19:36 14 November 2019
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    Die Europäische Freiheitsglocke in Gifhorn

    Ein Deutsches Einheitsdenkmal gibt es längst, nur nicht in Berlin – Gifhorn ist allen weit voraus

    © AFP 2019 / RONNY HARTMANN
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    17 Millionen darf es kosten, wenn es denn endlich gebaut würde: jenes Denkmal in Berlin, das der deutschen Teilung gedenken soll. Doch während die „Einheitswippe“ nur Dauerärgernis ist, gibt es längst ein Einheitsdenkmal, im Gedenken an Wiedervereinigung und Freiheitsverheißung. Nur eben nicht in Berlin, sondern im früheren Zonenrandgebiet.

    Während in der Bundeshauptstadt um die Einheitswippe gerungen wird, erklingt alljährlich am 9. November um exakt 18:53 Uhr, dem Zeitpunkt, an dem Günter Schabowski 1989 die Grenzöffnung vor laufender Kamera bekanntgab, feierlich die Europäische Freiheitsglocke  - in Gifhorn, im Bundesland Niedersachsen. Bisher wohl das erste und einzige Einheitsdenkmal Deutschlands.

    Errichtet wurde es 2007, auf einer Freifläche vor dem „Glocken-Palast“, einem Gebäudekomplex, für den am 19. September 1996 Schirmherr Michail Gorbatschow zusammen mit seiner Frau Raissa den Grundstein legte und als Kulturinstitut dient. Das daneben befindliche Denkmal, das an den Fall des Eisernen Vorhangs und an die wiedererlangte Einheit Deutschlands und Europas erinnern soll, wurde mithilfe von Spenden sowie einem größeren Privat-Darlehen errichtet.

    Diese Tatsache unterstreiche den Gedanken, dass Initiativen, Aktivitäten und Projekte zur Überwindung von Grenzen, zur Völkerverständigung und zur Friedenssicherung aus dem Volk, aus den Völkern heraus wachsen müssten und dass in so wichtigen Fragen nicht auf Politik und Verwaltungen gewartet werden dürfe, erklären die Betreiber.

    Das ist der Verein „Europäisches Institut zur Förderung des russischen sowie internationalen Kunsthandwerks“ unter Leitung von Horst Wrobel. Wrobel und der Verein betonen, dass die Errichtung eines solchen Monumentes, ohne öffentliche Unterstützung, ausschließlich durch private Initiative, durchaus dazu berechtige, diesem Bauwerk auch den Status eines „Denkmales des Volkes“ zuzuerkennen. Die Rufe bei den Montagsdemonstrationen „Wir sind ein Volk“ seien hier quasi symbolisch in Bronze gegossen.

    30 Glockenschläge November 2019

    Für den Festakt im Jahr 30 nach dem Mauerfall gibt es vor Ort eine besondere Würdigung: Da dieses historische Ereignis auch für die Zukunft der Menschen in Europa von Bedeutung bleiben würde, lädt Horst Wrobel als Veranstalter in diesem Jahr Eltern im Alter von 30 Jahren mit ihren Kindern ein, am 9. November mit 30 Glockenschlägen der Europäischen Freiheitsglocke der Maueröffnung zu gedenken. Es werde einen Tag der offenen Tür geben, mit historischem Glockenschlag, heißt es in einer Pressemitteilung.

    Mit einem Gewicht von über 10 Tonnen ist es die größte Glocke Niedersachsens und die drittgrößte Glocke Deutschlands. Auf dem Klangkörper sind neben den Portraits von Michail Gorbatschow, Goerge Bush sen., Helmut Kohl und Gyula Horn spezielle Widmungen abgebildet, die diese Politiker für das Einheitsdenkmal verfasst hatten. Weitere Widmungen stammen von Alt-Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel, Kardinal Karl Lehmann und Bischof Wolfgang Huber, den beiden damals führenden Repräsentanten der Katholischen und der Evangelischen Kirche in Deutschland.

    Auf acht um das Denkmal aufgerichteten Tafeln sind bedeutende Ereignisse der deutschen wie europäischen Geschichte zwischen 1933 bis 2007 zu sehen. Die Glocke selbst hängt an einem großen Kreuz, das durch Stacheldraht und 137 kleinere Kreuze geprägt ist. Der Stacheldraht steht symbolisch für den ehemaligen „Eisernen Vorhang“. Die kleinen Kreuze sollen an die Menschen erinnern, die an der früheren innerdeutschen Grenze zu Tode kamen oder als politisch Verfolgte inhaftiert waren.

    Die Berliner Einheitswippe

    Erst unlängst wurde bekannt, dass sich der Baubeginn des Nationalen Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin weiter verzögern könnte. Der Naturschutzbund Berlin hatte Klage gegen die Genehmigung der Senatsbauverwaltung eingereicht. Anfang Oktober hatte die Behörde für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz grünes Licht für den Baubeginn unter strengen Natur- und Artenschutzauflagen gegeben. Dabei geht es um Ausgleichsmaßnahmen für geschützte Fledermäuse, die im Gewölbe unter dem künftigen Denkmalsockel am Berliner Schloss leben.

    Laut NABU hat die Behörde bisher kein ausreichendes Ersatzquartier und alternative Brutplätze für die seltenen Wasserfledermäuse geschaffen. Alternativen seien nicht geprüft worden. Ohne einen Ersatz sei der für diesen Winter vorgesehene Baubeginn der „Einheitswippe“ nicht möglich. Die Bauverwaltung müsse das bereits geschlossene Fledermausquartier an der Baustelle sofort wieder öffnen.

    Für das seit Jahren umstrittene Projekt hatte der Bundestag im vergangenen Jahr 17 Millionen Euro freigegeben. Auf dem Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals, vor dem künftigen Humboldt Forum, soll eine riesige begehbare Waage an die friedliche Wiedergewinnung der Deutschen Einheit erinnern.

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    Tags:
    Deutschland, Einheit, Wiedervereinigung Deutschlands in 1989, Wiedervereinigung