09:36 09 April 2020
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    Coronavirus-Ausbruch: Aktuelle Entwicklungen zur neuartigen Lungenkrankheit (198)
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    Aktuell macht eine Meldung über soziale Medien die Runde, Ibuprofen und weitere entzündungshemmenden Medikamente könnten eine Corona-Infektion verschlimmern. Befeuert wurde diese Behauptung durch den französischen Gesundheitsminister. Doch was ist dran an dieser Warnung? Und welche Alternativen gibt es?

    Weiterhin gibt es noch keinen Impfstoff gegen eine Corona-Infektion. Aus diesem Grund werden vor allem die Symptome bei tatsächlich Erkrankten behandelt. Dazu greifen nicht Wenige auf Schmerzmittel zurück, wie die allseits beliebten Ibuprofen-Tabletten. Seit einigen Tagen macht nun eine Meldung die Runde, dass genau diese Behandlung die Folgen einer Infektion sogar noch verschlimmern könnte.

    Eine Nachricht macht die Runde …

    Das Gerücht hat ihren Ursprung in einer WhatsApp-Sprachnachricht, die sich schnell verbreitete. Dort ist zu hören, dass die Mutter einer Bekannten für das Uniklinikum Wien arbeite und dort eine Untersuchung der Krankheitsverläufe in Italien einen Zusammenhang erkannt haben soll, dass Corona-Patienten mit besonders schweren Symptomen zuvor Ibuprofen eingenommen haben. Die angebliche Schlussfolgerung der Wiener Ärzte: Ibuprofen mache den Verlauf der Erkrankung schlimmer und fördere die Vermehrung der Viren. Veröffentlichen wolle das Klinikum die Ergebnisse laut Sprachnachricht aber nicht, da es einen aussichtlosen Kampf mit der Pharma-Industrie fürchte.

    Uniklinik bestreitet Meldung ...

    Die Medizinische Fakultät der Uniklinik Wien reagierte nun umgehend auf die Behauptungen. Auf Twitter stellte ein Sprecher klar, dass es sich ganz klar um eine Falschnachricht handele:

    „Achtung, bei den derzeit kursierenden WhatsApp-Text- und Sprachnachrichten rund um angebliche Forschungsergebnisse der ‚Wiener Uniklinik‘ zu einem Zusammenhang zwischen Ibuprofen und Covid19 handelt es sich um #FakeNews, die in keinerlei Verbindung mit der #MedUniWien stehen.“

    Das Bundesgesundheitsministerium verteilte die Entwarnung der Wiener Mediziner ebenfalls, auch hier heißt es, die Ibuprofen-Meldung sei eine Falschnachricht.

    Wer hat Recht?

    Die Amtskollegen aus Frankreich scheinen dies aber anders zu sehen. Zumindest erklärte der französische Gesundheitsminister Loivier Véran ebenfalls auf Twitter, die Einnahme von Ibuprofen zu vermeiden:

    „Die Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten - Ibuprofen, Cortison usw. - könnte als Faktor für eine Verschlimmerung der Infektion dienen. Bei Fieber nehmt Paracetamol ein.“

    Jenen, die bereits entzündungshemmende Medikamente einnehmen oder Zweifel haben, rät der Minister, sich beim Arzt zu erkundigen. Der nationale Gesundheitsdirektor Frankreichs, Jérôme Salomon, äußerte sich ähnlich und riet von der Einnahme sogenannter „nichtsteroidaler Antirheumatika“ab. Zu dieser Wirkstoffgruppe zählen neben Ibuprofen auch Aspirin und Diclofenac.

    ​Bei deutschen Experten gibt es zumindest eine Tendenz, was die Glaubwürdigkeit der Meldung angeht. Der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg erklärte gegenüber Medienvertretern:

    „Es handelt sich eindeutig um eine Falschmeldung. Es gibt bisher keine Beweise dafür, dass Ibuprofen das Coronavirus begünstigt oder sogar gefährlicher macht.“

    Allerdings könne er sich durchaus vorstellen, dass insbesondere Aspirin, aber auch Ibuprofen, bei der Lungenerkrankung Covid-19 nicht hilfreich sein könnten. Ibuprofen hemme die Blutgerinnung, so der Virologe. Damit steige auch das Risiko für innere Blutungen. Dennoch sei ein Zusammenhang zwischen der Einnahme dieser Mittel und schweren Verläufen bei Corona nach seinem Wissen bislang nicht gesichert. Ähnlich äußerte sich der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité im „NDR“: Zwar sei das Virus neu, aber andere Coronaviren kenne man schon länger. Und auch bei diesen gebe es keinen Hinweis darauf, dass Ibuprofen-Einnahme zu einer Verschlechterung führen würde.“

    Die Überprüfung läuft …

    Derzeit laufen weitere medizinische Überprüfungen, so auch im Nachbarland Schweiz. Das dortige Bundesamt für Gesundheit betonte auf Nachfrage, es gebe derzeit keine eindeutigen Hinweise darauf, dass diese Art von Medikamenten den Krankheitsverlauf verschlimmern können. In Einzelfällen sei beobachtet worden, dass sie zu einem schwereren Krankheitsverlauf führten, bewiesen sei dies aber nicht. Mediziner raten, die Behandlung von Fieber mit Ibuprofen oder Aspirin sei grundsätzlich nicht notwendig. Personen, die unabhängig von Corona unter einer Langzeitbehandlung mit Medikamenten auf Basis von Ibuprofen stehen, sollten die Behandlung nicht abbrechen und sich bei Husten und Fieber an ihren Arzt wenden.

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    Schmerzmittel, Impfung, Coronavirus