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    DDR 1990 – Erste freie Wahl zur Volkskammer und mit Eiltempo zur deutschen Einheit (26)
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    Vor 30 Jahren wurde die Treuhandanstalt gegründet. Eine Ausstellung lässt deren Historie durch ostdeutsche Lebenschroniken lebendig werden. Die individuellen Geschichten machen deutlich: Der ökonomische Kahlschlag auf dem Gebiet der ehemaligen DDR war für viele ein Schock - das Agieren der Treuhandanstalt empfanden viele als einen Schicksalsschlag.

    Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat eine Ausstellung auf eine Reise durch die Bundesrepublik geschickt. Sie heißt „Schicksal Treuhand — Treuhand Schicksale“.

    Die Treuhandanstalt und ihr Auftrag

    Anfang der 1990er Jahre sollte die Treuhandanstalt 9.000 volkseigene Betriebe der DDR mit insgesamt 4,1 Millionen Arbeitsplätzen innerhalb kürzester Zeit „markttauglich“ machen. Da ging es um Liquidierungen, aber auch um Privatisierungen, im Zuge derer Millionen Menschen zunächst arbeitslos wurden. Bei den Massenentlassungen durch die Treuhandanstalt ging es nicht um individuelle Lebensleistungen, so die Ausstellungsmacher. Emanzipationserfahrungen der Jahre 1989/90, berufliche Qualifikationen und Kenntnisse aus 40 Jahren DDR fanden keinerlei Berücksichtigung. Das sei vor allem für jene schmerzhaft gewesen, die die DDR mit aufgebaut hätten, deren Lebens- und Familiengeschichte auf vielfältige Art und Weise mit der Berufstätigkeit und dem Arbeitskollektiv verknüpft war.

    „Schicksalsmacht“ Treuhand in Individualgeschichten

    Wie erging es den Menschen? Wie gingen sie mit dieser „Schocktherapie“ um? Wie verarbeiteten sie die biografischen Brüche? Die Abwicklungen hätten seinerzeit schon viele als ungerecht und demütigend empfunden. Einige verließen ihre Heimat und versuchten in den alten Bundesländern einen Neuanfang. Wer Glück hatte, fand vor Ort einen neuen Arbeitsplatz. Weniger begünstigte blicken heute auf eine „gebrochene Erwerbsbiografie“ zurück, in der sich Beschäftigungszeiten mit Zeiten der Erwerbslosigkeit, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM), Ein-Euro-Jobs oder auch mit dem Versuch der Selbstständigkeit abwechselten.

    Die Ausstellung gibt einen Einblick in die Vielzahl der Lebenswege. Die 13 ausgewählten Branchen und Betriebe stehen exemplarisch für die ostdeutsche Wirtschaft. Die meisten ostdeutschen Familien waren vom Wirken der Treuhandpolitik betroffen. Sie erlebten die Treuhandanstalt als Schicksalsmacht.

    Politische Aufarbeitung

    Bis heute sind die politischen Entscheidungen von damals und das dadurch bedingte Agieren der Treuhand spürbar: Es besteht eine wirtschaftliche und soziale Kluft zwischen Ost- und Westdeutschland. Das Versprechen der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse sei nicht erfüllt, so das Vorwort des flankierend zur Ausstellung erschienen Buches: Die Wirtschaftsstruktur im Osten ist eher kleinteilig, es fehlen große Industriebetriebe. Bei Einkommen und Vermögen hinkt der Osten dem Westen hinterher. Ostdeutsche sind auch heute noch in Führungspositionen unterrepräsentiert. Die Politik der Treuhand und ihrer Nachfolgeorganisationen könne zwar nicht mehr rückgängig gemacht werden, es sei aber wichtig, Zeitzeugen zu hören und die Geschichte der Treuhand und die Ergebnisse ihres Wirkens in Ostdeutschland politisch aufzuarbeiten.

    Die Ausstellung ist in Braunschweig noch bis zum 12.März, in Rostock bis zum 13.März, in Wismar vom 16.März bis zum 3.April und in Cottbus vom 20.März bis 25.März zu sehen. Vorbehaltlich zur Corona-Eindämmung getroffener Maßnahmen.

    Zum Nachlesen: „Schicksal Treuhand — Treuhand Schicksale“ - Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung von Alrun Kaune-Nüßlein und Albert Scharenberg, erschien im November 2019.

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    Tags:
    DDR, Treuhand