00:38 14 Juli 2020
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    Sachsen sorgt immer wieder für Furore: Zunächst die spannende Wahl, dann der spektakuläre Einbruch ins Grüne Gewölbe, der „sächsischen Schatzkammer“. Ein Kabarettist aus Dresden kennt seine Heimat so gut wie jeder andere Sachse: Gunter Böhnke. Mit Sputnik spricht er über sein neues Buch „Sachsen: Wo die schönen Mädchen auf Bäumen wachsen“.

    Buchautor, Kabarettist und Ur-Sachse Gunther Böhnke wurde 1943 geboren und wuchs im bombardierten Dresden auf, der sächsischen Kulturstadt. Der Sachsen-Experte spricht im Sputnik-Interview über sein Leben als sächsischer Künstler, den jüngsten Raubzug im Grünen Gewölbe in Dresden, seine sächsische Heimat als Reiseziel, die über 20 sächsischen Mundarten sowie sein neues Buch: „Sachsen für Kenner und Neugierige: Wo die schönen Mädchen auf den Bäumen wachsen“. Es erschien 2019 im Westend Verlag.

    „Ich war vor einem Jahr mal wieder im Grünen Gewölbe und war erschlagen von der Kunstfertigkeit der Goldschmiede und der Kunsthandwerker“, erklärte Böhnke zum jüngsten Diebstahl und Einbruch im Dresdner Grünen Gewölbe, der „Schatzkammer“ Sachsens. Im November entwendete dort eine immer noch flüchtige Diebesbande einzigartig wertvolle und kostbare Schmuckstücke aus der Sammlung des früheren sächsischen Herzogs August des Starken. Über den schreibt der Sachsen-Autor in seinem Buch: „Um ihn ranken sich Legenden ohne Zahl. Die abenteuerlichste ist die Zahl seiner Kinder. Es sind natürlich nicht 354 – wie die Legende besagt – sondern neun.“ Außerdem sagt der Buchautor: „Sachsen ist durch den Wiener Kongress hart bestraft worden, und musste ab 1815 große Teile seines Gebietes an Preußen abgeben.“

    Was Sachsen und Albert Einstein gemeinsam haben

    In seinem neuen Werk „Sachsen für Kenner und Neugierige“ mit dem unerhört sächsischen Untertitel „Sachsen: Wo die schönen Mädchen auf den Bäumen wachsen“ (immerhin in Ostdeutschland ein recht bekannter Spruch) schreibt Böhnke eigene Beobachtungen aus dem sächsischen Alltag auf. Diese Schilderungen garniert er Leser(innen)-gerecht mit historischem Sachsen-Faktenwissen. Nicht nur über die Sachsen, sondern auch über das Sachsen, das wir heute als Freistaat und Bundesland kennen. Die Geschichte des germanischen Volkes der Sachsen geht letztlich Jahrtausende zurück.

    „Alles ist relativ“: Der weltberühmte Ausspruch des revolutionären Physikers Albert Einstein sei „im Grunde eine sächsische Lebensweisheit“, so der Sachsen-Kenner in seinem neuen Buch. „Der Sachse ist immer bereit, zu relativieren. Deswegen hat er auch etwas Einstein'sches.“Ganz nebenbei liege Sachsen als internationales Reiseziel noch „vor Neuseeland, Kreta oder der Ostsee.“

    Ein Sachse macht „taktischen Rückzug nach Berlin“

    Böhnke sei „echter Dresdner und Leipziger, ein halber Ostpreuße und ein halber Sachse“, sagte er im Sputnik-Gespräch.

    Pferdestraßenbahn in Sachsen
    © Foto : Jörg Lippert / Traditionsverein „Döbelner Pferdebahn“

    Nach seiner Kindheit und einer „kurzen Fußballer-Karriere“ war der heutige Autor und Bühnen-Kabarettist „im Kampf mit der Ameisensäure im VEB Arzneimittelwerk Dresden“. Danach ging es gegen die „Aufnahme-Kommission an der Leipziger Schauspielschule. Beide Kämpfe gingen verloren. Da Niederlagen zur Stärke führen, gelang der Sprung auf die Universitäts-Schulbank. Fünf Jahre wurde sie besessen. Die Besessenheit hielt an bis zur Tollkühnheit. Verweigerung des Schuldienstes als Lehrer, Kampf mit der Volksbildung gewonnen. Taktischer Rückzug nach Berlin. Kurzes Intermezzo mit Einnahme eines Verlagslektorenschreibtisches abgeschlossen. Und die ganze Zeit nebenbei Kabarett. Anfangs auf Amateur-Niveau, dann verbeamtet – und schließlich frei.“

    1966 war er übrigens Gründungsmitglied des Studentenkabaretts „academixer“, in Leipzig, der heimlichen Kultur-Hauptstadt der DDR.

    Die sächsische Sprache(n)

    Buchautor Böhnke spricht südwestosterländisch. Das ist eine der 21 sächsischen Mundarten. Außerdem sprechen die Sachsen und Sächsinnen nochGewandhaus-Sächsisch, Kultur-Dresdnerisch, Chemnitzer Mundart, nordwestosterländisch, Nord-Meißnisch, Vogtländisch, Nord-Bairisch oderErzgebirglerisch und viele weitere.

    Am Ende sei sächsisch nicht nur „eine Philosophie“, sondern auch eine sehr „ökonomische Sprache. Weil wir einige Buchstaben gar nicht brauchen. Das harte D und das harte T brauchen wir ja nicht zum Beispiel. Wir können zudem verkürzen: Wenn Sie ganz schnell sächsisch hören, verstehen Sie ja gar nicht, was wir sagen. Darum versuchen wir immer, alles lang zu dehnen. Wir dehnen ausführlich und musikalisch in unserer Sprache. Sächsisch ist eine wunderbare Sprache. Eigentlich verdanken wir es (dem sächselnden früheren DDR-Chef, Anm. d. Red.) Walter Ulbricht, dass sächsisch heute einen so schlechten Ruf genießt.“

    Berühmte Menschen der Geschichte, die gesächselt – also sächsisch – gesprochen haben waren unter anderem: Friedrich Nietzsche, Richard Wagner oder Martin Luther. „Sachsen, Sachsen: Oh, das ist ein harter Tobak“, zitierte Böhnke einen Satz des Dichter-Fürsten Goethe aus Weimar. Auch die sächsischen Lebensstationen solcher Berühmtheiten bespricht Böhnke in seinem aktuellen Sachsen-Buch an vielen Stellen ausführlich.

    Gunter Böhnke: „Wo die schönen Mädchen auf den Bäumen wachsen: Sachsen für Kenner und Neugierige“, Westend, erste überarbeitete Neuausgabe (2019), 240 Seiten, 16 Euro. Das Buch ist überall im Handel erhältlich.

    Das komplette Radio-Interview mit Autor Gunter Böhnke zum Nachhören:

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    Tags:
    DDR, blühende Landschaften, Ostdeutschland, Deutschland, Sachsen