05:41 22 Januar 2020
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    Ein Video von einem Krampuslauf in der Südtiroler Stadt Sterzing schlägt derzeit in sozialen Netzwerken sowie in Medien hohe Wellen: Das Vorgehen der Krampusse, die auf Zuschauer mit Ruten einschlagen und sie mit Füßen treten, fanden viele brutal. Der Krampusverein „Tuifl Sterzing“ wehrt sich gegen die Vorwürfe und beruft sich auf die Tradition.

    In dem heiß diskutierten Video, das ein Zuschauer aufgenommen hat, ist zu sehen, wie mehrere Menschen, die teils laut aufschreien, vor den Krampussen (Schreckgestalten in Begleitung des heiligen Nikolaus, die Teil des Adventsbrauchtums unter anderem im südlichen Bayern und in Österreich sind) davonlaufen. Diese schlagen dabei auf die Fliehenden mit Stöcken und Ruten ein. Als ein Mann dann hinfällt und am Boden liegt, treten zwei „Tuifl“ auf ihn ein.

    Was die Situation noch heikler macht, ist die Meldung der italienischen Zeitung Corriere della Sera, wonach der Szene eine Auseinandersetzung mit Migranten vorausgegangen sein soll. Diese sollen versucht haben, einem Krampus die Maske zu entreißen. Allerdings sind diese Informationen noch nicht bestätigt worden.

    Die „Tuifl Sterzing“ bestätigten zwar die Echtheit des Videos, wiesen aber auf Facebook die Rassismus-Vorwürfe zurück. Es würden auf Facebook „eine Reihe von Falschmeldungen kursieren“, hieß es. Die Krampusse hätten nur auf „Bekannte und Freunde“ eingeschlagen.

    Die örtliche Polizei schloss gegenüber dem Nachrichtenportal „stol.it“ einen rassistischen Hintergrund ebenfalls aus. Es liege zudem keine Anzeige vor. Es habe keine Verletzten gegeben und es sei auch kein Notruf oder dergleichen eingegangen.

    Unter dem Facebook-Posting der „Tuifl Sterzing“ gibt es inzwischen mehr als 250 Kommentare. Viele Nutzer verurteilen die Szenen und fordern eine Aufklärung bzw. strafrechtliche Folgen. 

    „Das Video sagt mehr als tausend Worte! Da gibt es nichts zu beschönigen! Eine öffentliche Entschuldigung wäre angebracht!“, schrieb die Userin Evi Messner.

    Eine Nutzerin schrieb, sie sei selber Krampus. Es gehe nicht um den Brauch, sondern um dieses konkrete Video. Leute, die am Boden liegen, mit Füßen zu treten, gehöre zu keiner Tradition.

    Andere Nutzer verteidigen jedoch die Krampusse: Wenn jemandem das nicht gefalle, dann solle er lieber zu Hause bleiben. Das sei ein Brauch, auf den man stolz sei. Rückendeckung gab es auch vom Sterzinger Bürgermeister Fritz Karl Messner, der den Brauch in einer Stellungnahme verteidigte.

    Beim „Tuifl Tratzen“ handelt es sich um einen Brauch, die Krampusse zu provozieren und vor ihnen davonzulaufen. Werden die „Tratzer“ erwischt, werden sie mit einer Rute geschlagen. Oft schützen sich die „Provokateure“, indem sie mehrere Paar Hosen anhaben und sich Kissen unter die Jacken stecken. Bei verschiedenen Krampus-Umzügen in Südtirol ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Diskussionen gekommen, ob die Krampusse bei ihrer Jagd zu grob vorgehen würden.

    ta/gs

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    Tags:
    Migranten, Südtirol