22:31 16 November 2019
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    Rapper Kollegah

    EMMA vergibt Negativpreis für Sexismus – und offenbart dabei Islamophobie

    © AFP 2019 / AXEL SCHMIDT
    Gesellschaft
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    Wenn jemand sexistisch, homophob und antisemitisch auftritt, lässt sich das mit seiner Zugehörigkeit zur muslimischen Glaubensgemeinschaft gleichsetzen beziehungsweise damit begründen? Dies hat das Frauenmagazin EMMA offenbar getan, als es begründete, weshalb es Rapper Kollegah zum „Sexisten des Jahres“ kürte. Ist EMMA islamophob?

    Die Frauenzeitschrift EMMA hat einen neuen Negativpreis ins Leben gerufen, um Sexismus abzustrafen. Der Award „Sexist Man Alive“ wurde vergangene Woche zum ersten Mal verliehen und der Gewinner heißt Kollegah.

    Der umstrittene Rapper ist nicht nur EMMA ein Dorn im Auge. Kürzlich hat der Rastatter Gemeinderat sein für den 9. November geplantes Konzert in der Badner Halle verhindert.

    Zur Begründung sagte Oberbürgermeister Jürgen Pütsch: „Wir alle sind gefordert, hier ein klares Zeichen zu setzen. Denn als aufrechte Demokraten tragen wir Verantwortung, das Erinnern an die Gräueltaten des Naziregimes am 9. November hochzuhalten. Und wir sind ebenso gefordert, Vorbild zu sein und dem entgegenzutreten, was unser Festredner am 3. Oktober, Professor Di Fabio, ‚Verwahrlosung der Gesellschaft‘ genannt hat. Und zu dieser Verwahrlosung gehört auch die Verrohung der Sprache, die dieser Künstler in seinen Texten zum Ausdruck bringt. Dafür sollte es in Rastatt keinen Platz geben.“

    Angesichts der vielen frauenfeindlichen, homophoben und antisemitischen Textpassagen in Kollegahs Rap-Titeln mögen die Ressentiments gegen den gerade bei jüngerem Publikum unheimlich erfolgreichen und mit zehn Hip-Hop-Awards und drei Echos prämierten Künstler durchaus begründet sein. Und dass der Rapper Frauen regelmäßig als „Fotzen“, „Huren“ und „Bitches“ bezeichnet, dürfte nicht nur Feministinnen sauer aufstoßen. Insofern: Völlig verdienter Preis. 

    Dass die Autorinnen von EMMA diese verbalen Ausflüge unter die Gürtellinie in der Begründung plakativ mit dem Islam gleichsetzen, zu dem Kollegah mit fünfzehn Jahren konvertierte, gibt der ganzen Sache jedoch einen schalen Beigeschmack. So heißt es in dem an den Rapper gerichteten Text beispielsweise:

    „So mancher meint, das mit dem Antisemitismus wäre ein Ausrutscher. Von wegen, Alter! Das hat System. Denn nach deiner katholischen Kindheit im Hunsrück bist du mit 15 zum Islam konvertiert. Wie das? Dein neuer Stiefvater ist Algerier ‚und da lag der Koran bei uns zuhaus rum‘. Folge: Erleuchtung!”

    Kollegah kenne den Koran fast auswendig und fünfmal am Tag zu beten gehöre sicher dazu, fährt EMMA fort. Dann der überraschende Schwenk zu Kollegahs Verlobter:

    „Wie sie wohl aussieht, deine Verlobte? Ist sie verschleiert? Darfst etwa nur du sie sehen? Entschuldige, wir wollen dir nicht zu nahe treten. Das sind nur Fragen, die uns so durch den Kopf gehen. Am liebsten würden wir deinen Sexist-Man-Alive-Award deiner Verlobten übergeben, denn die trägt das ja alles mit.“

    Auch wenn es unzählige Textpassagen gibt, die man guten Gewissens als frauenfeindlich, antisemitisch und homophob bezeichnen kann – die fragwürdige Einstellung des Rappers mit dem Islam zu verbinden, oder vielmehr mit Klischees darüber, ist kein Ruhmesblatt für die EMMA-Redaktion. Damit stellt sie sich selbst in die ganz dunkle, islamophobe Ecke. Und über Kollegahs Verlobte Mutmaßungen anzustellen, ohne sie selbst zu Wort kommen zu lassen oder gar Belege für ein solches Verhalten des Rappers gegenüber seiner Partnerin zu haben, ist weder seriös, noch journalistisch sorgfältig, noch angebracht.

    Ein Negativpreis, der zu Recht auf hetzerische und womöglich jugendgefährdende Inhalte der Rap-Texte Kollegahs aufmerksam machen sollte, verkommt mit dieser Präsentation zur Farce und wird für EMMA zum Eigentor.

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    Feminismus, Rapper, Preis, Islamophobie, Kollegah, Antisemitismus, Sexismus