11:53 23 Oktober 2020
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    Rund zehntausend Menschen beteiligten sich am Sonntag an der traditionellen Demonstration in Berlin, die an die beiden am 15. Januar 1919 ermordeten Kommunisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht erinnert. Dazu hatte wieder ein Bündnis von linken Parteien, Organisationen und autonomen Gruppen aufgerufen. Zwischenfälle wurden nicht gemeldet.

    Nicht nur an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurde am Sonntag traditionell in Berlin erinnert. Im Demonstrationszug durch die Frankfurter Allee zur Gedenkstätte in Berlin-Friedrichsfelde ließen Sprechchöre immer wieder auch Lenin und Stalin hochleben. Neben den Fahnen und Transparenten von linken Parteien, Organisationen und Gruppen aus der Bundesrepublik prägten vor allem solche von linken türkischen und kurdischen Gruppen das Bild.

    Vor allem Ältere taten mit Fahnen oder selbstgemachten Plakaten ihre Forderungen kund, ebenso junge Familien. Dazu gehörte immer wieder auch „Frieden mit Russland!“ und ebenso der Aufruf, das geplante US-Manöver „Defender 2020“ zu verhindern. Unter den Demonstrierenden waren neben Briten, Österreicher und Dänen, Menschen aus Bangladesch, aus Chile und Paraguay sowie aus afrikanischen Ländern.

    Blöcke straff organisierter Jugendlicher verschiedener linker Gruppen riefen pseudorevolutionäre Parolen wie „Die Straße frei der roten Jugend!“ oder „… die Massen am Gewehr schaffen den Sozialismus her“.

    Immer wieder war auch die DDR-Fahne zu sehen.

    Ein Rentner trug ein großes DDR-Emblem mit Zirkel, Hammer und Ährenkranz.

    Erinnerung an ermordete Kommunisten

    Tausende Blumen und Kränze wurden vor dem Gedenkstein mit der Aufschrift „Die Toten mahnen uns“ abgelegt. Bis zum frühen Nachmittag drängten sich die Menschen verschiedener Generationen an der offiziellen Grabstätte der beiden deutschen Kommunisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.

    • Die Spitze der Demonstration in der Frankfurter Alle in Berlin
      Die Spitze der Demonstration in der Frankfurter Alle in Berlin
      © Sputnik / Tilo Gräser
    • Aktuelle Forderungen
      Aktuelle Forderungen
      © Sputnik / Tilo Gräser
    • Nicht nur ein Rentner erinnerte an die DDR
      Nicht nur ein Rentner erinnerte an die DDR
      © Sputnik / Tilo Gräser
    • Immer wieder wurde Frieden mit Russland gefordert
      Immer wieder wurde Frieden mit Russland gefordert
      © Sputnik / Tilo Gräser
    • Am Rand der Gedenkstätte
      Am Rand der Gedenkstätte
      © Sputnik / Tilo Gräser
    • Tausende gedachten der ermordeten Kommunisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht
      Tausende gedachten der ermordeten Kommunisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht
      © Sputnik / Tilo Gräser
    • Ein Blumenmehr am Mahnmal
      Ein Blumenmehr am Mahnmal
      © Sputnik / Tilo Gräser
    • Hand in Hand und mit der roten Fahne auf dem Heimweg
      Hand in Hand und mit der roten Fahne auf dem Heimweg
      © Sputnik / Tilo Gräser
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    © Sputnik / Tilo Gräser
    Die Spitze der Demonstration in der Frankfurter Alle in Berlin

    Anlass der „LL-Demo“, die seit 1996 organisiert wird, ist die Ermordung von Luxemburg und Liebknecht am 15. Januar 1919. Präfaschistische Freikorps hatten die beiden in Folge der Novemberrevolution 1918 ermordet. Nachdem die Gedenkdemonstration in der DDR zu einem offiziellen Ritual durch die SED-Führung geriet, wurde die Tradition in den 1990er Jahren wieder aufgegriffen. Seitdem ruft jährlich ein Bündnis von linken Parteien, Organisationen und autonomen Gruppen dazu auf.

