05:41 22 Januar 2020
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    Die intensive Digitalisierung der Weltwirtschaft könnte jede Menge von sozialen und kulturellen Folgen mit sich bringen, die bei Experten gewisse Fragen hervorrufen und daher gründlich analysiert werden müssten.

    Mit entsprechenden Gefahren im Bildungswesen beschäftigte sich deshalb eine Forschungsgruppe vom Föderalen Institut für Entwicklung des Bildungswesens bei der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Staatsdienst beim Präsidenten der Russischen Föderation.

    Digitaltechnik diktiert die Regeln

    Die Forscher vom Föderalen Institut für Entwicklung des Bildungswesens bei der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Staatsdienst beim Präsidenten Russlands haben ein Projekt zum Thema „Didaktische Konzeption der digitalen Berufsausbildung“ präsentiert, bei dem es um die Wege zur Organisation des personifizierten digitalen Bildungsprozesses geht, der sich auf einen neuen Zweig der Pädagogik stützt – die digitale Didaktik.

    Die Forscher verwiesen darauf, dass die digitale Didaktik heutzutage der wichtigste „Auftraggeber“ der Berufsausbildung sei. Ihre Analyse der aussichtsreichsten Märkte ergab, dass Absolventen von Universitäten unabhängig von ihren Spezialisierung schon in drei bis fünf Jahren mit digitalen Produktionstechnologien vertraut sein müssten.

    Die Experten sind überzeugt, dass je nach der Digitalisierung der üblichen Produktionsvorgänge „nichtmechanische“ Kompetenzen immer mehr gefragt sein werden. Dabei geht es um die Aufgabenstellung an digitale Anlagen, um Expertenanalysen auf Basis des kritischen Denkens oder um komplizierte Kommunikation, beispielsweise bei der Erstellung von Verträgen oder bei Handelsverhandlungen.

    Die Forscher warnen, dass auch die Anforderungen an Absolventen angesichts der intensiven Veränderung der technologischen und auch sozialwirtschaftlichen Realität in der modernen Gesellschaft ständig „erneuert“ werden. Angesichts dessen müssen Bildungsmodelle her, die angesichts der sich permanent verändernden didaktischen Ziele erfolgreich funktionieren würden.

    Unter diesen Bedingungen verweisen die Forscher auf das relativ hohe Risiko eines überflüssigen „digitalen Optimismus“, der zur Enthumanisierung des Bildungswesens als soziales Institut führen könnte. Besonders scharf könnte das dadurch zutage kommen, dass die Digitalisierung des Bildungswesens durch seine ineffiziente „Bezifferung“ ersetzt werden könnte.

    Statt des personifizierten Bildungswesens, das auf Entwicklung von Kompetenzen ausgerichtet ist, könnten den Forschern zufolge veraltete Methoden eingesetzt werden, wobei Lehrer auf nicht mehr aktuelle Informations- und Kommunikationstechnologien zurückgreifen würden, deren Effizienz in dieser Situation fraglich wäre.

    Generation Z will mit Menschen kommunizieren

    Die Experten sind überzeugt, dass die Entwicklung des digitalen Bildungsprozesses die Entwicklung einer neuen Richtung der pädagogischen Wissenschaft verlangt – der digitalen Didaktik.

    Die Schlüsselfaktoren, die die Etablierung von neuen Vorgehensweisen im Bildungswesen bestimmen werden, sind ihnen zufolge drei Phänomene des 21. Jahrhunderts: die junge „digitale“ Generation, die ihre spezifischen sozialen und psychologischen Merkmale hat; neue Technologien, die die digitale Umgebung prägen; und schließlich die Digitalwirtschaft, die die Anforderungen an das Personal bestimmt.

    Für das Problem der misslungenen „Bezifferung“ führten die Forscher einige Beispiele an, unter anderem die Ereignisse in der Brooklyn Studio Secondary School, wo im November 2018 eine regelrechte Protestaktion der Oberschüler gegen die Online-Bildungsplattform Summit Learning stattgefunden hatte.

