich die Kritik an Lanz an. „Alte weiße Männer bei Markus Lanz, die Selbstbeweihräucherung betreiben. Plappern zum Selbstzweck. Warum muss sich eine kluge Luisa Neubauer so etwas anhören müssen?“, schrieb der Nutzer Martin Kühn auf Twitter.

    „Markus Lanz hat sich heute als Anwalt der alten weißen Männer positioniert und dabei genau das Verhalten widergespiegelt, dass die berechtigten und verankerten Forderungen der jungen Generation blockiert“, so die Nutzerin kitchenqueen

    „Luisa Neubauer hat Markus Lanz gestern ganz wundervoll inhaltlich und rhetorisch vorgeführt. Alte weiße Herren-Autoren (Berliner Morgenpost) meinen heute, Lanz hätte sie in die „Ecke“ gedrängt Nein, mitnichten! Sie hat ihn professionell abperlen lassen. War mir ein Fest!“, schrieb weiter die Nutzerin claudine.

    „Fridays for Future finde ich begrüßenswert, aber...“

    Auch fanden sich diejenigen, die dem ZDF-Moderator eher den Rücken stärkten. So schrieb der Nutzer Florian Schmidt, Luisa Neubauer schaffe es in 30 Minuten nicht einmal inhaltlich in die Tiefe zu gehen. 

    „Bravo Markus Lanz, hartnäckig. Die junge Dame hat ja ein absolut positives Ansinnen, tolles Engagement. Merkt vermutlich aber wirklich nicht, wie radikal und überzogen sie rüberkommt, vielleicht auch eingestellt ist. Gut den Spiegel vorgehalten. Sie wollte noch nicht reinsehen“, schrieb der Nutzer tomsigl. „Fridays for Future finde ich begrüßenswert und richtig. Aber die unsympathische Altklugheit von Luisa Neubauer bringt mich echt auf die Palme“, so seinerseits der Nutzer Tim Joaquín Sánchez Suárez.

    Zusammen mit Clara Reemtsma gehört die Hamburgerin Neubauer zu den prominenten Gesichtern der deutschen „Fridays for Future“-Aktivitäten. Die beiden zeigten sich in der Vergangenheit eben als Jugendbotschafterinnen der One-Foundation aktiv. Finanziert wird die Stiftung, die die Amerikaner ursprünglich mehr über „die extreme Armut auf der Welt“ informieren sollte, unter anderem von Bill und Melinda Gates.

    Im Interview mit Axel Springer-Vorstand Mathias Döpfner äußerte Neubauer im Juli 2019, man müsse aufhören, Öl, Gas und Kohle zu fördern, und brauche eine wohlhabende, glückliche, liebende Gesellschaft, die ohne CO₂-Emissionen leben könne. Einer Studie des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung zufolge ergibt sich absehbare Herausforderung für die „Fridays-for-Future“ daraus, dass die Kampagne einen Klärungsbedarf habe, was mit Forderungen gemeint sei wie „Wir müssen Demokratie neu denken“ und „Wir müssen weg vom quantitativen Wachstum und Konsum, hin zu einem qualitativen Wachstum mit Glück, Freiheit und Liebe“.

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    Tags:
    Mathias Döpfner, Greta Thunberg, Klimawandel, CO2-Emissionen, CO2, Fridays For Future