07:38 29 Oktober 2020
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    Viele Hochschullehrer halten die Meinungsfreiheit an deutschen Universitäten für ausbaufähig. Vor allem bei umstrittenen Themen soll es viele Einschränkungen geben. Das berichtet die „Welt“ unter Berufung auf eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach.

    Im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Deutschen Hochschulverbands führte das Institut um die Jahreswende 1106 Interviews mit Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern.

    Im internationalen Vergleich liege Deutschland bei der Einschätzung der Wissenschaftsfreiheit nach wie vor im oberen  Drittel –  hinter der Schweiz, Dänemark, Norwegen und den Niederlanden. In Deutschland herrsche „sehr viel“ oder „viel“ Wissenschaftsfreiheit, hätten 93 Prozent der Befragten angegeben. 87 Prozent hätten das Gleiche in Bezug auf die USA gesagt, bei China seien nur elf Prozent der Befragten dieser Meinung gewesen.

    Allerdings sehen sich die Hochschullehrer in Deutschland auf vielfältige Weise im Alltag eingeschränkt: Neben zeitlicher Überlastung, zu viel Bürokratie und fehlenden Finanzmittel seien auch rigide moralische Standards belastend.

    Ein knappes Drittel der Hochschullehrer habe angegeben, sich durch formelle oder informelle Vorgaben zur Political Correctness eingeschränkt zu fühlen. Als am stärksten werden solche Einschränkungen demnach in der medizinischen Forschung empfunden. 40 Prozent der Mediziner hätten darüber geklagt. Aber auch 36 Prozent der Geisteswissenschaftler fühlten sich hier betroffen.

    Umstrittene Themen

    Bereiche wie Politik, Religion oder auch Genderfragen scheinen für die Meinungsfreiheit an Universitäten besonders problematisch zu sein. Etwa 79 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, dass es erlaubt sein müsse, einen Rechtspopulisten zu einer Podiumsdiskussion einzuladen. 74 der Hochschullehrer würden jedoch befürchten, damit in der Universität auf erheblichen Widerstand zu stoßen. Bei der Einladung eines Linkspopulisten würden nur 21 Prozent mit Widerstand rechnen.

    Bei gendergerechter Sprache wollten sich 72 Prozent der Befragten das Recht vorbehalten, sich neuen Sprachregelungen zu verweigern – wie etwa „Studenten“ statt „Studierende“ sagen zu dürfen. Hier würden 40 Prozent mit Widerstand rechnen. 43 Prozent äußerten die Ansicht, es müsse erlaubt sein, den Klimawandel zu bestreiten. In diesem Fall hätten 63 Prozent Wiederstand befürchtet.

    Auch bei religiösen Fragen fühlten sich einige der Befragten eingeengt. So finden 27 Prozent, es solle erlaubt sein, den Islam als Religion abzulehnen. 20 Prozent wollten den Staat Israel ablehnen. 16 Prozent sprachen sich für die Möglichkeit aus, menschliche Embryonen klonen zu dürfen. Sieben Prozent hätten sogar Anspruch auf die Freiheit erhoben, das Grundgesetz ablehnen zu dürfen.

    mka/gs

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    Tags:
    Allensbacher Institut für Demoskopie, Deutschland, Universität