15:26 06 April 2020
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    „Weit jenseits von vulgärem Kitsch”: Karnevalsparade in Spanien mit Nazis und KZ-Häftlingen – Video

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    An Karneval spielen die Leute bekanntlich verrückt und man kann sich ruhig zum Narren machen. Auch ein wenig über die Stränge zu schlagen, gehört einfach zur fünften Jahreszeit dazu. Allerdings leistete sich ein Karnevalsumzug in Spanien vor Kurzem eine Geschmacklosigkeit, die bei manch einem für Fassungslosigkeit sorgen könnte.

    Ein spanischer Karnevalsumzug mit einer als Nazis verkleideten Gruppe hat über die Landesgrenzen hinaus für Ärger und Entrüstung gesorgt. Bei der Parade nahe der Stadt Ciudad Real in der Region Kastilien-La Mancha war ein teilnehmender Verein in SS-Uniformen und als KZ-Häftlinge kostümiert zu Disco-Musik durch die Straßen gezogen.

    Auf einem Video ist festgehalten, wie die „bunte Truppe“ durch die Straßen tanzt. Leider hat man sich bei der Wahl der Kostüme deutlich vergriffen, denn die Mitglieder des Umzugs sind als Nazis verkleidet – und zwar als ziemlich tanzwütige.

    Die schwarzen Umhänge, die auf der Innenseite knallrot sind, sollten dem Spektakel wohl eine stilsichere Note verleihen. Auf jeden Fall sitzt die Choreografie: Die Karnevaltänzer gehen in die Hocke, machen ihre eingeübten Tanzschritte und wedeln elegant mit ihren Gewehren herum. Bis es dann im Marschschritt weitergeht.

    War’s das? Nein, leider noch nicht. Hinter der voranschreitenden NS-Truppe rollt der Karnevalswagen und der hat es in sich – er stellt nämlich ein Vernichtungslager samt Schornsteinen dar. Da kann man bloß danke sagen, dass niemand auf die Idee gekommen ist, da noch Rauch als „authentisches“ Detail  aufsteigen zu lassen.

    Ebenfalls ein besonderer „Hingucker“ ist die frivol verkleidete NS-Frau oben drauf, die auf einer kleinen Plattform tanzt, flankiert von zwei Dobermännern.

    Die Karnevalstruppe hat sich auch noch etwas für die „KZ-Häftlinge“ ausgedacht: Die festlich gekleideten Mädchen, welche die Opfer der NS-Barbarbei darstellen sollen, tanzen und schwenken  israelische Flaggen. Natürlich sind die Mädchen nummeriert, wie es sich auch für einen KZ-Häftling gehört. Einige von ihnen sind mit roten Wunden bemalt.

    Hinter ihnen folgt der zweite Karnevalswagen – diesmal weniger verstörend –, der von einem NS-Motorradfahrer gesteuert wird. Hinter ihm ragt das Brandenburger Tor auf. Die Musik ist übrigens flott, aber so richtig mittanzen will keiner. Was wohl den Zuschauern des Umzugs durch den Kopf gegangen ist, bleibt nur zu vermuten. Einige verdutzte Gesichter sind jedenfalls dabei.

    Reaktionen auf den „Nazi"-Karnevalsumzug

    Die "Asociación Cultural El Chaparral de Las Mesas" aus Cuenca verteidigte die Aktion: Man habe damit die Opfer "eines der schändlichsten Ereignisse der Menschheitsgeschichte" ehren wollen, zitierte die Zeitung "El País" am Dienstag den Verein. Dieser postete auf Facebook ein Foto von einem Schild am Karnevalswagen, auf dem unter anderem zu lesen war: "Im Gedenken an die sechs Millionen Männer, Frauen und Kinder, die im Holocaust gestorben sind (...). Ihr werdet immer in unserer Erinnerung sein."

    Die israelische Botschaft in Spanien zeigte sich empört von dem Auftritt und sprach auf Twitter von einer „verwerflichen und widerlichen Darbietung, die den Holocaust beim Karneval (...) banalisiert und sich über die sechs Millionen von den Nazis getöteten Juden lustig macht".

    „​Es ist schwer zu beschreiben: Erinnerung auf den Kopf gestellt, weit jenseits von vulgärem Kitsch, ohne Relevanz, Reflexion und Respekt", twitterte das Museum Auschwitz-Birkenau.

    Viertklässler mit Hakenkreuz beim Fasching in Hamburg

    In Hamburg ist ein Viertklässler am Dienstag mit einem selbstgebastelten Hakenkreuz-Emblem am Oberarm zum Schulfasching gekommen. Der Grundschüler habe das auf Papier gemalte Hakenkreuz auf Anweisung der Lehrerin sofort abnehmen müssen, wie die Hamburger Schulbehörde am Dienstag sagte. Laut Schulleitung darf der Junge, der bereits in der Vergangenheit durch Nazi-Gesten in der Schule aufgefallen sein soll, den Unterricht vorerst nicht besuchen. Zudem habe es im Nachhinein ein klärendes Gespräch mit den Eltern gegeben.

    ​​mka/dpa/sna

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