19:50 14 Dezember 2019
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    Michail Iwkin von „Aqua Vega“(r.) und Galina Sato, Präsidentin Granite Group mit dem Suworow-Preis

    Schweizer Suworow-Preis für russische Innovationsprojekte zum neunten Mal vergeben

    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
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    Russische Innovationsprojekte zur Erleichterung der Kommunikation für taubblinde Menschen und effizientere Diagnostik und Behandlung von Tumorkrankheiten sowie das Modell einer auf Aquaponik basierten organischen Hightech-Agrarproduktionsanlage, mit der sechsmal so viel Gemüse je Quadratmeter geerntet werden kann, haben den Suworow-Preis erhalten.

    Im Vorfeld des 13. Novembers, des Geburtstags des berühmten russischen Feldherrn des 18. Jahrhunderts, der in der Schweiz genauso wie in Russland verehrt wird, wurde dieser Preis zum inzwischen neunten Mal vergeben. Gestiftet wurde er vom Swiss Russian Forum mit Unterstützung der Foundation for Assistance to Small Innovative Enterprises (FASIE) mit dem Ziel, den bilateralen Technologieaustausch zwischen Russland und der Schweiz zu fördern. Den Gewinnern des ersten und des zweiten Preises wurde die prioritäre Möglichkeit gewährt, an den Programmen der FASIE „Start 1“ (gefördert mit bis zu zwei Millionen Rubel Zuschuss) und UMNIK (gefördert mit 500.000 Rubel) teilzunehmen.

    Der erste Preis ging an das Projekt „4Blind“ aus St. Petersburg. Sein Urheber, Fjodor Belomojew, erklärte, das Leben von sieben Millionen taubblinden Menschen weltweit verbessern zu wollen.

    „Wir können uns kaum vorstellen, wie man gleichzeitig nichts hören und nichts sehen kann, was weitgehend eine Folge von genetischen Erkrankungen ist. Wir haben ein Gerät erfunden, das diesen Menschen die Kommunikation mit der Außenwelt ermöglicht. Mithilfe eines Programms, das Signale sendet, lässt sich eine Verbindung zu dem Taubblinden herstellen.“

    Um anderen Menschen zu antworten, so Belomojew, müsse auch er den Bildschirm berühren, kann sich also mithilfe einer Hand mit jedem unterhalten. „Er spürt, dass Sie sprechen, berührt dann den Bildschirm und versteht Sie, selbst wenn Sie sich in einer anderen Sprache an ihn wenden. Ferner setzen wir Brailleschrift, Touch Phone und „Brailleghel“ ein — eine einmalige Handy-Software fürs Chatten.“

    Fjodor Belomojew aus St.Petersburg (r.) mit dem Suworow-Preis
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Fjodor Belomojew aus St.Petersburg (r.) mit dem Suworow-Preis

    Auf dem zweiten Platz landete das Projekt von Michail Iwkin aus Sergijew Possad bei Moskau „Aqua Vega“ als eine innovative Landwirtschaftstechnologie für die organische Agrarproduktion.

    „Die wachsende Bevölkerungszahl führt zu einem erhöhten Lebensmittelkonsum. Wir haben in Europa eine Studie durchgeführt und wurden mit einer niedrigen Lebensmittelqualität konfrontiert, die Allergie und Tumorkrankheiten nach sich zieht. Was Russland betrifft, so stammten im Vorjahr 40 Prozent des Gemüses aus Importen. Dennoch gibt es nach wie vor einen Mangel von 1,3 Millionen Tonnen. Die Hydroponik wird von vielen betrieben, wir beschäftigen uns dagegen mit der Aquaponik.“

    Die Hydroponik gehöre nicht zu den organischen Anbaumethoden, so Iwkin weiter, weil dabei viel Chemie eingesetzt werde. „Die Agrarproduktion auf dieser Grundlage geht wegen Pflanzen- und Viehkrankheiten mit großen wirtschaftlichen Verlusten einher und kann deshalb nicht ohne Chemie auskommen. Das ist nicht unser Weg. Beim Verwenden der Aquaponik wächst die Ernte schneller heran. Sie braucht 20 Tage. Das Kernelement des Systems machen Bakterien aus, die den Ertrag alle vier Jahre verdoppeln. Dies geschieht ausschließlich dank den Bakterien, ohne Investitionen, ohne eine Ausweitung der Anbaufläche oder zusätzliche Kosten.

