13:41 03 Juli 2020
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    Der Heilige Stuhl wird am Montag Geschichtsforschern den Zugang zu Archivdokumenten gewähren, die Aufschluss über das zwiespältige Pontifikat von Pius XII. (1939-1958) im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg geben können.

    Diese seine Entscheidung hatte Papst Franziskus vor einem Jahr anlässlich des 80. Jahrestages der Wahl von Eugenio Pacelli zum Papst Pius XII. bekanntgegeben. Der heutige Oberhirte der Katholischen Kirche erläuterte seinen Schritt damit, dass das Pontifikat von Pius XII. „auf einen der trübsten und dunkelsten Momente des 20. Jahrhunderts entfiel“, die mit dem Zweiten Weltkrieg verbunden waren.

    Widerspruchsvolles Pontifikat

    Pacellis Entscheidungen wurden wiederholt von namhaften Geschichtsforschern kritisiert. So hatte Pacelli noch als Staatssekretär des Vatikans zum Abschluss eines Konkordats mit Nazideutschland im Juli 1933 beigetragen. Ihm wurde auch vorgeworfen, nicht gewagt zu haben, den Nazismus direkt zu verurteilen und seine Beziehungen zu Hitler-Verbündeten abzubrechen.

    Besonders heftige Kritik galt seiner Zurückhaltung gegenüber den Nazi-Verbrechen gegen die Menschlichkeit und dem Völkermord an den Juden. Viele Historiker verwiesen in diesem Zusammenhang auf die tragischen Ereignisse vom Oktober 1943, als mehr als 1000 Juden aus Rom ins Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurden. Zugleich sind Fälle bekannt, bei denen katholische Geistliche Juden retteten und sie in Gotteshäusern und Klöstern verbargen.

    Als Papst Benedikt XVI. 2009 die Seligsprechung von Pius XII. fördern wollte, brach eine neue Welle massiver Kritik über den Heiligen Stuhl herein, darunter auch vonseiten internationaler jüdischer Organisationen. Im Ergebnis dessen teilte der deutsche Kirchenhistoriker Peter Gumpel im Juni 2009 mit, dass Benedikt XVI. keine Dokumente zur Seligsprechung Pacellis unterzeichnen werde.

    Judenfrage

    Wie der Archivar und Bibliothekar der Heiligen Römischen Kirche, Kardinal José Tolentino de Mendonça, vorige Woche im Vatikan sagte, seien das Drama der Judenfrage und die Shoa in den offenzulegenden Dokumenten sehr ausdrucksvoll dargestellt.

    Nicht von ungefähr werden jüdische Historiker, die schon Anfang Oktober offizielle Anträge auf die Untersuchung dieser Dokumente eingereicht hatten, als Erste zu den Vatikan-Archiven zugelassen.

    Papst Franziskus leitet Christmette in Vatikan, 24. Dezember 2019
    © REUTERS / GUGLIELMO MANGIAPANE

    Kirche hat keine Angst vor Geschichte

    Bei der Bekanntgabe seiner Entscheidung im März 2019 betonte Papst Franziskus: „Die Kirche hat keine Angst vor der Geschichte, im Gegenteil, sie liebt sie und möchte noch mehr und stärker lieben, so wie sie Gott liebt! Deshalb lege ich voll Vertrauen gegenüber meinen Vorgängern diesen dokumentarischen Nachlass vor und überantworte ihn den Forschern“, sagte der Pontifex.

    Laut Kardinal Tolentino de Mendonça würden die Kriegszeit und die schwere Nachkriegszeit, die durch die Konfrontation zwischen zwei Blöcken geprägt gewesen seien, für die Historiker von besonderem Interesse sein. Die Forschungs- und Analysearbeit beginne am 2. März und solle dauernd und kompliziert sein, so der Kardinal.

    Die Mitarbeiter des Apostolischen Archivs haben bereits zwei Bände von Dokumenten über die Wohltätigkeit Pacellis zum Druck vorbereitet. Laut dem Präfekten des Apostolischen Archivs des Vatikans, Bischof Sergio Pagano, waren beim Vatikan reichliche Spendengelder eingeflossen, darunter auch aus Amerika. Dank dieser Mittel habe der Vatikan sehr vielen Menschen geholfen. Der Pontifex selbst habe ein bescheidenes Privatleben geführt und sei in Armut gestorben, sagte Pagano.

    ls/mt

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    Tags:
    Papst Franziskus, Papst Benedikt XVI, Vatikan