17:46 25 Januar 2020
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    Die Bewohner für ihren nachhaltigen Lebensstil zu belohnen und zu kennzeichnen, das ist die Idee der grünen Hausnummern, welche nun auch im bayrischen Vilshofen angekündigt wurden. Dagegen stellen sich Kritiker, die durch diese öffentliche Kennzeichnung die Ausgrenzung und Verachtung jener fürchten, die keinen grünen Haushalt führen.

    Ende November wurde bekannt gegeben, dass im bayrischen Gebiet Vilshofen (Landkreis Passau) ab 2020 grüne Hausnummer an besonders nachhaltige Haushalte vergeben werden. Darauf folgte eine gewaltige Welle an Kritik. Laut dem „Vilshofner Anzeiger“, der Lokalausgabe der „Passauer Neuen Presse“, würden Kritiker behaupten, dass diejenigen ohne grüne Hausnummer an den Pranger gestellt werden.

    Die Hausnummer würde man erhalten, wenn man 150 Punkte erreichen würde, aus einem Katalog mit 51 Kriterien. Der „Vilshofner Anzeiger“ schreibt, dass Punkte beispielsweise mit der Benutzung von Photovoltaik-Anlagen oder der Verwendung regionaler Produkte vergeben werden. Ein PWK-freier Haushalt kriege allein 20 Punkte. Beim Erreichen von 150 Punkten würde neben der grünen Nummernschild-Tafel auch ein 50-Euro Gutschein für den Kauf eines Baumes ausgehändigt werden.

    Reaktionen

    Die Initiative hätte jedoch viel Kritik ausgelöst. So sagte der Vize-Generalsekretär der CSU, Florian Hahn, zur „Bild“-Zeitung:

    "Zu Verbieten und Verderben gesellt sich nun noch Brandmarken – die Öko-Fundamentalisten verabschieden sich immer mehr von einer freien und liberalen Gesellschaftsordnung. China lässt grüßen!"

    Auch Christian Haase, der Bundesvorsitzende der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU/ CSU, äußerte sich negativ zu den farbigen Hausnummern. Er kritisierte, dass dies zur Ausgrenzung all jener führen könnte, die sich keinen teuren „Öko-Lebenswandel“ leisten können. So schreibt es das Nachrichtenmagazin „Focus“ auf seiner Seite.

    Im Gegensatz dazu scheint das bayrische Umweltministerium die Sachlage positiv zu sehen. Der „Vilshofner Anzeiger“ spricht von einem Zuspruch vom Umweltministerium. Es sei zu begrüßen, dass Kommunen Initiativen für eine nachhaltige Lebensweise und Anreize schaffen.

    Grüne Nummern gibt es schon in anderen Städten

    Dabei gibt es das Prinzip der Vergabe von grünen Hausnummern schon länger. Beispielsweise im Saarland, wo die Bürger seit 1996 für besonders ökologische Lebensweise ausgezeichnet werden. Im unterfränkischen Landeskreis Main-Spessart wurden in den letzten zwei Jahren insgesamt 54 Tafeln vergeben. An die 42.000 Einwohner der Stadt Neumarkt in der Oberpfalz gingen seit 2011 sogar 79 solcher besonderen Hausnummern.

    Die Zeitung „Welt“ hält eine gesellschaftliche Ächtung von Hausbewohnern ohne grüne Tafel für eher unwahrscheinlich. Bis jetzt seien noch zu wenige grüne Nummern vorhanden, an den Orten, wo diese vergeben werden, schreibt das Blatt.

    lm

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    Tags:
    Punkte, Kritik, Lebensstil, Passau