17:51 10 Dezember 2019
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    Volkstrauertag auf dem Friedhof der Kriegsgefangenen in Lublino

    Volkstrauertag auf dem Soldatenfriedhof in Lublino (Moskau) als Zeichen der Versöhnung

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    Ein bewegendes Zeichen der Bereitschaft zur Versöhnung ist laut Géza von Geyr, dem deutschen Botschafter in Russland, die Errichtung und Pflege deutscher Soldatenfriedhöfe hierzulande. Wir wissen, wie kostbar diese Versöhnung ist, sagte er am Volkstrauertag auf dem ersten Friedhof für Kriegsgefangene in Lublino im Südosten Moskaus.

    Dies sei nur möglich, so der Botschafter, „weil die Menschen Russlands uns dabei geholfen haben und uns weiterhin dabei unterstützen, hier gefallene deutsche Soldaten zu finden und in Würde beizusetzen. Viele bleiben anonym, viele sind noch nicht gefunden. Aber einige Familien können in Gewissheit Ruhe finden – auch, indem sie einen Ort zur würdigen Trauer haben.“

    Botschafter Geyr gedenkt der Toten
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    Botschafter Geyr gedenkt der Toten

    Dabei äußerte Botschafter Geyr einen Gedanken, der ihm, wie er sagte, besonders wichtig ist: „Unser gemeinsames Gedenken ist heute mehr als Erinnerung und mehr als Trauer. Und auch die Pflege dieser Gräber ist mehr als eine Beschäftigung mit der Vergangenheit. Dieses gemeinsame Tun ist auch eine Beschäftigung mit der Zukunft. Es muss eine Beschäftigung mit der Zukunft sein. An diesen Gräbern gemeinsam zu stehen, lässt uns das hohe Gut der Versöhnung spüren und die Verantwortung für den Frieden spüren.“

    Hermann Krause gedenkt der Toten
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    Hermann Krause gedenkt der Toten

    Der Büroleiter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Moskau, Hermann Krause, fügte hinzu:

    „Dass der Volksbund deutsche Soldaten in Russland in Würde bestatten darf, ist nicht selbstverständlich. Wir wissen das zu schätzen. Dass die ausgestreckte Hand zur Versöhnung angenommen wurde, ist ein Zeichen von Großherzigkeit und zeugt von der Fähigkeit des russischen Menschen, zu vergeben. Diese wunderbare Tugend darf man nicht hoch genug einschätzen! Versöhnung über den Gräbern funktioniert nur, wenn beide Seiten es wollen und können. In Russland geschieht dies zum Glück unserer beiden Völker.“

    Diese Friedhöfe seien mehr als nur Ruhestätten, so Krause: „Sie sind Mahnung, bittere Botschaft, dass es nie mehr Krieg geben darf und dass die Blutspur, die der Faschismus hinterlassen hat, nie vergessen werden darf. Oftmals gelingt es uns noch, die gefundenen Toten anhand der Erkennungsmarken zu identifizieren.“ Er berichtete, dass man kürzlich auf dem Friedhof in Rossoschka vor Wolgograd einem Sohn, mittlerweile auch schon 82, genau sagen konnte, wo sein Vater jetzt begraben liegt. „Wir alle hatten Tränen in den Augen.“

    • Volkstrauertag auf dem Friedhof der Kriegsgefangenen in Lublino
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    Volkstrauertag auf dem Friedhof der Kriegsgefangenen in Lublino

    Der deutsche Botschafter Géza von Geyr würdigte die Rolle der Sowjetunion, die unter enormen Opfern wesentlich dazu beigetragen hatte, den Nationalsozialismus zu besiegen. „Die Zahlen der Toten dieses Krieges und der an Körper und Seele Verwundeten sind in ihrer Dimension unfassbar. Und unfassbar bleibt für uns der Schmerz der Menschen, der Familien, der Kameraden, der Schmerz eines ganzen Landes, der Schmerz vieler Länder. Wir verneigen uns heute vor den Toten dieses Soldatenfriedhofs, vor den Toten der Kriege und allen Opfern von Gewaltherrschaft, an diesem Tag, den wir in Deutschland als Volkstrauertag begehen.

    Auf dem Friedhof der Kriegsgefangenen in Lublino ruhen rund 500 deutsche Soldaten. Als 1972 der Volksbund an die sowjetische Regierung die Bitte richtete, auf den Kriegsgräberfriedhöfen Erinnerungszeichen als Kreuze aufstellen zu dürfen, war das bei weitem nicht selbstverständlich. Die Zeiten waren schwierig. Es war der Kalte Krieg. Aber schon 1975 besuchten Bundespräsident Walter Scheel und Außenminister Hans Dietrich Genscher erstmals diese Kriegsgräberstätte. Seitdem ist viel geschehen.

    Friedhof der Kriegsgefangenen in Lublino
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    Friedhof der Kriegsgefangenen in Lublino

    Das 1992 mit der russischen Regierung abgeschlossene Kriegsgräberabkommen hat die heutige Arbeit des Volksbundes erst möglich gemacht. So wurden seitdem 22 Friedhöfe errichtet, auf denen an die 450.000 deutsche Soldaten ruhen. Und noch immer werden jedes Jahr von Mitarbeitern des Volksbundes in Russland circa 10.000 Gebeine deutscher Soldaten gefunden, ausgebettet und auf einem der Friedhöfe beigesetzt. Der Kriegsgefangenenfriedhof Ljublino ist ein kleiner Friedhof im Vergleich zu den großen Friedhöfen – wie vor Wolgograd mit 61.000 Toten, vor Petersburg mit 58.000 Toten oder bei Kursk mit 53.000 Toten.

    Der komplette Bericht zum Nachhören:

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    Tags:
    Moskau, Russland, Deutschland, Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V, Géza von Geyr