07:42 08 Juli 2020
SNA Radio
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    Coronavirus auf dem Vormarsch: Chronologie der Ausbreitung (116)
    18367
    Abonnieren

    Italien hat im Kampf gegen das neue Coronavirus drastische Maßnahmen eingeleitet. Um eine weitere Ausbreitung der Infektion im Norden des Landes zu unterbinden, sollen nun die am stärksten betroffenen Städte abgeriegelt werden. Wie Regierungschef Giuseppe Conte am Samstagabend sagte, sei das Betreten und Verlassen dieser Gebiete verboten.

    Betroffen seien zunächst knapp ein Dutzend Orte südöstlich von Mailand mit etwa 50.000 Einwohnern sowie die nordostitalienische Gemeinde Vo' (Region Venetien) mit rund 3000 Bewohnern.

    In Italien waren bis zum Abend 76 Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 registriert worden, zwei Menschen sollen daran gestorben sein. Damit ist Italien das europäische Land mit den weitaus meisten erfassten Sars-CoV-2-Infizierten. In Deutschland wurden bisher 16 Fälle gemeldet, in Frankreich zwölf, darunter ein Todesfall.

    Ministerpräsident Conte kündigte die Notfallmaßnahme nach Krisengesprächen mit der Zivilschutzbehörde des Landes an. „Das Ziel ist, die Gesundheit der italienischen Bevölkerung zu schützen“, sagte Conte. Ihm zufolge sollten zunächst die Sicherheitskräfte und wenn nötig auch die Streitkräfte die betroffenen Regionen abriegeln. Wer versuche, die Absperrungen zu umgehen, dem drohe „strafrechtliche Verfolgung“, so Conte. Er setze dennoch auf Verständnis der Bevölkerung.

    Ein Aussetzen der innereuropäischen Reisefreiheit im Rahmen der Schengen-Zone sei vorerst nicht vorgesehen, sagte Conte.

    Notfall auch in Südtirol

    Auch in Südtirol sind die Behörden auf einen Notfall gefasst. Unter anderem empfahlen die Gesundheitsbehörden am Samstagabend dem Südtiroler Landeshauptmann Thomas Widmann, die Universität Bozen sowie Kitas und Kinderhorte für die kommende Woche zu schließen. Laut der Webseite des Rundfunksenders Südtirol ist zudem ein medizinischer Notfallplan erstellt worden.  

    In Italien verteilen sich die Infizierten auf die Lombardei, Venetien und Piemont. Nachgewiesen wurde der Krankheitserreger demnach unter anderem bei der Frau und einer Tochter des Mannes, der mutmaßlich Italiens erstes gemeldetes Covid-19-Todesopfer ist. Der italienische Zivilschutz sprach von einem zweiten Opfer, das vermutlich an der Lungenerkrankung Covid-19 gestorben sei. Beim ersten gemeldeten Toten handelt es sich um einen 78-Jährigen in Venetien, beim zweiten um eine Frau in der Lombardei. Der Ausbruch in der Lombardei geht auf einen 38-Jährigen zurück, der seit Mittwoch in der Klinik der Kleinstadt Codogno behandelt und tags darauf positiv auf den Erreger getestet wurde.

    Weitgehende Absagen und Sperrungen in betroffenen Regionen

    In zehn Gemeinden der Lombardei wurden Schulen und ein Großteil der Geschäfte vorübergehend geschlossen. Die Einwohner sind aufgerufen, nach Möglichkeit zuhause zu bleiben. Gottesdienste, Karnevalsfeste und Sportveranstaltungen wurden verboten. Auch in Venetien wurden Maßnahmen beschlossen, die eine weitere Ausbreitung des Virus verhindern sollen. In der Lombardei und in Venetien wurden für Sonntag alle Sportveranstaltungen abgesagt.In Mailand kündigte Modeschöpfer Giorgio Armani im Gespräch mit der Agentur Ansa an, dass seine für Sonntag geplante Modeschau vor leeren Rängen abgehalten werde. Die Show als Teil der Modewoche werde lediglich als Livestream zu sehen sein, um die Gefahr einer Ansteckung mit dem Virus zu minimieren.

    Am Samstagmorgen war in Rom ein Armeeflugzeug mit 19 Italienern angekommen, die an Bord des Kreuzfahrtschiffs „Diamond Princess“ in Japan für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt worden waren. Sie werden nun in einem Militärkomplex in Rom unter Quarantäne stehen. Unter den Passagieren der „Diamond Princess“ hatte es Hunderte Infizierte gegeben, zwei Japaner starben.

    Ausbreitung in anderen Ländern

    Angesichts der Lage in Italien bereitet sich Frankreich auf eine Ausbreitung des Coronavirus vor. Die Lage im Nachbarland werde „aufmerksam verfolgt“, sagte Gesundheitsminister Olivier Véran im Gespräch mit dem „Le Parisien“ (Sonntag).

    Auch auf der koreanischen Halbinsel spitzt sich die Lage zu: Wie die südkoreanischen Gesundheitsbehörden am Samstag mitteilten, wurden im Land binnen eines Tages 229 weitere Ansteckungen mit Sars-CoV-2 nachgewiesen. Damit stieg die Zahl erfasster Fälle auf 433. In keinem anderen Land außerhalb Chinas, wo Covid-19 im Dezember ausgebrochen war, wurden bisher mehr Infektionen gemeldet.

    In China lag die Zahl in der offiziellen Statistik erfasster Infektionen am Samstag bei gut 76.000, mehr als 2300 Menschen starben an der Lungenkrankheit. Experten gehen von einer weitaus höheren Dunkelziffer in der Volksrepublik aus.

    ls/sb/dpa

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren
    Themen:
    Coronavirus auf dem Vormarsch: Chronologie der Ausbreitung (116)

    Zum Thema:

    4x4 Deluxe: Autobauer UAZ zeigt neuen Offroader – Fotos
    Nord Stream 2: Deutsche Gasbranche erfreut über Entscheidung Dänemarks
    Epstein-Skandal: Deutsche Bank in USA zu 150 Mio. Dollar Strafe verdonnert
    Mehrere Gerichte nach Bombendrohungen geräumt
    Tags:
    China, Südkorea, Frankreich, Italien