    Michail Iwkin von „Aqua Vega“ (L) im Gespräch mit dem Botschafter Yves Rossier
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Michail Iwkin von „Aqua Vega“ (L) im Gespräch mit dem Botschafter Yves Rossier

    Der Forscher regt an: „Das System reift als ein Naturprodukt. Dabei lassen sich mit unserer Anlage bis zu 30 verschiedene Produktarten anbauen. Sie reagiert auch schnell auf die Nachfrage. Braucht der Markt Erdbeeren, pflanzen wir Erdbeeren. Dabei arbeiten wir nicht mit der Erde. Ferner züchten wir Forellen oder auch Karpfen von faszinierender Qualität, da es eine ökologisch und biologisch geschlossene Kreislaufanlage ist, ein ganz autonomer Zyklus. Es handelt sich dabei um eine komplizierte Symbiose von Fischen, Pflanzen und Bakterien. Das Projekt wird in Russland und für Russland betrieben. Anschließend wird auch ein Einstieg in den internationalen Markt geplant.“

    Daniil Golubjew mit dem Suworow-Preis
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Daniil Golubjew mit dem Suworow-Preis

    Der dritte Preisträger ist das schweizerisch-russische Gemeinschaftsprojekt „Erganoid 1“ zur Entwicklung eines prognostischen ex-vivo Tests für die Bewertung der Heilwirkung von Pharmapräparaten. Sein Urheber, Daniil Golubjew, äußerte, dies werde den Ärzten erlauben, für ihre Tumorpatienten das wirksamste Behandlungsverfahren auszuwählen. Die von ihm entwickelte Plattform kann die richtige Diagnose schnell stellen. Sonst müssen Patienten auf den Untersuchungsbefund lange warten. Häufig hat dann auch die ausgewählte Methode unangenehme Auswirkungen.

    „Aus langen Wartezeiten und falscher Behandlung resultieren zusätzliche Kosten für das Gesundheitswesen“, führt er weiter aus. „Der Biochip unseres Geräts, der Mikrobioreaktor findet heraus, wie der Patient auf unterschiedliche Therapien reagieren würde, dadurch kann die richtige Diagnose schneller gestellt werden. Dabei arbeitet er mit der Biopsieprobe. In zwei Jahren kann das Gerät auf den Markt kommen. Es wurde in einigen Kantonen der Schweiz, in Österreich, Deutschland und Russland zum Verkauf genehmigt.“

    Der schweizerische Botschafter in Moskau Yves Rossier betonte, es sei „wichtig, junge Forscher und ihre Entwicklungen im Bereich der Innovationen über einen intensiven Dialog mit Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern zu unterstützen. Keine Hürden und bürokratische Formalitäten dürfen der Zusammenarbeit zwischen Forschern in die Quere kommen“.

    Rolf Schatzmann, Gründer und Geschäftsführer von Rolf Schatzmann Consulting Ltd. Zürich, verwies darauf, dass „die Innovationen nicht bloß neue Ideen, sondern Erfindungen sind, die die Menschheit voranbringen. Dies geschieht nur, falls sie von der Gesellschaft gefordert und dadurch zugänglich werden, dass sie in den Markt gelangen“.

    Suworow-Preismedaille
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Suworow-Preismedaille

    Er unterstrich, dass „vor vielen Jahrhunderten jemand gelernt hat, Feuer zu machen. Das war die erste Innovation. Oder die Schriftsprache, über die wir miteinander kommunizieren können. Auch Edison und Gutenberg waren Innovatoren“. Die jetzigen Preisträger bezeichnete Schatzmann als Menschen mit einer innovativen Denkart, „die weder Misserfolg scheuen noch, dass ihre Idee sich anders verwirklichen könnte als sie es sich vorgestellt haben.“

    Zum Wettbewerb wurden 45 Projekte von allerhöchstem Niveau eingereicht, was die Auswahl der Finalisten erschwerte. Dabei genossen neugegründete Unternehmen, deren Projekte in erster Linie zum wirtschaftlichen Austausch zwischen Russland und der Schweiz beitrugen, den Vorzug. Maßgeblich für die Ermittlung der Sieger war auch die Bereitschaft eines Projekts zum Markteinstieg. Der Gewinner des Wettbewerbs wurde mit einer Geldprämie ausgezeichnet und erhielt als immaterielle Unterstützung professionelle Begleitung für ein Jahr zur Vorbereitung des Markteintritts seines innovativen Produkts.

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