08:09 10 August 2020
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    Corona-Pandemie breitet sich weiter aus – alle Entwicklungen (529)
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    Russlands Oligarchen errichten kleine Kliniken in ihren eigenen vier Wänden. Bei Corona-Infektion sollen sie so besser versorgt sein, als der Rest der Bevölkerung. Laut einem Medienbericht kaufen reiche Russen medizinisches Equipment auf und horten Beatmungsgeräte. Die sind bei schweren Krankheitsfällen unerlässlich. Ein Engpass drohe.

    Jüngst sorgte ein Video der Töchter von Immobilien-Magnat Alexander Tschiriginskij für Unmut, als die beiden bei ihrer Rückkehr aus dem Skiurlaub im französischen Courchevel in Russland ankamen: Die Frauen, so der Bericht des „Kurier“, kamen nicht nur von einem Treffpunkt der Haute volee, sondern einem der Skiorte, der als Coronavirus-Hotspot gilt. Am Moskauer Flughafen Wnukowo wurden sie von Männern in Schutzanzügen empfangen: Zum Corona-Schnelltest. Privat, nicht auf staatliche Anweisung.

    Corona-Tests sollen dabei Mangelware sein. Und Beatmungsgeräte auch.

    Reiche Russen hamstern - Bericht

    Bei sogenannten Respiratoren könne es schwerwiegende Folgen im Kampf gegen das Corona-Virus haben, so die „Moscow Times“, wenn die Reichen Russlands den Markt für medizinische Ausrüstung und insbesondere Beatmungsgeräte leer kaufen. Basierend auf „Dutzenden Interviews“, will die Zeitung Beweise dafür gefunden haben, dass die Superreichen sich die Erhaltung ihrer Gesundheit etwas kosten lassen.

    An sich ist das weder ungewöhnlich, noch per se verwerflich. Wenn allerdings die Gefahr besteht, dass wegen des durch das Hamstern womöglich verursachten Mangels weite Bevölkerungsgruppen das Nachsehen haben, mag es ein wenig anders aussehen.

    „Wir konnten bisher ein Gerät bekommen“, so ein Mitglied einer schwerreichen Familie, und „wir versuchen, zwei weitere zu bekommen". Doch es gäbe derzeit eine Warteliste von acht Monaten. Anonymität sei Voraussetzung für die Interviews gewesen, auf dass offen zu diesem Thema gesprochen werden könne, heißt es. Die Familie sei eine der begütertsten in ganz Russland, mit einem Milliarden-Vermögen und Wohnsitzen in Südfrankreich und London. Die Familie plane, die „Corona-Krise“ mit eigener medizinischer Ausrüstung zurückgezogen in ihrem Haus an der Rubljowka in einem Nobelvorort von Moskau auszusitzen. In Russland zahle derzeit man rund 1,8 Millionen Rubel (rund 21.000 Euro) für ein Beatmungsgerät, so der Bericht. 

    Russland soll bis zu 43.000 Geräte haben, so der Bericht unter Berufung auf die „Headway Group“. Das wären 29 Respiratoren auf 100.000 Einwohner. Italien habe acht Beatmungsgeräte auf 100.000 Personen.
    Ein Viertel der wichtigen Geräte konzentriere sich allerdings auf die Metropolen Moskau und St. Petersburg: „In manchen Regionen kommen nur sechs Geräte auf 100.000 Einwohner, und die sind alt und von schlechter Qualität“, wird Pawel Brand, Direktor der „Semejnaja-Klinika“ in Moskau zitiert.

    Der Staat plane, neue Geräte zu kaufen, heißt es weiter im Bericht. Der Kreml habe den Regionen bereits Geld zugewiesen, um mehr Beatmungsgeräte zu kaufen. Die sibirische Region Tomsk soll etwa 8 Millionen Rubel erhalten haben - genug für vier Beatmungsgeräte erster Güte. 

    Das russische Gesundheitsministeriums betonte am Sonntag in einer Mitteilung zur Versorgung mit Beatmungsgeräten, die staatlichen medizinischen Institutionen seien vollständig mit Geräten für die mechanische Beatmung ausgestattet.

    Umsatz und Leerverkäufe

    Händler hätten aber angeblich keine Respiratoren mehr, so der Bericht. Das wiederum läge laut den Recherchen der Zeitung an den Privatkäufen. Und neue Lieferungen würden erst Ende April wieder erwartet. 

    „Wir haben bereits alles in unserem Lager verkauft", so Artjom Siwatschjow, Vertriebsleiter der in Moskau ansässigen Firma „MediKo“ und Dinara Jenokajewa von „Oxy2.ru“: „Es gab so viele Anrufe, dass wir keine Bestellungen mehr entgegennehmen.“ Siwatschjow habe in den letzten zwei Wochen unzählige Anrufe von Privatpersonen entgegengenommen, stellte jedoch klar, dass es gegen die Unternehmensrichtlinien verstoße, an diese zu verkaufen

    Die Mehrheit der Verkäufer, so der Bericht, gab jedoch an, an private Käufer zu verkaufen - und dass diese Kunden in den letzten zwei Wochen etwa 30% ihres Gesamtumsatzes ausgemacht hätten.

    Der Bericht zitiert drei wohlhabende Personen auf der Suche nach Beatmungsgeräten, die allesamt um Anonymität baten: "Viele meiner Freunde versuchen, sie zu bekommen", sagte einer. "Sobald ein Gerät verfügbar ist, kaufen sie es.“

    „Ethische Grundsätze“ und der korrekte Einsatz der Geräte

    Russische Mediziner verurteilten nun die Privatkäufe öffentlich: Die Hamsterkäufe würden die Krise massiv verstärken, heißt es. Zudem würden die angekauften Beatmungsgeräte den Käufern auch nichts bringen, da man einen Spezialisten brauche, um das Gerät auch richtig einzusetzen.

    Einer von den wohlhabenden Gesprächspartnern hatte bestätigt, er habe auch einen Privat-Arzt zur Verfügung, der ihm mit dem Gerät helfe.

    „Gott sei Dank haben die meisten Ärzte genug ethische Grundsätze, um nicht einem Reichen zu Hause zu helfen, während Tausende Hilfe benötigen“, so der Kardiologe Jaroslaw Aschikmin im Bericht.

    Der Ankauf von Geräten zur künstlichen Beatmung für den persönlichen Gebrauch sei nicht sinnvoll, so der Pressedienst des russischen Gesundheitsministeriums, da nur ein qualifizierter Arzt in einem Krankenhaus die Notwendigkeit einer künstlichen Beatmung bei Lungenentzündung feststellen könne: 

    „Zusätzlich zur Beatmung ist der Einsatz weiterer medizinischer Technologien zur Behandlung schwerer Lungenentzündungen erforderlich, die ausschließlich auf Intensivstationen eingesetzt werden“, heißt es in der Verlautbarung des Ministeriums.

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