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    Nach Kritik und internen Debatten ändert die Gedenkstätte zur Wannsee-Konferenz in Berlin einen Teil ihrer neuen Dauerausstellung: Eine Station, bei der Besucher aufgefordert werden, über Lehren aus der Judenverfolgung nachzudenken, werde in der Form nicht in Betrieb genommen, so der Direktor der Gedenkstätte, Hans-Christian Jasch, am Freitag.

    Das Haus der Wannsee-Konferenz, in dem sich 1942 Vertreter deutscher Ministerien und des NS-Machtapparats auf den millionenfachen Mord der europäischen Juden verständigten, bekommt eine neue Dauerausstellung. Die Gedenkstätte am Berliner Wannsee, wo 15 Männer die „Endlösung der Judenfrage“ festschrieben, stellt die Konferenz vom 20. Januar 1942 als Teil des großangelegten Mordplans der Nationalsozialisten dar, erläuterte Direktor Hans-Christian Jasch. Die Ausstellung soll am kommenden Sonntag von Außenminister Heiko Maas (SPD) eröffnet werden.

    Geheime Reichssache

    Im Mittelpunkt der Ausstellung steht wie schon zuvor das 15 Seiten lange Protokoll mit dem Stempel „Geheime Reichssache“. Von dem Dokument hatte der später in Israel zum Tode verurteilte Adolf Eichmann 30 Kopien anfertigen lassen, von denen nur eine erhalten blieb. Das Protokoll über die Aufgaben der einzelnen Behörden bei der Verfolgung und Ermordung der Juden ist ein Schlüsseldokument des Holocaust, das Treffen das Sinnbild für seinen kaltblütigen Vollzug.

    Im Mittelpunkt der Ausstellung steht wie schon zuvor das 15 Seiten lange Protokoll mit dem Stempel „Geheime Reichssache“.
    © AFP 2020 / DPA / PAUL ZINKEN
    Im Mittelpunkt der Ausstellung steht wie schon zuvor das 15 Seiten lange Protokoll mit dem Stempel „Geheime Reichssache“.

    Die Schau am Wannsee

    Auf Schautafeln und Videomonitoren geht die Ausstellung auf die Vorgeschichte der Konferenz ein. Deutlich wird dabei, dass die Verfolgung lange vor dem Treffen in der einstigen Fabrikanten-Villa begann. Besucher erfahren Hintergründe über die Konferenzteilnehmer und über Schicksale einzelner Verfolgter. Die Ausstellung wolle den Blick jenseits der Täterperspektive auf die Opfer hin erweitern.

    Parallelen zur Gegenwart

    Für Diskussionen sorgte eine Station mit einem interaktiven Monitor, auf dem Besucher aufgefordert werden, über die Lehren aus der Geschichte nachzudenken.

    Auf dem Video-Monitor wurden Bilder etwa mit einer Verbotstafel für junge, männliche Flüchtlinge vor einem Schwimmbad aus dem Sommer 2016 in Bezug zur Vertreibung der Juden aus dem öffentlichen Leben gesetzt. Die Zeichnung des Publikumsandrangs vor einem Laden für Billigkleidung wiederum wurde mit dem Verkauf von Besitz deportierter Juden in der NS-Zeit verbunden.

    Die Absicht sei, damit eine Debatte über „Zuschauen und Wegsehen“ anzustoßen und keine Vergleiche zu ziehen, betonte die stellvertretende Direktorin Elke Gryglewski noch am Donnerstag. Sollten jedoch Missverständnisse aufkommen, wolle die Ausstellung auf solche Beispiele verzichten.

    An diesem Freitag gab der Direktor der Gedenkstätte bekannt, dass die Station nunmehr wegen kritischer Nachfragen und nach internen Debatten nicht in der ursprünglich geplanten Form in Betrieb genommen werde.

    Das Haus der Wannsee-Konferenz hatte 2018 rund 116 000 Besucher.

    ba/dpa

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    Tags:
    Deutschland, Flüchtlingskrise, NS-Zeit, Holocaust