11:03 18 Januar 2020
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    Am Wochenende erwarten Behörden in Australien, dass sich dortige Flächenbrände noch weiter intensivieren werden. Daher ist für einige Teile des Landes der Notstand ausgerufen. Menschen in den Küstenregionen werden evakuiert. Das Militär hilft überforderter und „unterfinanzierter“ Feuerwehr. Währenddessen steht Premier Scott Morrison unter Druck.

    Auch im neuen Jahr kommen die Brände in Down Under nicht zur Ruhe. Der Südosten Australiens wird derzeit evakuiert. Außerdem hat der australische Bundesstaat New South Wales den Notstand ausgerufen. Dort ist bereits eine Fläche der Größe Belgiens abgebrannt. Laut Medien haben die australischen Behörden tausende Urlauber aufgefordert, die Küstenregionen zu verlassen. Die Sperrzone erstreckt sich vom populären Badeort Batemans Bay über rund 200 Kilometer Richtung Süden zur Grenze des Bundesstaats Victoria. Auch in Canberra lodern die Flammen.

    Es sei die „größte Massenverlegung von Menschen aus der Region, die wir je erlebt haben“, sagte der Verkehrsminister von New South Wales, Andrew Constance, kürzlich dem australischen TV-Sender „ABC“.

    Tausende Touristen müssen australische Küstengebiete verlassen

    Die Feuerwehr in New South Wales richtete am Donnerstag eine große Sperrzone für Touristen entlang der Küste ein. Alle Urlauber sollen innerhalb von 48 Stunden diese Zone verlassen. „Feuerwehrmitarbeiter suchten Urlauber auf Campingplätzen und in Hotels auf und baten sie teils persönlich, die Region zu verlassen“, berichtete am Donnerstag die „Zeit“. „Viele Autobahnen und Landstraßen werden durch umgestürzte Bäume blockiert, andere sind aufgrund ihrer Nähe zu den Feuern gesperrt. Benzinvorräte in der Urlaubsregion waren nach den neuen Bränden am Jahresende eine Zeit lang knapp geworden, vor den Tankstellen bildeten sich kilometerlange Schlangen. Inzwischen hat die Polizei begonnen, Urlauber aus einigen Orten mit einer Eskorte zu begleiten.“

    Grund für die Evakuierung und Deklarierung der Sperrzone sind Vorhersagen von Meteorologen für Samstag. Dann werden vom australischen Wetteramt Temperaturen jenseits der 40-Grad-Grenze und starker Wind erwartet. Dadurch könnten die seit Monaten tobenden Buschbrände noch einmal angefacht werden, die ohnehin hohe Brandgefahr steige. Es werde eine neue Hitzewelle erwartet. Die Behörden fürchten, dass die Brände am Wochenende noch schlimmer wüten könnten als am vergangenen Dienstag, einem „sehr verheerenden Tag“. Seit September kamen in Australien mindestens siebzehn Menschen durch die Flammen ums Leben. Landesweit wurden mittlerweile über 1400 Häuser zerstört.

    Hitzewelle in Australien
    © REUTERS / AAP Image / David Crosling
    Der Verkehrsminister von New South Wales forderte die Menschen auf, „langsam in dichtem Rauch zu fahren.“ In einem emotionalen Interview mit der „ABC“ schilderte er, wie sogar seine eigenen Freunde „ihr Zuhause verloren“ hätten.

    Australiens Militär hilft „unterfinanzierter“ Feuerwehr

    Derzeit wüten die Brände am schlimmsten in der Küstenstadt Mallacoota in Victoria, rund 500 Kilometer östlich von Melbourne. Mehr als 4000 Menschen waren alleine dort bis zum Neujahrsmorgen an die Strände geflohen. „Im südlichen Bundesstaat Victoria flüchteten Tausende Urlauber an den Strand, um Schutz vor den herannahenden Flammen zu suchen“, berichtete die „Hamburger Morgenpost“ an Neujahr.

    Das australische Militär ist aktuell mit Hubschraubern und Schiffen im Einsatz, um tausenden Menschen, die vom Feuer eingeschlossen sind, zu helfen. Das Militär soll bei der Koordinierung der Brandbekämpfung helfen. Die Luftwaffe hilft bereits bei der Betankung von Löschflugzeugen oder beim Transport von Feuerwehrleuten. „Diese Unterstützung im Hintergrund durch die Streitkräfte stellt mehr Feuerwehrleute frei für ihre eigentlichen, spezialisierten Aufgaben bei der Brandbekämpfung“, sagte Australiens Verteidigungsministerin Linda Reynolds. Normalerweise wird die australische Armee nicht im Inland eingesetzt.

    Bereits Mitte Dezember berichtete der „ORF“, dass Proteste in Australien fordern, „das Budget der unterfinanzierten Feuerwehr zu erhöhen“.

    Premier sagt „Sorry“ wegen Hawaii-Urlaub

    Australiens Premierminister Scott Morrison war in der Weihnachtszeit stark unter Druck geraten. Er war trotz der lodernden Flammen in den Familienurlaub nach Hawaii geflogen. Nach seiner vorzeitigen Rückkehr entschuldigte er sich öffentlich, während der Buschfeuer und Rekordtemperaturen Australien verlassen zu haben. Er wisse, dass der Urlaub bei seinen Landsleuten „große Aufregung“ ausgelöst habe, sagte er. Im Nachhinein hätte er anders gehandelt. „Ich entschuldige mich bei den Australiern, die ich verärgert habe.“ Rückblickend betrachtet habe er falsch verhalten. Zugleich warb er um Verständnis dafür, dass er mit dem Urlaub ein Versprechen gegenüber seinen Kindern habe einhalten wollen. Als Premierminister habe er aber andere Pflichten, räumte er ein.

    Der Premier verteidigte am Donnerstag seine Klima-Politik bei einer Pressekonferenz in Sydney. „Ich verstehe die Angst, ich verstehe die Frustration, aber das ist eine Naturkatastrophe, die am besten auf ruhige, systematische Art behandelt wird“, erläuterte er. Morisson nehme die Erderwärmung und den Klimawandel ernst, betonte er. Allerdings kündigte er auch an, dass er seine Politik „nicht auf Kosten der Wirtschaft“ ändern werde. Morrison gilt als starker Befürworter der australischen Kohleindustrie.

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    Tags:
    Waldbrände, Feuerwehr, Militär, Feuer, Australien