09:27 10 Dezember 2019
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    Friedhof Ohlsdorf in Hamburg (Archiv)

    Hamburg finanziert aus Staatsmitteln Pflege von Kriegsgrab mit KZ-Kommandanten – Linke empört

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    Die sterblichen Überreste eines ehemaligen KZ-Kommandanten liegen in einem Hamburger Kriegsgrab, um dessen Pflege sich der deutsche Staat kümmert. Das hat der Senat der Hansestadt in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Christiane Schneider bekanntgegeben.

    Der 1884 in Schwerin geborene SS-Offizier Hermann Baranowski war erst Kommandant des Konzentrationslagers Dachau, dann des Lagers Sachsenhausen bei Oranienburg. 1940 starb er eines natürlichen Todes, wurde eingeäschert und in einem Familiengrab bestattet.

    Nach dem Kriegsgräbergesetz von 1952 konnten die Hinterbliebenen von Soldaten die dauerhafte Pflege aus Bundesmitteln beantragen. Voraussetzung dafür war die Umbettung in ein Kriegsgrab, um eine praktikable Pflege zu ermöglichen, wie ein Sprecher des Friedhofs Ohlsdorf erläuterte.

    Zuvor kein Unterschied zwischen Opfern und Tätern

    Bis in die 1960er Jahre unterschied man dem Sprecher zufolge nicht zwischen Tätern und Opfern. Darum gebe es auf dem Friedhof Ohlsdorf Kriegsgräber, in denen Soldaten und zivile Bombenopfer, aber auch SS-Leute und Gefangene aus dem KZ Neuengamme liegen. Eine nachträgliche Trennung der Toten sei praktisch nicht mehr möglich, weil Jahrzehnte später keine Überreste vorhanden seien.

    „Die Grabstätte von Hermann Baranowski war und ist als ein Kriegsgrab gemäß Gräbergesetz eingestuft und wurde beziehungsweise wird so behandelt“, so der Senat in dem auf der Webseite der Hamburgischen Bürgerschaft veröffentlichten Schreiben.

    Da es sich bei der Kriegsgrabanlage, in der sich Baranowskis Grab befindet, um eine Sammelgrabanlage handle, für die eine Pflegeentschädigung gemäß dem Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Gräbergesetz) gezahlt werde, würden entsprechende Bundesmittel verwendet.

    Außerdem soll die „stichprobenartige“ Durchsicht der Kriegsgräberlisten ergeben haben, dass sich unter den Personen, deren Gräber in Hamburg mit öffentlichen Mitteln erhalten und gepflegt werden, auch weitere SS-Angehörige befinden, so der Senat.

    Kritik der Linken

    Politiker der Linken-Partei kritisierten scharf die Verwendung öffentlicher Gelder für die Pflege des Grabes des ehemaligen KZ-Kommandanten.

    Der Sprecher der Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, Florian Kaiser, hat offenbar kein Verständnis dafür, dass ein Mann, der „für Leid und Tod unzähliger Menschen“ verantwortlich sei, „offiziell immer noch als ‚Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft‘ im Sinne des Gräbergesetzes“ gelte.

    „Wir sind der Meinung, es darf keinen einzigen weiteren Cent Steuergeld für die Grabpflege dieses NS-Verbrechers geben“, sagte Kaiser.

    mo/mt/dpa

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    SS, Nazis, Hamburg, Deutschland