    Die aus der SED und deren Nachfolgerin PDS hervorgegangene Partei Die Linke hat bis heute Probleme, sich dazu offen zu bekennen und aktiv zu beteiligen.

    So waren unter anderem mehr Fahnen von der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) als von der Linkspartei im Demonstrationszug zu sehen.

    Engagement für Frieden

    Für ihn sei es ein Bedürfnis, „auch heutzutage gegen Faschismus anzutreten“, erklärte Manfred Evers gegenüber Sputnik, warum er sich an der Demonstration beteiligte. Der 62-Jährige war dazu aus Ratingen in Nordrhein-Westfalen nach Berlin gekommen. „Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sind ja von Faschisten ermordet worden, unter dem Deckmantel der Sozialdemokratie.“ Ihm sei wichtig, das Engagement der beiden Kommunisten für Gerechtigkeit fortzusetzen, sagte Evers, „das ist heute notwendiger denn je“.

    Manfred Evers aus Ratingen (NRW) war nicht das erste Mal dabei
    © Sputnik / Tilo Gräser
    Manfred Evers aus Ratingen (NRW) war nicht das erste Mal dabei

    Susann aus dem brandenburgischen Trebbin ist wie der Ratinger Evers seit Jahren immer Mitte Januar in Berlin dabei. Sie engagiere sich in der linken Kinderorganisation „Rote Gespenster“ in der Region Berlin/Brandenburg, berichtete sie.

    „Wir wollen mit unserer Anwesenheit zeigen, dass wir für den Frieden sind und alles dafür tun wollen, auch dafür auf die Straße zu gehen und nicht alles zu erdulden.“

    Für die engagierte Frau aus dem Jahrgang 1966 sind Luxemburg und Liebknecht immer noch aktuell.

    Rund 30 Vertreter verschiedener dänischer Gewerkschaften beteiligten sich ebenfalls an der Demonstration, unter anderem traditionelle Fahnen ihrer Organisationen tragend. Lars Henriksson von der Gerüstbauer-Gewerkschaft in Dänemark kam zum zweiten Mal aus Kopenhagen nach Berlin zur LL-Demo, wie er berichtete. „Wir demonstrieren hier für Freiheit und Sozialismus“, erklärte der 56-Jährige.

    Kommunisten bleiben gefährlich

    Auf den Weg zur Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde hatte sich auch der 19-jährige Martin aus Österreich gemacht. Er engagiert sich in Wien bei der Kommunistischen Jugend Österreichs (KJÖ). Das Gedenken an Luxemburg und Liebknecht sei auch für ihn wichtig, beschrieb er eines seiner Motive. „Es ist wichtig, an ihre Arbeit zu erinnern“, erklärte der junge Österreicher, der zum ersten Mal dabei war.

    Die beiden ermordeten Kommunisten dürften seiner Ansicht nach aber nicht nur als Märtyrer behandelt werden. Zugleich zeige ihr Beispiel, „wie das Kapital mit Kommunisten umgeht. Wir sind für sie eine Gefahr. Daran muss immer wieder erinnert werden, auch wenn wir heute frei auf der Straße demonstrieren dürfen.“

    Das bedeute in der Gegenwart nicht das Ende von Kontrolle und Repression gegen antikapitalistische Kräfte.

    Ebenso traditionell wie die LL-Demo selbst war, dass die Polizei mit Hunderten Kräften in Kampfanzügen die Demonstrierenden begleitete. Anlass für ihr Eingreifen gab es aber diesmal keinen und bis zum frühen Nachmittag wurden keine Zwischenfälle gemeldet. Die Veranstalter berichteten von rund 10.000 Teilnehmenden. Für die gab es vor der Gedenkstätte zahlreiche Informationsstände von Parteien und Organisationen, linken Verlagen und Medien.

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    Tags:
    DDR, Novemberrevolution 1919, Protest gegen Krieg, Berlin, Luxemburg-Liebknecht-Demonstration, LL-Demo, Linke, Gedenken, Kommunismus, Krieg, Demonstration, Protest, Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg