08:14 09 Juli 2020
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    Das „Ostritzer Friedensfest“ protestiert alljährlich gegen rechtsradikale Rock-Konzerte in Ostdeutschland. Nun ist der Friedensverein aus Sachsen für seinen Kampf gegen rechtsextremes Gedankengut mit dem „Deutschen Engagement-Preis“ ausgezeichnet wurden. Familienministerin Franziska Giffey (SPD) lobt den Verein für „Menschlichkeit und Miteinander“.

    Im Deutschen Theater in Berlin erhielten Ende vergangener Woche Verantwortliche vom „Ostritzer Friedensfest“ – darunter Markus Kremser, der Sprecher des Friedensfestes – einen Sonderpreis des „Deutschen Engagementpreises“. Dieser würdigt die „Ostritzer Friedensfest-Initiative“ für ihren Kampf gegen rechts und ist mit 10. 000 Euro dotiert. Das Friedensfest in Ostritz engagiert sich vor allem gegen Rechtsrock-Konzerte in der Region Ostsachsen.

    Der Einsatz des „Ostritzer Friedensfestes“ sei mit „Geld nicht aufzuwiegen“, erklärte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) bei der Preisverleihung. In ihrer Rede lobte sie die ehrenamtlichen Macher des Friedensfestes für ihren „kreativen Protest gegen Neonazis“:

    „Man kann nur danken für diesen Einsatz, mit dem Sie ein klares für unsere Gesellschaft gegen Hass und Ausgrenzung setzten, für Menschlichkeit und ein demokratisches Miteinander.“

    „Friedens-Engel“ haben Preis redlich verdient

    Die Region benötigt das Engagement der Ostritzer „Friedens-Engel“. Denn im April 2018 kamen beispielsweise über 1000 Rechtsextreme und Neonazis in die Kleinstadt Ostritz ins östliche Sachsen – nahe der polnischen Grenze – um dort das „Schild-und-Schwert-Festival“ zu besuchen. Rechtsextreme Kreise sprechen auch vom „SS-Festival“. Sputnik war damals vor Ort und berichtete über die breit gefächerten Gegenveranstaltungen. Diesen Protest organisiert hauptsächlich das „Ostritzer Friedensfest“: Neben der Ostritzer Stiftung „Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal“ (IBZ) setzen weitere soziale Organisationen und Kirchen aus der Region sowie Parteien wie Die Linke gemeinsam mit freiwilligen Helfern ein Zeichen gegen rechts. Die engagierten Ehrenamtlichen organisieren seitdem das „Ostritzer Friedensfest“ jedes Jahr.

    „Die kleine Stadt Ostritz in Sachsen sorgt für großes Aufsehen“, heißt es in der aktuellen Begründung der Preis-Jury, die der Sputnik-Redaktion vorliegt. „Seit 2018 engagieren sich die Bürgerinnen und Bürger mit ihren Friedensfesten und einem Friedenslauf für ein demokratisches Miteinander in der Region. Als Antwort auf rechtsextreme Festivals und Kampfsportveranstaltungen in Ostritz. Mit ihren Friedensfesten hat sich die Bürgerschaft ehrenamtlich – zusammen mit dem ‚Internationalen Begegnungszentrum‘ (IBZ) und der Stadtverwaltung – dazu entschlossen, ihre Stadt nicht den Rechtsextremen zu überlassen. Mit großem, kreativem Engagement ist es den Friedensfesten gelungen, lokal und überregional den öffentlichen demokratischen Raum zu verteidigen. Beispielhaft!“

    In Ostritz protestieren auch Anwohner gegen Neonazis

    Sogar Anwohner in Ostritz schmücken ihre Häuser bunt und garnieren sie mit Friedenssymbolen, um gegen das jährliche Rechtsrock-Konzert in ihrem Heimatort zu protestieren.

    Ostritzer Friedensfest 2018
    © Sputnik / Alexander Boos
    Ostritzer Friedensfest 2018

    Für dieses „Musik-Festival“ zeichnet vor allem die rechtsextreme NPD verantwortlich. Kein Wunder: Die umstrittene Partei wird seit Jahren vom Verfassungsschutz wegen „rechtsextremer und rechtsradikaler Gesinnung“ beobachtet.

    „Wir sind keine Nazi-Stadt“

    Der Vorstandsvorsitzende der Ostritzer IBZ-Stiftung, Michael Schlitt, betonte im April 2018, dass Ostritz „keine Nazi-Stadt“ sei:

    „Die breite Mitte der Gesellschaft will keine Neonazis, keinen Rassismus, keine Intoleranz und Ausländerfeindlichkeit“, sagte Schlitt damals in einem Sputnik-Interview vor Ort. „Denn unser Ort steht für Weltoffenheit und ein gemeinsames Miteinander. Wir müssen hier klare Kante zeigen und Ostritz nicht den Neonazis überlassen. Auch nicht für ein Wochenende. Ich nehme wahr, dass 99 Prozent der Ostritzer gegen dieses SS-Festival sind. Sie haben damit überhaupt nichts am Hut.“

    Die umstrittenen Rechtsrock-Festivals im kleinen ostsächsischen Städtchen hatte 2018 und 2019 stets NPD-Mann Thorsten Heise aus Thüringen angemeldet. Auch für 2020 ist wohl eins geplant. Heise gilt als einer der Köpfe der Neonazi-Szene. Neben Musik einschlägig bekannter Bands im rechten Milieu bieten solche „Festivals“ auch MMA-Kampfsport unter dem Motto „Kampf der Nibelungen“ sowie „nationale Tätowier-Kunst“.

    Preis würdigt Kampf gegen rechts

    Der „Deutsche Engagementpreis“, den das „Ostritzer Friedensfest“ nun für seinen Kampf gegen Rechts(-Rock) erhalten hat, wird seit 2009 jährlich verliehen. Der Preis ist der „Dachpreis für bürgerschaftliches Engagement“ in Deutschland und wird alljährlich von einem bundesweiten Zusammenschluss großer zivilgesellschaftlicher Organisationen vergeben. Das Bundesfamilienministerium fördert den Preis und würdigt so „freiwilliges Engagement von Menschen in Deutschland.“ Ziel sei es, „die Anerkennungskultur in unserem Land zu stärken und mehr Menschen für freiwilliges Engagement zu begeistern.“

    Vorherige Preisträger sind unter anderem die Bürgerkommune Nürtingen, das kritische Politik-Portal „abgeordnetenwatch.de“, ein Hilfsprojekt für Straßenkinder in Brasilien, die „Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg“ oder ein Projekt gegen Altersarmut bei Frauen in Ostfriesland.

    Auf dieser Internetseite gibt es mehr Informationen zum „Ostritzer Friedensfest“.

    Eine Sputnik-Radio-Reportage aus Ostritz zum Nachhören:

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    Tags:
    Sachsen, Neonazis, Rechtsradikale, Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), Rechtsextremisten, Rechtsextremismus