14:49 16 Dezember 2019
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    Besucherin eines Lebensmittelshops in Berlin (Archivbild)

    Dreiste Werbelüge: Verbraucher entlarven Bio-Hersteller „Zwergenwiese“, „Yakult“ und „Corny“

    © AFP 2019 / TOBIAS SCHWARZ
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    Die Welt der Werbung entspricht nur selten der Wahrheit: Im Supermarkt werden Verbraucher regelmäßig durch Mogelpackungen getäuscht. Die dreistesten Werbelügen 2019 sind nun von der Verbraucherorganisation Foodwatch präsentiert worden. Angeführt wird die Liste von einem deutschen Bio-Hersteller, gefolgt von bekannten Gesundheitsprodukten.

    Seit nunmehr zehn Jahren vergibt die Verbraucherorganisation Foodwatch den Negativpreis „Goldener Windbeutel“ für die dreistesten Werbelügen. Abgestimmt wird online, zu den bisherigen „Preisträgern“ gehörten unter anderem Produkte der Firmen Bahlsen, Bauer, Danone, Dr. Oetker, Nestlé oder auch Coca Cola. In diesem Jahr hat es einen deutschen Bio-Hersteller getroffen, dabei wurden auch andere bekannte Marken entlarvt.

    Was Süßes zum Naschen?

    Diesjähriger Gewinner der zweifelhaften Ehrung ist die „Kinder-Tomatensauce“ des Bio-Produzenten Zwergenwiese. Von den knapp 70.000 angegebenen Verbraucherstimmen haben über 53 Prozent für das Produkt der Naturkostfirma aus Schleswig-Holstein gestimmt. Hersteller Zwergenwiese erweckt bei Eltern den Eindruck, die Rezeptur der Tomatensauce sei kindgerecht. Tatsächlich enthält die Sauce fast 20 Gramm Zucker pro Portion. Das ist mehr als doppelt so viel wie die normale Zwergenwiese-Tomatensauce für Erwachsene.

    ​Auf Platz zwei der Abstimmung befindet sich mit rund 26 Prozent der Stimmen ein Produkt, dass wohl fast jedem Verbraucher in Werbesports oder der Kühltheke im Supermarkt schon einmal begegnet ist: „Yakult Original“, ein vermeidliches Gesundheitsgetränk des japanischen Unternehmens Yakult. Foodwatch spricht dabei von dreister Abzocke für 8,40 Euro pro Liter. Effekte auf die Darmgesundheit der im Getränk enthaltenen 6,5 Milliarden „Shirota-Milchsäurebakterien“ seien demnach wissenschaftlich nicht belegt. Für die Verbraucherorganisation ist der Drink nur verdünnte Milch mit nutzlosen Bakterien und fast neun Gramm Zucker pro Mini-Flasche.

    Dafür stehe ich mit meinem Namen…

    Die Babynahrung des Herstellers Hipp aus Oberbayern ist wohl ebenfalls nahezu jedem Verbraucher in Deutschland bekannt. Doch so sehr das Unternehmen in Fernsehwerbung für Vertrauen wirbt, umso dreister scheint die Abzocke des „100% Bio Direktsaft Karotte“ von Hipp – in der Abstimmung mit 7,4 Prozent Platz drei. Hipp hat die Flasche seines Karottensaftes für Babys von 500 auf 330 Milliliter verkleinert. Der Preis hat sich dabei um 95 Prozent erhöht - auf 4,50 Euro je Liter. Die Rezeptur blieb nahezu identisch, dem Karottensaft wurde lediglich ein Prozent Zitronensaft hinzugefügt.

    ​Wer es scharf mag, greift gerne mal auf die „Wasabi Erdnüsse“ der Einzelhandelskette Rewe zurück. In der Abstimmung zur dreistesten Werbelüge findet sich das Produkt mit 6,7 Prozent auf Platz vier wieder. Denn leider enthält das Produkt nur 0,003 Prozent des teuren japanischen Gewürzes Wasabi. Um eine ähnliche Schärfe und Farbe zu erreichen, hilft Rewe offenbar mit einem "Aroma Typ Senf" und Farbstoff nach, wie Foodwatch vermutet. Der Name, die Farbe der Verpackung und des Teigmantels suggerieren aber echtes Wasabi. Außerdem enthält das Produkt nur 27 Prozent Erdnüsse – eine echte Mogelpackung.

    Der Powerriegel!

    „Corny“ ist ein beliebter Müsliriegel der Firma Schwartau aus Schleswig-Holstein. In der Foodwatch-Abstimmung erreichte der „Corny Protein Lowe Carb“-Riegel mit 6,5 Prozent Platz fünf. Hersteller Schwartau erweckt mit Angaben wie "Protein" und "Lower Carb" sowie dem an Light-Produkten angelehnten Design den Eindruck, der Riegel sei ein gesundes Produkt für Sportler. Doch Corny enthält 24 Prozent Zucker und 13 Prozent Fett. Und er besteht zu 40 Prozent aus Kohlenhydraten, obwohl "Lower Carb" genau das Gegenteil verspricht - eine klare Werbelüge.

    Aus fünf nominierten Produkten können Verbraucher einmal im Jahr im Internet in einem vierwöchigen Abstimmungsverfahren auswählen, welches Produkt den „Goldenen Windbeutel“ erhalten soll. Das Ergebnis wird anschließend auf der Homepage von Foodwatch bekannt gegeben. Foodwatch besucht die Produktionsstätte des Gewinner-Produkts persönlich, um den Negativpreis zu überreichen. Angenommen wurde er von den Firmen – wenn überhaupt – aber meist nur widerwillig.

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    Tags:
    Rewe Gruppe, Schwartau, Nestle, Coca Cola, Abstimmung, Verbraucher, Lüge, Werbung, Foodwatch