21:03 14 November 2019
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    Klimaaktivistin Luisa Neubauer bei der Fridays for Future-Aktion (Archiv)

    „Von CO₂-Steuer halte ich nichts“ – Hamburger Klimaforscher bietet „Endzeitsekte“ Paroli

    CC BY-SA 4.0 / C.Suthorn / Wikimedia Commons (cropped a photo)
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    Der Hamburger Klimaforscher und Meteorologe Prof. Hans von Storch teilt die Untergangsszenarien der Klimaaktivisten sowie der Grünen offenbar nicht. Ein Verzicht aufs SUV-Fahren oder Fliegen wird aus seiner Sicht das Klimaproblem eben nur gering beeinflussen. Greta Thunbergs UN-Kampfansagen findet er dabei lach- sowie sektenhaft.

    In einem  Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“ fordert er die Menschen in Deutschland auf, vernünftig zu bleiben und sich nicht in die Extreme oder den Populismus gleich welcher Couleur, ob den der AfD oder der Grünen, zu begeben. So findet er die Zukunftsbeschreibung der örtlichen Klimaaktivisten oder mancher Kollegen, der Planet werde  sterben oder „aufgrund unseres sündhaften Verhaltens“ zerstört werden, für nicht zutreffend. Das sei ein uraltes Motiv. Es könnte theoretisch in den ohnehin heißen Tropen so heiß werden, so von Storch, dass man dort ohne technische Hilfen wie Klimaanlagen nicht mehr gut leben könne. „Aber in allen anderen Regionen, etwa bei uns, kann davon keine Rede sein.“

    Während bei manchen wissenschaftlichen Positionen wie die von Treibhausgasen bedingte Erderwärmung oder der steigende Meeresspiegel die meisten Wissenschaftler sich zweifelsfrei einig wären, sagt von Storch weiter, wären die Aussagen wie die von der deutschen Fridays-for-Future-Anführerin Luisa Neubauer, die Kinder würden sich bald auf dem Schulhof die Füße verbrennen – oder die Spekulation von Grünen-Chefin Baerbock, das Zittern von Bundeskanzlerin Angela Merkel hänge mit dem Klimawandel zusammen, nicht wissenschaftlich verifizierbar. 

    In dieser Hinsicht findet von Storch, Ex-Leiter des „Instituts für Küstenforschung“ am Helmholtz-Zentrum Geesthacht,  Greta Thunbergs UN-Aussagen lachhaft. Die schwedische Klimaaktivistin hatte auf dem UN-Gipfel den Politikern und den Generationen vor ihr vorgeworfen, sie hätten ihr die Kindheit geraubt. Ihr Wunsch, die Politiker würden in Panik geraten, habe dabei etwas von Ideen einer Endzeitsekte.

    „Dass ein behütetes Mädchen aus dem reichen Schweden das sagt, da kann man eigentlich nur zurückgeben: How dare you? (Wie kannst du es wagen?)“. Hätte das ein aus Syrien geflüchtetes Mädchen oder ein alter unter Armut und Dürren leidender Mann aus Afrika gesagt,  hätte es vielleicht gestimmt, so der Forscher.

    Er laste ihr aber diese Übertreibungen nicht an, sondern ihrem Umfeld, „das sie ja wohl so grotesk inszeniert.“ Manche Leute würden in Veranstaltungen ernsthaft sagen, sie möchten ihren Kindern keine Welt hinterlassen, in der es Stürme gebe - Unsinn. Unstrittig sei eben, dass Hitzewellen mit dem Klimawandel zusammenhängen würden, wobei bei Starkregen es plausibel sei.

    „Die Hebamme mit ihrem Diesel wird weiter löhnen müssen, wenn...“

    Die Klima-Frage hält der Professor insgesamt für eine wichtige, aber nicht die einzige politische Herausforderung. Viel Plastik in den Meeren, die Bewahrung des sozialen und weltpolitischen Friedens seien Angelegenheiten von nicht geringerer Bedeutung. Dass ab 2050 die gesamte Menschheit klimaneutral leben und sich die Erde bis 2100 nur um 1,5 oder maximal zwei Grad gegenüber der Zeit vor der Industrialisierung erwärmen wird, glaubt der Forscher nicht. Denn die CO₂-Emissionen wären seit 1990 etwa um 70 Prozent gestiegen und würden nicht so schnell abgebaut werden. Dass Deutschland ihren Ausstoß in den letzten Jahren von 1,2 auf 0,9 Gigatonnen gesenkt habe, sei im weltweiten Maßstab nicht der Rede wert. Die Verzichtspolitik für SUV-Fahren, Fliegen oder Kreuzfahrten wird aus seiner Sicht eben kaum etwas in der Klimabilanz bringen, denn er „hat in der Summe einen nur kleinen und angesichts der großen Ausmaße des Problems zu vernachlässigenden Einfluss auf den Klimawandel.“

    Man bräuchte dagegen einen größeren Hebel wie etwa durch ökonomische Anreize und technologische Entwicklung. Es müsse sich lohnen, weil zum Beispiel Solarenergie sehr günstig werde oder das Potenzial des Zertifikatehandels deutlich werde. Von einer CO₂-Steuer halte er dabei nichts.

    „Denn die führt ja dazu, dass der Eppendorfer Radiologe mit seinem teuren Tesla keine Steuern mehr zahlt, die Hebamme mit ihrem Diesel aber weiter löhnen muss – dabei hat sie wenig Geld.“ Es sollte also nicht in erster Linie darum gehen, weniger zu emittieren, sondern eine Entwicklung loszutreten, die überall auf Erden wirke.

    Statt einer CO₂-Steuer könnte sich Professor von Storch aber einen Klima-Soli auf die Gehälter vorstellen, mit dem ein Fonds zur Technologieentwicklung ausgestattet werden könnte. Dieses könnte die Forschung massiv fördern und deren Ergebnisse der ganzen Welt zugutekommen lassen. In Deutschland wären dies dann neue klimaneutrale Systeme zur Heizung und Kühlung von Häusern mit Hilfe des reichlichen Windstroms aus der Nordsee. Vollständig stoppen lasse sich der Klimawandel aber nicht. Von Storch habe aber keine Angst davor, sondern eher Angst vor falschen politischen Debatten.

    Seit einem Monat plant die Bundesregierung, die Bepreisung des CO₂-Ausstoßes auf die Bereiche Verkehr und Gebäude auszuweiten, erst in der Industrie und Energiewirtschaft. In den Bereichen Verkehr und Heizen möchte man dabei bis 2021 mit zehn Euro pro Tonne Kohlendioxid (CO₂) ein- und bis 2025 laut einem neuen Beschluss allmählich auf 35 Euro umsteigen. Der Preis soll dann ab 2026 zum Teil durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden, zunächst aber mit einer 60-Euro-Obergrenze.

    Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte zuvor erkannt, dass das Klimapaket im Zusatz zur umstrittenen Klimafreundlichkeit sozial unausgewogen ist. Der US-Klimaingenieur Prof. Wahed Uddin hatte seinerseits in einem Sputnik-Interview den CO₂-bedingten Klimawandel bezweifelt.

    lk/gsch

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    Tags:
    Emission, CO2, CO2-Emissionen, Klimawandel