    Das jeweilige Projekt, das 380 Schulen bzw. 55 000 Schüler in den USA umfasst, schließt den unzufriedenen Schülern zufolge menschliches Zusammenwirken fast vollständig aus. Dabei seien für die Entwicklung des kritischen Denkens ausgerechnet die unmittelbare Unterstützung der Lehrer und Diskussionen zwischen Mitschülern wichtig – nicht aber das stundenlange Sitzen vor dem Monitor.

    Dieses und auch andere Beispiele beweisen den Forschern zufolge, dass der Erfolg der beruflichen und auch persönlichen Selbstbestimmung sowie der sozialen Adaptation junger Menschen eine flexible Kombination von digitalen, materiellen und pädagogischen Technologien verlangt. Die Entwicklung eines digitalen Bildungsprozesses auf Basis der Web-Didaktik könnte nach ihrer Auffassung helfen, die heutige „Übergangsepoche“ zu überwinden.

    Von Repressalien zu effizienter Beobachtung

    Die Hauptbedingung für die Entstehung einer neuen Generation des Bildungswesens ist nach Auffassung der Experten die Entwicklung der pädagogischen Technologien.

    Vor allem gilt das für die Einführung des Fernstudiums, verschiedener komplexer „Case-Technologien“, des „gemischten Studiums“ („blended learning“), des „umgedrehten Studiums“ („flipped learning“) und der Projektmethode. Zudem sollten diverse Übungs- bzw. Trainingssysteme, Simulatoren und AR-Instrumente zum Einsatz kommen.

    In dem Bericht wurde auch darauf hingewiesen, dass die Effizienz des Studiums schon in absehbarer Zukunft durch Verwendung der „Spielentourage“ erhöht werden könnte, wobei individueller Arbeitsrhythmus sowie diverse interaktive Möglichkeiten zum Einsatz kämen (beispielsweise könnten Studenten das Anfangsniveau der Schwierigkeit ihrer Aufgaben selbst wählen).

    Besonderes Augenmerk richteten die Autoren der Studie auf das Problem der Anwendung von digitalen und pädagogischen Bewertungstechnologien, die die Objektivität und Transparenz von Tests bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung einer stabilen Motivation zum Studium sichern würden.

    Sie plädieren nämlich für den Verzicht auf traditionelle Bewertungsmodelle, unter anderem weil sie „repressive Funktionen“ haben, und heben das System der so genannten „inklusiven Bewertung“ hervor, das blitzschnelles Lehrer-Studenten-Feedback vorsieht – dank IT-Instrumenten.

    Der Direktor des Zentrums für Berufsbildung und Qualifikationssysteme des Föderalen Instituts für Entwicklung des Bildungswesens, Wladimir Blinow, der die Studie leitete, zeigte sich überzeugt, dass Big-Data-Technologien die personalisierte Beobachtung des Bildungsprozesses ermöglichen, wobei die Dynamik der Veränderungen kontrolliert und analysiert wird. Nach seinen Worten könnten Lehrer, die über operative Informationen über die Qualität der erfüllten Aufgaben verfügen, den Bildungsprozess effizienter lenken.

    Hilfreich könnten auch solche Methoden zur Bewertung der Bildungseffizienz wie die Kontrolle der „persönlichen Digitalspuren“ oder vielschichtige Beobachtungen der Ergebnisse sein – auf Basis von Technologien zur phasenweisen Bewertung (Rating, Portfolio usw.).

    Den letzten Teil der Forschungen macht das Wörterbuch der Schlüsselbegriffe der neuen Realität der „digitalen Gesellschaft“ aus. Die Forscher sind überzeugt, dass man bei der Arbeit mit der „Generation Z“ davon ausgehen sollte, dass ihre Vertreter (sprich junge Menschen) in den traditionellen Bildungsprozess kaum noch einbezogen werden könnten – und deshalb müssten die Pädagogen eher selbst auf die modernen Tendenzen achten.

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    Digitalisierung, Ausbildung