10:17 14 Juli 2020
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    Aus Sicht des Chef-Virologen der Berliner Charité, Christian Drosten, könnten in Deutschland langfristig 278.000 Menschen an dem Coronavirus sterben. Diese Schock-Zahlen prognostiziert er in einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung”.

    Das neuartige Virus werde sich erst dann nicht weiter verbreiten, wenn zwei von drei Menschen zumindest vorübergehend immun seien, weil sie die Infektion schon hinter sich hätten, argumentiert der Virologe.

    „Bei einer Gesamtbevölkerung von 83 Millionen wären zwei Drittel fast 56 Millionen Menschen, die sich infizieren müssten, um die Ausbreitung zu stoppen. Bei einer Mortalität von 0,5 Prozent wäre in dem Fall mit 278.000 Corona-Todesopfern zu rechnen“, so Drosten.

    Eine derartige Berechnung macht ihm zufolge aber „wenig Sinn“ wegen der fehlenden Zeitkomponente. Bei langsamer Verbreitung würden Corona-Opfer in der normalen Todesrate verschwinden. In Deutschland würden jedes Jahr 850.000 Menschen sterben. Das Altersprofil sei ähnlich wie bei den Todesfällen durch das neue Virus.

    Mit einem Impfstoff, der für alle verfügbar wäre, rechnet der Virologe „nicht vor Sommer nächsten Jahres”.

    Corona-Eindämmung durch Verbot von Großveranstaltungen

    Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern sollten zur Eindämmung des Coronavirus verboten werden, meint Drosten.

    „Die Schweizer sagen alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen ab. Eine solche bindende Obergrenze wäre auch für Deutschland extrem hilfreich.“

    Stadien mit Zehntausenden von Fans - gerade in Gegenden wie dem vom Coronavirus jetzt stark betroffenen Rheinland  - müssten „aus medizinischer Sicht gestoppt werden“, fordert der Forscher.

    Bundesweite Schulschließungen sieht er dennoch als noch nicht zeitgemäß. Es gehe um eine Maßnahme, die man der Gesellschaft nur einmal zumuten könne. Diese Karte sollte aufbewahrt werden, „damit wir sie im Herbst ziehen können, oder im Juni, wenn uns das Virus keine ‚Sommerpause‘ beschert”.

    Inzwischen fast 800 Corona-Infektionen in Deutschland

    Am Samstag zählte das Robert-Koch-Institut bundesweit 795 Menschen, die sich mit Sars-CoV-2 infiziert hätten. Das sind mehr als zehn Mal so viele Fälle wie noch eine Woche zuvor. Angesichts drohender finanzieller Belastungen für die Wirtschaft wollen die Spitzen der Koalition am Sonntagabend im Bundeskanzleramt über unterstützende Maßnahmen beraten.

    Die weitaus meisten Fälle bundesweit verzeichnet nach RKI-Angaben mit 373 weiterhin Nordrhein-Westfalen vor Baden-Württemberg (170) und Bayern (134). Außer Sachsen-Anhalt sind mittlerweile alle Bundesländer betroffen. Unter den Schülern, die aus dem besonders vom neuartigen Coronavirus betroffenen Südtirol nach Halle zurückgekehrt sind, gab es zunächst keine bestätigte Infektion. Alle Tests waren nach Angaben der Stadt von Samstag negativ.

    jeg/mt/dpa

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    Prognose, Todesopfer, Deutschland, Coronavirus