05:53 02 April 2020
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    Am UNESCO-Welttag der Muttersprache (21. Februar 2020) veranstalteten russlanddeutsche gesellschaftliche Organisationen in fast 80 russischen Regionen die gesamtrussische Aktion „Tolles Diktat“. Sie wurde zum achten Mal durchgeführt und soll das Interesse an der deutschen Sprache wachhalten und die deutschsprachige Schreibkultur entwickeln.

    Etwa 70.000 Teilnehmer wurden registriert, doppelt so viele wie im Vorjahr, Schüler, Studenten und einfach Menschen, die ihre Kenntnisse testen wollten, darunter auch aus Kasachstan, Kirgistan, aus fast allen Balkan-Staaten, der Ukraine, Weißrussland und sogar aus Deutschland. Der russische Schriftsteller Michail Scholochov, Nobelpreisträger, äußerte seinerzeit: "Der größte Reichtum jedes Volkes ist seine Sprache."

    Deutsch sei wie Russisch eine von 6700 Sprachen, die wir in der Welt haben, sagte Jan Kantorczyk, Leiter des Kulturreferats der deutschen Botschaft in Moskau bei der Eröffnung der Aktion. „Und wenn ich höre, dass so viele Menschen ihre Kenntnisse der deutschen Sprache an einem Diktat austesten wollen, dann zeigt dies, wie lebendig und wichtig die deutsche Sprache für Russland ist.“

    Die Veranstalter sind sich sicher, dass Deutsch heute eine der Sprachen der internationalen Geschäftskommunikation ist, und deshalb bietet ihr Studium die Möglichkeit, sich einen Wettbewerbsvorteil in verschiedenen Bereichen zu verschaffen - in Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Geschäft.

    In Russland pflegt man die deutsche Sprache, in Deutschland nicht mehr!

    In einem User-Kommentar hieß es: „In Russland pflegt man die deutsche Sprache, in Deutschland nicht mehr!“ Der Diplomat Kantorczyk kommentiert im Sputnik-Gespräch:

    „Die deutsche Sprache ist in Russland tatsächlich gefragt und deshalb gepflegt. Immer mehr Menschen glauben, dass Deutsch für sie attraktiv ist. Sie versprechen sich etwas davon, Deutsch zu lernen, aus welchen Gründen auch immer. Den User kann man so verstehen, dass Deutsch in Deutschland selbst gar nicht mehr eine so große Rolle heute spielt, angesichts der vielen in Deutschland Lebenden, die Deutsch nicht als Muttersprache haben.“

    Kantorczyk sagt weiter: „Wir wissen, dass ein großer Bedarf in allen Bundesländern an Deutschlehrern besteht. Als Deutschlehrer hat man Perspektive und Zukunft. Und in Deutschland selbst ist die Nachfrage nach Deutschunterricht sehr groß. Außerdem ist der Erwerb der deutschen Sprache für eine Vielzahl der nach Deutschland zugewanderten Personen in den vergangenen Jahren die Voraussetzung, um in Deutschland Fuß zu fassen, eine Bildungskarriere zu bekommen und einen Beruf zu ergreifen, um arbeiten zu können, um sich schließlich zu integrieren. Dadurch wird die Nachfrage generiert.“

    • Denis Slavetskiy mit seinem Sohn Artemiy (L)
      Denis Slavetskiy mit seinem Sohn Artemiy (L)
      © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    • Gusel Jachina (L) und Jan Kantorczyk, Leiter des Kulturreferats der deutschen Botschaft in Moskau
      Gusel Jachina (L) und Jan Kantorczyk, Leiter des Kulturreferats der deutschen Botschaft in Moskau
      © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    • Diktat-Sprecherin
      Diktat-Sprecherin
      © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    • Tolles Diktat der Russlanddeutschen am Tag der Muttersprache
      Tolles Diktat der Russlanddeutschen am Tag der Muttersprache
      © Sputnik / Nikolaj Jolkin
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    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Denis Slavetskiy mit seinem Sohn Artemiy (L)

    Für die Aktion „Tolles Diktat“ wurde ein Auszug aus dem Roman von Gusel Jachina „Wolgakinder“ über die Geschichte der Russlanddeutschen ausgewählt. Ihr Großvater war Deutschlehrer auf dem Lande. „Er hat mir die ersten deutschen Wörter und die ersten deutschen Gedichte auch beigebracht“, erinnert sich die Schriftstellerin. „Die Liebe zum Deutschen habe ich eigentlich von ihm geerbt. Ich bin selbst auch Deutschlehrerin der ersten Ausbildung nach und habe mein ganzes Leben lang mit deutschen Kollegen, mit Deutschland zu tun gehabt.“

    Als Jachina vor drei Jahren begann, den Roman über Russlanddeutsche zu schreiben, hatte sie große Bedenken, ob sie als Tatarin von der Nationalität her das überhaupt tun kann und darf.

    „Ich habe kein deutsches Blut in mir. Aber später, als ich mich in diese wunderbare Welt der wolgadeutschen Geschichte vertieft habe, habe ich plötzlich festgestellt: Diese Welt ist so gut wie vergessen. Ich wollte gerne, dass sie auch ans Licht gebracht wird. Das hat mich angespornt, den Roman zu schreiben.“

    Im großen Saal des Russisch-Deutschen Hauses in Moskau gab es viele junge Gesichter. Denis Slavetskiy kam mit seinem Sohn Artemiy, der im Goethe-Institut Deutsch lernt. Der stolze Vater versuche dies auch zu tun, aber der Sohn, sei viel fortgeschrittener. Das Diktat sei für Artemiy nicht so schwer gewesen, wie er dachte. Er sei überzeugt, dass er keine Fehler gemacht habe. „Meine Oma ist Russlanddeutsche. Das ist meine Kultur, meine Muttersprache!“

    „Hier herrscht eine tolle Atmosphäre“, Mischa Michailow ist begeistert. „Es machte mir eine große Freude, ein Diktat zu schreiben. Ich kam mit meinem Freund Grischa und seiner Schwester Olesja. Wir lernen Deutsch in der Schule. Uns gefällt es besser als Englisch. Deutsch ist logischer. Es kann man leichter verstehen. Und wenn man Deutsch versteht, kann man dann sprechen, lesen und schreiben.“

    Der komplette Bericht zum Nachhören:

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    Tags:
    Tolles Diktat, Russlanddeutsche