13:46 07 Juli 2020
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    Ein Internet-Auftritt der Berliner Kältehilfe zeigt aktuell anscheinend fast nur noch Berichte, Warnungen, Statements und Kommentare zum mutierten Coronavirus Covid-19. Vernachlässigt die Kältehilfe aus Sorge vor der neuartigen Lungenkrankheit ihre eigentliche Arbeit, Obdachlosen im Winter auf der Straße zu helfen? Sputnik hakt nach.

    Manche Besucherinnen und Besucher der offiziellen Facebook-Seite der Berliner Kältehilfe wundern sich vielleicht schon seit Wochen. Wer die Internet-Seite klickt, erhält auf den ersten Blick kaum Berichte über Obdachlose, die in kalten Jahreszeiten von Mitarbeitern der Kältehilfe wie jetzt im Winter in Berlin gerettet werden. Die soziale Organisation ist seit Jahrzehnten auf diese Arbeit und Hilfeleistungen für obdachlose und wohnungslose Menschen auf der Straße spezialisiert.

    „Wir warnen seit Wochen vor Covid-19 – und haben Recht behalten“

    Stattdessen können derzeit vor dem Hintergrund der Covid-19-Welle (Coronavirus) in Deutschland viele solcher Schlagzeilen oder geteilten Text-Beiträge auf der Facebook-Seite der Kältehilfe gefunden werden:

    „Update: +++ 5 Corona-Infizierte im übrigen Berlin: Schöneberg, Tempelhof, Neukölln +++“. Oder: „Wir wiederholen es noch mal! Wir sind uns sicher, Berlin wird abgeriegelt!“. Oder auch: „+++Breaking+++ #coronavirus: 14 Prozent der wieder geheilten Infizierten in China haben die Krankheit erneut bekommen. Das, was wir vor Wochen schon gesagt hatten, stimmt: Dass man nicht immun ist, nachdem man den Virus bekommen hat!“ Sowie: „Seit Wochen ist bekannt, dass das #coronavirus eine Inkubationszeit von bis zu 24 Tagen hat! Eventuell sogar länger. Wieso wird dann immer von 14 Tagen geredet? Wie inkompetent und unflexibel ist das denn bitte!?“ Und: „Unsere Spezialisten mal wieder in der Stadt mit den meisten Obdachlosen in Europa! Wir hatten schon vor Wochen darauf hingewiesen, dass die Krankenhäuser nicht vorbereitet sind und dass man als Infizierter nach Hause gehen soll!“

    „Berlins Kältehilfe hat ihre Arbeit nicht eingestellt“ – Sozialsenatorin

    Sputnik wollte mehr erfahren und erhielt die Möglichkeit, Berlins Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach (Die Linke), zur aktuellen Situation bei der Berliner Kältehilfe zu befragen. Im Interview auf einer Veranstaltung im Berliner „Haus der Demokratie und Menschenrechte“, auf der es Ende Februar um Maßnahmen der Stadt Berlin gegen Obdachlosigkeit ging, stellte die Politikerin einige Dinge klar:

    „Nein, die Berliner Kältehilfe hat ihre Arbeit nicht eingestellt“, erklärte Berlins Sozialsenatorin Breitenbach gegenüber Sputnik. Dennoch gebe es aufgrund von Covid-19 momentan viel „Unsicherheit in dieser Einrichtung, übrigens in allen Einrichtungen. Wir haben in Berlin Flüchtlingsunterkünfte, Obdachlosenunterkünfte, Frauenhäuser, Seniorenheime. Überall dort, wo viele Menschen leben, gibt es jetzt diese Unsicherheit. Was macht man eigentlich? Wie schützt man sich eigentlich?“ Sie konnte beruhigen. „Es gibt feste Wege und Protokolle, falls Sie eine ansteckende Krankheit haben. Dann wird das Gesundheitsamt informiert, das Amt schickt Mediziner. Dann wird entschieden: Wird es Quarantäne geben oder nicht? Das entscheiden zum Glück Ärztinnen und Ärzte.“

    Stadt Berlin: „Gut vorbereitet auf Corona-Welle“

    Sie nannte als weiteres Beispiel für Ansteckungserkrankungen die Krankheit Mumps - das sei auch in Berliner Unterkünften für Flüchtlinge vorgekommen. Aber gegen diese Krankheit konnte das Gesundheitssystem der Hauptstadt ebenso professionell und zuverlässig vorgehen, „wie auch jetzt“ beim aktuellen Virus.

    „Bei der Kältehilfe und auch in anderen sozialen Einrichtungen der Stadt hat niemand die Arbeit eingestellt“, fasste die Senatorin zusammen. „Im Gegenteil: Alle Menschen, die jetzt beispielsweise über Italien nach Berlin kommen, werden im Ankunftszentrum (auf das Coronavirus, Anm. d. Red.) getestet.“ Die sozialen Einrichtungen in Berlin, die Obdachlosen zur Seite stehen, würden weiterhin eine sehr gute Arbeit machen, betonte Breitenbach.

    Berliner Kältehilfe: Kältebusse, Suppenküchen, Notübernachtungen

    Ende Januar hatte die Stadt Berlin obdachlose und wohnungslose Menschen auf der Straße und in städtischen Einrichtungen gezählt. „Knapp 950 Menschen hielten sich demnach (in dieser Nacht, Anm. d. Red.) in den Einrichtungen der Berliner Kältehilfe auf“, berichtete der „RBB“ Anfang Februar.

    Folgende Hilfeleistungen für obdachlose und wohnungslose Menschen in der Hauptstadt bietet die Kältehilfe in Berlin an: Beratungsstellen und Notübernachtungen, Nachtcafés, Suppenküchen, Kältebusse und andere Kältehilfeprogramme, um zu verhindern, dass Menschen ohne Unterkunft in Berlin erfrieren.

    Die Kältehilfe besteht seit 1989 und wird vom Berliner Senat, dem Land Berlin, den Bezirksämtern der Hauptstadt, von kirchlichen Trägern wie der Diakonie sowie durch Wohlfahrtsverbände verwaltet und finanziert.

    Auf der Homepage der Berliner Kältehilfe gibt es mehr Informationen zu Maßnahmen, mit denen die Einrichtung Obdachlosen in der kalten Jahreszeit hilft. Der Wärmebus ist täglich ab 18 Uhr telefonisch erreichbar unter folgender Nummer: 030 – 600 300 1010. Täglich kann ab 21 Uhr der Kältebus unter der Telefonnummer 0178 – 523 5838 gerufen werden. Dies ist dringend geboten, sollte das Erfrieren von obdachlosen Menschen drohen. „Im Notfall wählen Sie: 110 (Polizei) oder 112 (Feuerwehr bzw. Rettungsdienst)“, heißt es auf der Website der Kältehilfe.

    Das komplette Radio-Interview mit Elke Breitenbach (Die Linke) zum Nachhören:

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    Tags:
    Coronavirus, Berlin