01:52 21 November 2019
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    50 Jahre „Neuland“ – Wo steht Deutschland digital?

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    Am 29. Oktober 1969 wurde in den USA die erste Internet-Verbindung hergestellt, 1971 die erste E-Mail verschickt. Damit nahm die digitale Revolution ihren Anfang. Doch wie weit sind wir in puncto Digitalisierung in der Bundesrepublik gekommen?

    Das Internet feiert 50-jähriges Jubiläum. Vor einem halben Jahrhundert sprach das World Wide Web sein erstes Wort: „Login“. Seither hat sich in unser aller Leben viel verändert. Das Internet begleitet uns auf Schritt und Tritt – als Informationsquelle, als Ort des sozialen Miteinanders und der Selbstverwirklichung, als Berater in allen Lebenslagen. Wir hören unsere Lieblingsmusik jetzt via Smartphone und Streamingdienste von unterwegs, tauschen politische Ansichten und Kochrezepte mit wildfremden Menschen in Foren aus und bestellen mal eben schnell Weihnachtsgeschenke im digitalen Versandhandel. Noch vor gar nicht so langer Zeit war das alles Zukunftsmusik und kaum vorstellbar. Doch wie sieht es heute in Deutschland aus? Wie gut sind wir im internationalen Vergleich digital aufgestellt?

    Dass Deutschland und die EU noch nicht so richtig im fünfzig Jahre alten „Neuland” angekommen sind, hat man hierzulande erkannt. Doch was wird unternommen, um im digitalen Bereich aufzuholen? Beim Digitalgipfel in Dortmund geht es am Dienstag unter anderem um das ambitionierte europäische Projekt Gaia-X, vorgestellt durch Peter Altmaier (CDU). Das Cloud-Netzwerk soll beispielsweise europäischen Firmen dabei helfen, digitale Geschäftsmodelle umzusetzen.

    „Die existierenden Cloud-Angebote werden von außereuropäischen Anbietern mit hoher Marktmacht und schnell skalierenden Cloud-Infrastrukturen dominiert“, heißt es im Papier zum Projekt. Europäische Alternativen seien allenfalls in fachspezifischen Nischen aktiv. Gaia-X soll „die Grundlage eines offenen, digitalen Ökosystems“ schaffen, „mit dessen Hilfe Unternehmen und Geschäftsmodelle aus Europa heraus weltweit wettbewerbsfähig skalieren können“.

    Bereits im zweiten Quartal 2020 soll das neue Konzept erprobt, Ende des kommenden Jahres der Livebetrieb bei ersten Anbietern und Anwendern aufgenommen werden.

    Kritik an den Plänen von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kommt von SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. Sie seien generell zwar ein guter Ansatz, „dringlicher wäre es aber, das Datenmonopol der großen US-Konzerne endlich zu brechen“, sagte Klingbeil dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Wir müssen aufhören, uns auf Gipfel-Veranstaltungen gegenseitig zu beklatschen und stattdessen dafür sorgen, dass die Digitalisierung endlich Fahrt aufnimmt.“

    Wer bei der Digitalisierung vorne liege, schaffe Arbeitsplätze und sichere Wachstum, so die Erkenntnis des SPD-Politikers. Die jeweils von der Union geführten Ministerien für Bildung, Wirtschaft und Verkehr täten zu wenig, um Deutschland fit für den digitalen Wandel zu machen.

    Auch in puncto Wachstum des Marktes für Informationstechnik und Telekommunikation hängt die Europäische Union dem Digitalverband Bitkom zufolge weiter hinter Ländern wie USA und China hinterher.

    „Deutschland ist die weltweit viertgrößte Volkswirtschaft, aber bei der Digitalisierung spielen wir nicht mehr vorne mit“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg der „Rheinischen Post“.

    Erst kürzlich hatte Berg zudem vor einem Rückbau Deutschlands „zu einem analogen Inselstaat“ gewarnt. Er sagte das im Zusammenhang mit dem Abschlussgutachten der Datenethikkommission, das der Bundesregierung vergangenen Mittwoch vorgelegt wurde. Darin hatte die Kommission der Bundesregierung ethische Leitlinien und rechtliche Handlungsempfehlungen vorgelegt, wie diese mit digitalen Daten umgehen soll. Kritiker wie Bitkom-Präsident Berg oder der Verband der Internetwirtschaft befürchten eine übermäßige Regulierung, die „die Entwicklung und den Einsatz von künstlicher Intelligenz als Schlüsseltechnologie massiv beeinträchtigen und die Digitalisierung in Deutschland nur noch weiter verzögern.“

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    Tags:
    Geschichte, Digitalisierung, Internet, Deutschland