14:29 16 Dezember 2019
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    Freikorps in der Weimarer Republik (Archivbild)

    Affront gegen Polen: Freikorps und Selbstschutz geehrt - Historiker für Rücktritt von AfD-Politiker

    © CC BY-SA 3.0 / Bundesarchiv / Bild 183-R27092
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    Wegen „Verherrlichung nationalsozialistischer wie rechtsextremer Verbände“ soll der AfD-Bundestagsabgeordene Stephan Protschka seinen Hut nehmen. Stein des Anstoßes: ein schwarzer Gedenkstein im polnischen Bytom in „Oberschlesien“. Wegen der Aufschrift fordern etliche Wissenschaftler den Rücktritt des Geldgebers, der Staatsschutz ist eingeschaltet.

    Mehrere deutsche Historiker verlangen den Rücktritt des AfD-Bundestagsabgeordneten Stephan Protschka, der für ein Denkmal für Weltkriegssoldaten und Freikorpskämpfer in Polen gespendet hat. „Dieser Gedenkstein ist eine unerträgliche und skandalöse Verherrlichung nationalsozialistischer und rechtsextremer Verbände sowie ein nicht hinnehmbarer Affront gegenüber Polen“, heißt es in einem am Montag versendeten offenen Brief.

    Stephan Protschka / facebook / screenshot

    Der Rücktrittsappell wurde von Michael Wildt von der Humboldt-Uni Berlin und dem Leiter der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Jens-Christian Wagner initiiert. Wagner hatte bereits in der vergangenen Woche Strafanzeige im niedersächsischen Celle wegen des Verdachts der Volksverhetzung erstattet. Er sei über den Vorgang entsetzt. Inzwischen ermittelt der Staatsschutz wegen des Denkmals. In Polen ermittelt die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Beleidigung des Gedenkens an Millionen polnischer und jüdischer NS-Opfer, meldet Deutschlandfunk.

    Absprachen und Verantwortung

    „Für das, was auf dem Denkmal steht, kann ich nichts“, äußerte sich der AfD-Abgeordnete. Mit ihm sei ein anderer Text abgesprochen gewesen - nur eine Erwähnung gefallener deutscher Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkriegs, der auch nur auf einem kleinen Schild habe stehen sollen. Die Rücktrittsforderung sei daher lachhaft. Darüber hinaus habe er sich bereits schriftlich beim polnischen Botschafter für den Vorfall entschuldigt und angeboten, die Kosten für den Abbau zu übernehmen. Der Stein sei ohnehin schon verschwunden, sagte der Chef des niederbayerischen AfD-Verbandes. Alleine in diesem Jahr habe er bereits mehr als 14 000 Euro für verschiedene Organisationen wie das Rote Kreuz gespendet. „Wäre ich dann auch dort für jeden Blutspendeskandal verantwortlich?“

    Der Stein des Anstoßes

    Auf dem Stein, der nur in Deutsch beschriftet ist, wird neben gefallenen deutschen Soldaten beider Weltkriege auch „Selbstschutz- und Freikorpskämpfern“ gedacht. Im offenen Brief der Historiker heißt es: „In Oberschlesien unterstand der Selbstschutz SS-Oberführer Fritz Katzmann, einem der schlimmsten NS-Massenmörder während des Zweiten Weltkrieges.“ Bereits ab 1921 seien Rechtsextreme in Oberschlesien brutal gegen polnische Bürger vorgegangen, so die Historiker. Opfer der Soldaten und Freikorps sind auf dem Stein nicht erwähnt.

    Die Forderung der Wissenschaftler

    Unterschrieben wurde der Brief bislang von den Leitern mehrerer deutscher KZ-Gedenkstätten, unter anderem in Buchenwald und Neuengamme, sowie von einer zweistelligen Zahl an Professoren. Ihre Position ist unmissverständlich: „Wir fordern Stephan Protschka (AfD) auf, sein Bundestagsmandat unverzüglich niederzulegen, um weiteren Schaden für die Bundesrepublik Deutschland und das deutsch-polnische Verhältnis abzuwenden.“

    Geldgeber für das Memorial

    Das Denkmal, um das sich die Kontroverse dreht, wurde am Volkstrauertrag im polnischen Bytom (früher Beuthen) enthüllt. Als Geldgeber werden neben Protschka unter anderem die Junge Alternative Berlin und die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem beobachte Akademische Burschenschaft „Markomannia Wien zu Deggendorf“ genannt.

    Am Tag der Enthüllung des schwarzen Ehrenmals mit Eisernem Kreuz-Emblem hat Protschka noch mit „Mir ist es eine Ehre, diesen Gedenkstein in Oberschlesien mit ermöglicht zu haben. Mögen wir nie vergessen“ etwa auf seiner Facebookseite auf die Enthüllung des Ehrenmals reagiert. Inszwischen ist der Eintrag gelöscht.

    ba/dpa

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    Tags:
    Denkmal, Ermittlungen, Beleidigung, Politiker, AfD, Polen, Nationalsozialismus (Nazismus), Neonazis