00:27 27 Februar 2020
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    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Donnerstag einen Bericht zur Gesundheitsversorgung in europäischen Gefängnissen vorgelegt und diesbezüglich Mängel festgestellt. Laut WHO wird generell zu wenig für die Gesundheit der Insassen getan.

    Die Gesundheitsbeobachtung und -überprüfung in den Haftanstalten ist schwach, so lautet das Fazit des Berichts. Demnach gibt es einen enormen Unterschied zwischen der allgemeinen Gesundheitslage der Menschen in den Gefängnissen und der Außenwelt. Physische und psychische Erkrankungen kämen hinter Gittern weit häufiger vor als außerhalb. Weniger als die Hälfte der europäischen Länder testeten demnach neue Insassen auf Alkoholmissbrauch.

    Laut Bente Mikkelsen, einer Vertreterin des WHO-Regionalbüros in Europa, das den Bericht am Donnerstag in Kopenhagen veröffentlichte, muss sichergestellt werden, dass bei der Gesundheitsversorgung niemand zurückgelassen wird. Eine Haftstrafe nehme einer Person ihre Freiheit, aber sie sollte ihr nicht auch noch ihre Gesundheit und ihr Recht auf Gesundheit nehmen.

    Haftzeiten böten den Ländern eine Gelegenheit, um verschiedene Krankheiten zu bekämpfen. Die Gesundheit zu ignorieren werde später zu hohen Kosten für die Gesellschaft führen, so Mikkelsen.

    Die WHO hat sich für ihren Bericht die Gesundheitssysteme von 39 von 53 Ländern der Region Europa angeschaut, aus denen sie für den Zeitraum zwischen 2016 und 2017 Informationen erhalten hat, darunter auch Deutschland.

    Schätzungsweise sechs Millionen Menschen werden nach WHO-Angaben jedes Jahr in Gefängnissen der Region inhaftiert, die meisten kommen nach relativ kurzer Zeit wieder auf freien Fuß. Zu Europa zählt die Behörde neben den EU- und EWR-Ländern (Europäischer Wirtschaftsraum) auch frühere Sowjetrepubliken.

    Suizide in deutschen Gefängnissen

    Nach Angaben des Bundesamts für Justiz haben im Zeitraum von 1998 bis 2017 fast 1400 Gefängnisinsassen in Deutschland Selbstmord begangen. 22 Prozent derer, die sich hinter Gittern das Leben nahmen, hatten ein Tötungsdelikt begangen und 16 Prozent ein Sexualdelikt.

    Die überwiegende Mehrheit der Gefangenen, die sich selbst töteten, waren Männer, nur 40 von ihnen Frauen. Die Todesursache war meist Erhängen.

    mka/gs/dpa

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    Tags:
    Gesundheit, Gefängnis, WHO