18:47 25 Januar 2020
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    Gut zehn Jahre nach Beginn der globalen Finanzkrise haben sich die Arbeitsmärkte in vielen Industrieländern erholt. Das Armutsrisiko ist aber kaum gesunken. In dem Ranking zu sozialer Gerechtigkeit kommt Deutschland auf Platz zehn. Dies meldet die Deutsche Presse-Agentur dpa unter Verweis auf eine Studie der Bertelsmann Stiftung am Donnerstag.

    Demnach hat eine Untersuchung in 41 Ländern der EU und OECD ergeben, dass in 25 Staaten das Armutsrisiko stagniere oder bis 2018 sogar noch gewachsen sei. Und insgesamt seien Kinder häufiger betroffen als ältere Menschen, heißt es im „Social Justice Index“.

    In sechs Kategorien werden Anstrengungen zur Armutsvermeidung bewertet: Beschäftigung/Arbeitsmarkt, gerechte Bildungschancen, Generationen-Gerechtigkeit, Gesundheit sowie Politik gegen Diskriminierung. Die nordischen Länder Island, Norwegen, Dänemark, Finnland und Schweden sieht die Stiftung auf Spitzenpositionen. Die USA gehören mit Platz 36 zu den Schlusslichtern, am schlechtesten schneiden die Türkei und Mexiko ab.

    Deutschland gut platziert

    Die recht gute Platzierung Deutschlands im Ranking – vor Großbritannien (Platz 11) und Frankreich (15) – beruhe auf der „anhaltenden Erfolgskurve am Arbeitsmarkt“. Die Jugendarbeitslosigkeit gehöre mit einer Quote von 6,2 Prozent zur weltweit niedrigsten. Die Beschäftigungsrate sei zwischen 2013 und 2018 von 73,5 auf 75,9 Prozent geklettert. Aber auch hier erhöhte sich paradoxerweise das Armutsrisiko von 9,4 auf 9,8 Prozent. Und anders als in vielen anderen Staaten sind ältere Menschen über 65 Jahre hierzulande häufiger von Armut bedroht – etwa jeder Zehnte –, als Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren (7,6 Prozent).

    Das Missverhältnis zwischen Arbeitsmarkt-Entwicklung und Armutsdaten sei auffallend, betont die Analyse. Faktoren könnten ein Anstieg befristeter und (unfreiwilliger) Teilzeit-Jobs sein oder auch ein größerer Anteil von Beschäftigten im Niedriglohnsektor.

    Die Arbeitslosenquote aller 41 Länder lag 2018 im Durchschnitt bei 5,3 Prozent. Damit fiel sie erstmals etwas geringer aus als vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008. Den Spitzenplatz belege Tschechien mit einer Arbeitslosenquote von 2,3 Prozent. In Griechenland sei trotz erreichter Fortschritte noch jeder Fünfte ohne Job. Von Armut sind am häufigsten die Menschen in Israel (17,9 Prozent) und in den USA mit 17,8 Prozent betroffen.

    Besorgniserregende Polarität zwischen Jung und Alt

    Sorgen bereitet den Studienautoren „die Kluft zwischen Jung und Alt“ in zahlreichen Staaten der Europäischen Union und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. In 27 Staaten trifft Heranwachsende häufiger ein Armutsrisiko als Ältere. Dazu bleibe noch Altersarmut ein verbreitetes Problem.

    Kritik wegen zögerlicher Klimapolitik

    Die Klimapolitik sei zudem zu zaghaft, moniert die Studie. Auch Deutschland habe keine Vorbildrolle inne, komme 2018 bei der Nutzung erneuerbarer Energien trotz Ausbaus nur auf Rang 24. Bei den Treibhausgas-Emissionen hinke Deutschland mit elf Tonnen pro Kopf – und damit auf Rang 30 – ziemlich hinterher. In einigen Feldern wie dem Kampf gegen Armut und für Gerechtigkeit zwischen den Generationen müssten viele Staaten nachsitzen, mahnte Stiftungs-Vorstandschef Aart De Geus.

    Social Justice Index

    Mit dem Social Justice Index hat die Bertelsmann Stiftung anhand von 46 Kriterien die Teilhabechancen in 41 Industrieländern der Europäischen Union (EU) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) untersucht. Berücksichtigt wurden international verfügbare Daten bis zum 28. Oktober 2019 in den sechs Dimensionen Armutsvermeidung, Beschäftigung/Arbeitsmarkt, gerechte Bildungschancen, Generationen-Gerechtigkeit, Gesundheit sowie Soziale Inklusion/Nicht-Diskriminierung.

    pd/sb/dpa/

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    Tags:
    EU, Arbeitslosenquote, Arbeitslosigkeit, Risiko, Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Armut