22:15 20 Oktober 2020
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    Der Vater von Julian Assange, John Shipton, spricht in einem Interview mit Sputnik über die Begegnungen mit seinem Sohn im Gefängnis, den Gesundheitszustand des WikiLeaks-Gründers sowie darüber, welche Fakten über seinen Sohn er der Welt vermitteln möchte.

    Shipton, der Antikriegsaktivist ist, hat in den letzten Jahren Dutzende Reisen von Australien nach Großbritannien unternommen, während sein Sohn Julian, der Gründer von WikiLeaks, gegen die Auslieferung an die USA kämpft.

    Sputnik begleitete Shipton auf der Zugfahrt nach Südost-London, wo sich das Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh befindet, und sprach mit ihm über sein Leben als Vater eines Mannes, dem wegen seines Aktivismus eine Freiheitsstrafe von bis zu 175 Jahren in den USA droht.

    Klatsch und verdeckte Lippen

    In den letzten Jahren reiste Shipton insgesamt knapp 30 Mal zwischen Großbritannien und seiner Heimat Australien hin und her. Wenn er sich mit seinem Sohn trifft, sprechen sie ihm zufolge meist von einfachen Dingen – die beiden hätten an Klatsch Gefallen gefunden:

    „Julians Isolation bedeutet, dass das, was die Leute tun, wirklich interessant wird. Also, wir klatschen, wir reden über Kinder und Frauen und Mütter und Freundinnen und Anderes... Wirklich nur Klatsch.“

    Für das nächste Treffen plant Shipton allerdings etwas seriösere Gesprächsthemen – unter anderem zum Asyl irgendwo in Europa sowie humanitäre Visa. Darüber hinaus will er seinen Sohn fragen, ob er einen Rechtsstreit gegen die verwickelten Regierungen aufnehmen möchte.

    So ein Gespräch bereitet aber Schwierigkeiten – wie Shipton erklärt, werden sie so miteinander reden müssen, dass man ihnen nichts von den Lippen ablesen kann. Um sich vor den im Gesprächszimmer installierten Kameras zu schützen, werden sie ihre Münder verdecken müssen, sagt er.

    Mehr Ethik bei Häftlingen als bei Regierungen?

    Vor kurzem wurde Assanges Einzelhaft aufgehoben, was nicht nur den Bemühungen seiner Anwälte, sondern auch den Anträgen von drei seiner Mitgefangenen zu verdanken war. Dazu sagt Shipton:

    „Es ist außergewöhnlich, wenn Häftlinge mehr Ethik haben als vier Regierungen – das Vereinigte Königreich, Schweden, Australien und die USA. Die Gefangenen reichen Petitionen ein, um Julian aus der Einzelhaft in die Gemeinschaft zurückzubringen. Das ist außerordentlich.“

    Ein Aktivist hält Plakate mit Forderung nach Freilassung von Julian Assange in London
    © Sputnik / Justin Griffiths-Williams
    Nachdem Assange in eine Gemeinschaftszelle gewechselt war, rief sein Vater die Frau eines der Gefangenen, auf deren Ersuchen der Umzug erfolgte, an und bedankte sich bei ihr.

    Assange befinde sich in einem furchtbaren Zustand, gesteht Shipton. Dies werde vom UN-Sonderberichterstatter über Folter, Nils Melzer, sowie einer Kommission von 160 anderen Ärzten anerkannt, sagt er.

    Auf die Frage, was er der Welt über seinen Sohn erzählen möchte, antwortet Shipton:

    „Nur von seinem Mut und seiner Integrität, einfachen Menschen überall eine Fülle von Daten zu bieten, damit sie Zugang dazu haben, was Regierungen tun oder nicht tun; zu Tatsachen, die sie selbst überprüfen und besprechen können, um zu einer Schlussfolgerung zu gelangen, wie man eine Regierung unterstützt oder nicht.“

    msch/sb/sna

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    Tags:
    Julian Assange, John Shipton