05:52 18 November 2019
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    Polizeiauto in Tiflis (Archivbild)

    Schwulenfilmpremiere in Georgien: Mehrere Protestteilnehmer festgenommen – Medien

    © Sputnik / Alexander Imediaschwili
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    Nach den Protestaktionen in Batumi und Tiflis gegen die Vorführung des georgisch-schwedischen Dramas „Als wir tanzten“ (Then We Danced) über einen schwulen georgischen Tänzer sind 27 Teilnehmer festgenommen worden. Dies teilt Sputnik Georgien unter Verweis auf das georgische Innenministerium am Samstag mit.

    „Insgesamt sind 27 Personen – 24 von ihnen in Tiflis und drei in Batumi – wegen Rowdytums und Ungehorsams gegen die Streifenpolizei festgenommen worden“, heißt es in dem Bericht.

    Den Sicherheitskräften sei es gelungen, für Ordnung und Sicherheit zu sorgen, und der Film sei zum festgelegten Zeitpunkt in allen Kinos vorgeführt worden. Insgesamt habe das Innenministerium Ermittlungen in vier Fällen eingeleitet. Dabei ginge es um die Angriffe auf die LGBT-Anhängerin Ana Subeliani und den Oppositionsführer David Berdsenischwili, zu denen es am gleichen Tag gekommen sei. Außerdem werde wegen der Attacken auf Polizeibeamte und der an Fahrzeugen des Innenministeriums verursachten Schäden ermittelt.

    Sabotage-Versuche von Kirche und Rechtsextremen

    Radikale Anhänger der ultra-nationalistischen Organisation „Georgischer Marsch“ und Vertreter der Orthodoxen Kirche des Landes hatten Freitagabend vor einer Woche vor den Kinos in Tiflis und Batumi Aktionen veranstaltet, um die Filmpremiere zu verhindern. Die Demonstranten versuchten, die Polizeisperre zu durchbrechen und die Kinos zu stürmen, worauf es zu Zusammenstößen und Schlägereien mit Polizisten kam. Die Radikalen warfen Flaschen auf die Polizei und zündeten Feuerwerkskörper. Die Aktionen endeten erst Samstagabend.

    Manche hielten Plakate mit den Aufschriften „Verwandelt Georgien nicht in Sodom und Gomorrha“ und „Legitimation und Propaganda von Sodomie ist Völkermord“ hoch.

    „Als wir tanzten“

    In dem Film, der ein offizieller Oscar-Kandidat Schwedens ist, erzählt der Regisseur und Drehbuchautor Levan Akin von Merab, einem Studenten an der Akademie des Georgischen Nationalballetts in Tiflis, dessen größter Traum es ist, professioneller Tänzer zu werden. Als ein neuer Schüler in die Klasse kommt, fühlt sich Merab bald zu diesem hingezogen. Das Umfeld der Schule ist jedoch äußerst konservativ und homophob, weshalb die beiden jungen Männer ihre Liebe geheimhalten müssen.

    Am 16. Mai 2019 feierte das Drama im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes seine Premiere; dort belegte es den siebten Platz unter den Top-Ten-Filmen. Mehr als 20 Länder haben inzwischen die Vorführrechte erworben.

    pd/sb/sna/

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    Tags:
    Polizei, Festnahme, Liebe, Oscar, Proteste, Premiere, Schwule, Film, Georgien