12:04 03 Juni 2020
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    Coronavirus-Ausbruch: Aktuelle Entwicklungen zur neuartigen Lungenkrankheit (198)
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    Der grassierenden Corona-Pandemie verdanken derzeit Nachrichtensendungen und Talkshows in den Öffentlich-Rechtlichen Zuschauerrekorde. Ein prominentes Gesicht der Berichterstattung zu Covid-19 ist der Virologe Christian Drosten. Doch der Wissenschaftler erntet auch Kritik.

    Kein anderes Thema bewegt dieser Tage die Gemüter so sehr wie das neuartige Coronavirus. Täglich werden neue Erkrankungen und Todesfälle aus der ganzen Welt gemeldet, Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie verkündet und Veranstaltungen abgesagt. Statt des gewohnten Arbeitsalltags machen viele Beschäftigte inzwischen Homeoffice, Eltern betreuen ihre Kinder zuhause, Sozialkontakte werden vermieden und nach draußen gehen manche wohl nur noch, um Hamsterkäufe zu tätigen.

    Unterm Strich bedeutet das viel Zeit, die man allein oder mit der Familie in den eigenen vier Wänden verbringt. Viel Zeit auch, um sich Sorgen vor der Lungenkrankheit zu machen. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass Nachrichtensendungen und Talkshows zum Thema Covid-19 gerade rekordverdächtige Einschaltquoten verzeichnen. So sahen am Sonntagabend 9,89 Millionen Menschen die 20-Uhr-Ausgabe der „Tagesschau“ in der ARD. Das ist der zweitbeste Wert aller Sendungen des deutschen Fernsehens im Jahr 2020. Auch das Talkshow-Format „Anne Will“ konnte sich über hohe Zuschauerzahlen freuen: Mit 6,09 Millionen Zuschauern war das der beste Wert seit dem 24. September 2017, also seit der Sendung zur letzten Bundestagswahl. Auch das ZDF, die dritten Programme, RTL und Sat1 konnten vor allem mit Nachrichtensendungen punkten.

    Kritik an Deutschlands Top-Virologen Drosten

    Ein besonders prominentes Gesicht ist im Zuge der Corona-Krise der Virologe der Berliner Charité  Christian Drosten geworden. In seinem täglichen Podcast im NDR äußert sich der Mitentdecker des SARS-Virus und Entwickler des Corona-Tests zur Entwicklung der Pandemie und propagiert die Idee von der Abflachung der Kurve, also von Maßnahmen, mit denen man die Ausbreitung der Infektion verlangsamen kann.

    Doch Drosten, auf dessen Aussagen sich selbst die Bundesregierung stützt, erntet nicht nur Zustimmung. In einem Gastkommentar bei dem Magazin „Telepolis“ kritisiert der Physiker, Jurist und Sachbuchautor Alexander Unzicker den Top-Virologen Deutschlands dafür, dass er unbedacht Zahlen ins Spiel bringt, die der Überprüfung so nicht standhalten.

    „Natürlich ist Drosten nicht der einzig Verantwortliche, aber er war es, der in einer Talkshow die Idee in die Welt gesetzt hat, man könne 70 Prozent der Bevölkerung sich infizieren lassen. Es ist bezeichnend für unsere Mediendemokratie, dass eine unbedacht dahingesagte Zahlenspielerei in einer Talkshow offizielle Leitlinie der Bundesregierung geworden ist, und allenthalben nachgeplappert wird, auch von der AfD. Dabei genügt ein Mausklick, um zu sehen, dass es Ländern wie China, Südkorea, Taiwan und Singapur gelungen ist, nach erheblichen Ausbrüchen die Infektionsrate im Promillebereich (!) einzudämmen, auch Russland handelt vernünftig. Dazu bemerkt frontal21 lapidar, die Seuche sei in China 'zum Stillstand gekommen'. Etwa von alleine? Es ist beispiellose Ignoranz, dass Deutschland sich nicht daran orientiert, welche Maßnahmen in diesen Ländern getroffen wurden und sich von dortigen Experten beraten lässt“, schreibt Unzicker. 

    Mit seinen Einschätzungen sei Drosten oft spät dran, habe Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, wie Schulschließungen, vor kurzem noch für unnötig erachtet. Andere Experten, wie Prof. Kekule, erklärten, Deutschland befinde sich im Testrückstand, Drosten beharre aber weiterhin darauf, man habe hierzulande den Ausbruch der Krankheit aufgrund der breiten Diagnosekapazität sehr früh bemerkt.

    „In der allabendlichen halbstündigen Seelenberuhigung gibt es keinen einzelnen nützlichen Ratschlag, etwa: Wie beschaffe ich mir eine Maske, um den dominierenden Infektionsweg einzudämmen? Was sollte ich im öffentlichen Raum noch anfassen? Welches Thema Drosten auch immer anfasst, relativieren, herunterspielen“, so Unzicker.

    Wenn man Drosten genau zuhöre, dann stelle man fest, dass er zwischendurch auch einräume, dass er die genauen Zahlen nicht kenne oder dass es Leute gebe, die von der Ausbreitung der Krankheit mehr verstünden als er. Dennoch oder gerade deswegen kommt der Autor zum Schluss: „Wir dürfen diesem Unsinn nicht länger zuhören.“

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