20:54 21 Januar 2020
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    Auch kurz vor Weihnachten behindern Proteste und Streiks den französischen Bahnverkehr erheblich. Betroffen sind auch Fernverbindungen von und nach Deutschland. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat zuvor zu einer Unterbrechung der Streiks zu Weihnachten aufgerufen – bislang blieb sein Appell jedoch ungehört.

    Streikende Bahnmitarbeiter haben den französischen Schienenverkehr am Vorweihnachtswochenende teilweise zum Erliegen gebracht. Wie Frankreichs staatliche Bahngesellschaft SNCF mitteilte, ist im Schnitt nur etwa die Hälfte der Hochgeschwindigkeitszüge TGV gefahren. Auch der Regionalverkehr sei weiterhin stark gestört gewesen. Betroffen seien auch Fernverbindungen von und nach Deutschland gewesen.

    Seit rund zweieinhalb Wochen lähmen Proteste und Streiks gegen die geplante Rentenreform der Mitte-Regierung von Emmanuel Macron das Land. Vor Weihnachten brechen viele Franzosen traditionell in die Ferien und zu Familienbesuchen auf.

    Darauf wies auch der französische Staatschef hin, als er von Westafrika aus zu einer Streikpause aufrief. Es gebe Französinnen und Franzosen, die sich an den Feiertagen wiedersehen wollten, das müsse berücksichtigt werden, sagte der 42-Jährige in Abidjan am späten Samstagabend.

    Die von Macron und der Mitte-Regierung gewünschte Streikpause zu Weihnachten zeichnet sich allerdings bisher nicht ab. Mehrere Gewerkschaften hatten dazu aufgerufen, den Arbeitskampf fortzusetzen.

    Streiks in der französischen Hauptstadt

    In Paris wird weiter die Nahverkehrsgesellschaft RATP bestreikt, viele Metrolinien der Millionenmetropole verkehren nicht.

    An den Fernbahnhöfen der Hauptstadt bildeten sich lange Schlangen vor den SNCF-Schaltern. Zahlreiche Fahrgäste mussten ihre Fahrscheine umtauschen, weil ihr Zug ausgefallen war.

    Nach scharfer Kritik von Kunden setzte die SNCF nach eigenen Angaben am Sonntag kurzfristig 14 TGV ein, die für alleinreisende Kinder bestimmt waren. Der Service für unbegleitete Kinder zwischen vier und 14 Jahren sollte zunächst ausgesetzt werden.

    Zugfahrten aus Deutschland

    Wegen des Ausstands sei nur eine sehr begrenzte Anzahl von Zugfahrten aus dem Südwesten Deutschlands nach Frankreich möglich, teilte die Deutsche Bahn mit. Betroffen seien die Verbindung von Frankfurt/Main über Mannheim nach Marseille sowie die Verbindung Stuttgart über Straßburg nach Paris.

    Die Bahn empfahl daher, solche Reisen erst nach Ende des Streiks – voraussichtlich am 5. Januar 2020 – anzutreten oder andere Verkehrsmittel zu nutzen. Bereits gebuchte Fahrkarten für die betroffenen Strecken könnten kostenfrei storniert oder umgebucht werden.

    Macrons umstrittene Rentenreform

    In dem sozialen Konflikt sind die Fronten verhärtet. Gespräche der Regierung mit den Gewerkschaften waren auf Januar vertagt worden. Die Regierung will die Zersplitterung in 42 verschiedene Einzelsysteme beenden und ein Einheitssystem schaffen.

    Die Franzosen sollen auch dazu angehalten werden, über das derzeitige Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten. Die Regierung hatte mit langen Übergangsfristen zwar Zugeständnisse gemacht – die Gewerkschaften waren allerdings unzufrieden. Umfragen zufolge ist eine Mehrheit der Franzosen gegen die Reform.

    Die Reform werde auch Staatschef Macron selbst betreffen, wie Kreise aus dem Élysée-Palast bestätigten. Demnach will Macron keine Sonderente erhalten, die den französischen Staatschefs nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt eigentlich zusteht. Stattdessen will er auch Teil des Universalsystems sein, das für alle Franzosen gelten solle. Es gehe darum, ein Beispiel zu geben und konsequent zu sein.

    Zudem soll Macron auf seinen Anspruch als künftiger Ex-Präsident auf einen Sitz im Verfassungsrat – dem obersten Hüter der Verfassung in Frankreich – verzichten.

    Laut weiteren Informationen der Nachrichtenagentur AFP beträgt die Sonderrente für Frankreichs Ex-Präsidenten derzeit monatlich rund 6200 Euro brutto.

    mka/gs/dpa

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    Tags:
    Frankreich, Gewerkschaften, Zugverkehr, Streik