22:14 06 Juni 2020
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    Corona-Pandemie breitet sich weiter aus – alle Entwicklungen (521)
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    Die Wissenschaftler können die meisten Fragen zum neuartigen Coronavirus immer noch nicht beantworten, auch warum z. B. die Sterberate in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern noch relativ niedrig ist. Es heißt, der Zusammenhang sei noch nicht erforscht worden. Allerdings sind da schon einige Anhaltspunkte zu verzeichnen.

    Zum heutigen Freitagabend ist die Zahl der Corona-Infizierten auf 256.186 Menschen weltweit gestiegen. Mit 15.320 Fällen gehört Deutschland dabei zu den Top 5 - nach China, Italien, dem Iran und Spanien. Etwa 3.405 Menschen sind bisher in Italien gestorben - etwa acht Prozent der Erkrankten, auch Frankreich meldet Tote, und zwar 372 unter insgesamt 10.995 Infizierten (mehr als drei Prozent). Relativ hoch sind die Sterberaten in den USA, Großbritannien und sogar in Südkorea. In Deutschland dagegen liegt ist die Sterberate „nur“ - bei 44 Menschen. Wie lässt sich das erklären?

    Die Experten wissen es nicht, antwortete kürzlich die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der WHO-Arzt Richard Pebody, in Europa für das Management ansteckender Krankheiten zuständig, sagte am Dienstag auf einer Pressekonferenz, es könne etwa daran liegen, dass die einzelnen Staaten der Erde die Fälle mehr oder weniger genau zählen oder tatsächlich an der Qualität der Behandlung. Man müsse natürlich noch untersuchen, ob diese Unterschiede real seien, sagte Pebody dazu.

    Die genaue Zahl der Erkrankten in Deutschland ist allerdings nicht bekannt. Das Robert Koch-Institut (RKI) geht von einer vier- bis elfmal höheren Zahl aus, als die offizielle. Klar ist allerdings: je mehr Tests, desto mehr Exaktheit und die Chance, die Krankheit in ihrer milderen Anfangsphase zu entdecken.

    Je mehr Massentests...

    Bundesweit liegen die Testkapazitäten laut dem Chef des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, bei etwa 160.000 pro Woche, also ca. 1,9 pro 1000 Einwohner. In der vergangenen Woche wurden laut der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) allein im ambulanten Bereich mehr als 100.000 Corona-Tests durchgeführt - kritisiert wird, dass es doch zu wenige sind. In Italien sind dabei laut dem Gesundheitsministerium seit dem Ausbruch der Epidemie zum 18. März insgesamt nur 165.000 Tests durchgeführt worden. Südkorea ist dagegen ein gutes Beispiel: bei einer Bevölkerungszahl von etwa 52 Millionen gehen die örtlichen Ärzte davon aus, dass gerade die bereits durchgeführten Hunderttausenden Tests es ermöglicht hätten, die Verbreitung von Covid-19 so rasch einzudämmen: Die südkoreanische Sterberate liegt heute bei lediglich einem Prozent. Dabei hat das Land nicht einmal eine Ausgangssperre eingeführt. Man sei eine offene Gesellschaft und setze für die Bewegungsfreiheit der Menschen gerade auf die Massentests, so der südkoreanische Gesundheitsminister Park Neung-Hu.

    In Deutschland jüngere Menschen infiziert

    Mehrmals haben die Ärzte betont, dass es vor allem die älteren Menschen seien, die das Coronavirus schwer ertragen würden und dadurch in erster Linie gefährdet seien. Im Ursprungsland des Virus, China, wo die Sterberate bei über vier Prozent liegt, liegt das mittlere Alter unter den Erkrankten bei 51 Jahren und rund 78 Prozente der Fälle sind zwischen 30 und 69 Jahren alt. In Italien waren überdurchschnittlich viele ältere Menschen registriert, wobei das durchschnittliche Alter der Erkrankten bei 65 Jahren lag. Und in Deutschland? In Deutschland sind dem RKI zufolge bisher die Erkrankten mit durchschnittlich 47 Jahren registriert worden. Das mittlere Alter der deutschen Todesfälle lag dabei nach den älteren RKI-Daten bei 80 Jahren. 

    Diverse Qualität der medizinischen Versorgung

    Mit Stolz versicherte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor etwa neun Tagen den Deutschen, dass man mit seiner im europäischen Vergleich hohen Dichte z. B. von Intensivbetten gut auf das Coronavirus vorbereitet sei und über „ein vergleichsweise gut bis sehr gut ausgestattetes Gesundheitssystem“ verfüge. 28.000 Intensivbetten und 25.000 Beatmungsgeräte würden den Deutschen dabei zur Verfügung stehen. Parallel zeigten die neuesten Umfragen von NDR und WDR unter Unikliniken, dass diese Intensivplätze bereits teils stark belegt seien.

    Italien, obwohl das Land laut Eurostat überdurchschnittlich viel in die Gesundheit investiert, ist dagegen gerade in der Frage Intensivmedizin schlecht aufgestellt. Man hat nur 5100 Betten auf Intensivstationen - fünfmal weniger als in Deutschland - eine Folge des allmählichen Abbaus der Ausstattung bzw. des Personals in den vergangene Jahren, wie die Gewerkschaft CGIL bemängelte. In Deutschland warb 2019 vor allem die Bertelsmann Stiftung für den Abbau der Krankenhäuser - deren vermeintlichen Optimierung zugunsten. So weit ist es aber nicht gekommen.

    Deutschland mit Italien erst in zwei Wochen zu vergleichen?

    Im Moment steigt die Zahl der Infizierten in Deutschland seit Mittwoch schneller an als in Italien zum Vergleichszeitraum. Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, will die Bundeskanzlerin samt den Landeschefs am Wochenende der Berichterstattung zufolge über eine mögliche Ausgangssperre diskutieren.

    Vor einigen Tagen hatte die Bundesregierung allerdings dem Lübecker Familienunternehmen Dräger einen Riesenauftrag erteilt: 10.000 zusätzliche Beatmungsgeräte fürs ganze Land – in kürzester Zeit. Zu diesem Aspekt sagte der prominente russische Oberarzt des Moskauer Krankenhauses mit den meisten Corona-Fällen, Denis Prozenko, in einem Interview, dass „derartige Investitionen nun nicht umsonst geleistet werden“. Ob das deutsche Epidemie-Szenario vom italienischen tatsächlich „isoliert“ sei, werde man wohl erst in zwei Wochen sagen können, so Prozenko. Auch in Russland könne im Sinne der klassischen Epidemiologe von keinem eigenen Weg die Rede sein, sondern die vermeintliche Eindämmung der Krise sei erst „den zeitgerechten drakonischen Maßnahmen“ der Behörden bzw. sehr guten epidemiologischen Untersuchungen zu verdanken und nicht etwa einer besonderen Standhaftigkeit der Bevölkerung.

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