07:25 09 April 2020
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    In Windeseile hat die Bundesregierung Milliardenhilfen für Unternehmen, die von Folgen der Corona-Epidemie betroffen sind, durchgesetzt. Trotzdem kommt bei vielen Restaurants, Café und Clubs das Geld zu spät, und ob es reichen wird, ist auch nicht klar. Die Initiative „helfen.berlin“ will in der Hauptstadt deswegen in die Bresche springen.

    156 Milliarden neue Schulden lässt sich der Bundestag die Corona-Krise kosten. Sogar die Schuldenbremse im Grundgesetz soll per Notfallregel außer Kraft gesetzt werden. Kleine Firmen und Selbstständige, die gerade kaum Kredite bekommen, können für drei Monate 9000 bis 15.000 Euro erhalten. Das Geld soll unbürokratisch beantragt werden können, aber wie schnell es letztendlich bei den Unternehmern ankommt und ob es reicht, ist noch nicht klar. Jetzt beginnt ein neuer Monat, dann sind Mieten und Zahlungen an Lieferanten fällig.

    Online-Shop für Gutscheine

    In Berlin hat sich deswegen die Initiative „helfen.berlin“ gegründet. Der Unternehmer und Mitbegründer der Hilfsorganisation, Karsten Kossatz, erzählt im Interview:

    „Wir haben alle viele Freunde, die in der Gastronomie arbeiten. Die haben uns signalisiert, dass viele Gastronomen und viele kleine Läden nicht mehr durchhalten. Wir haben uns überlegt, was kann man da machen. Vor einer Woche kam uns die Idee zu einer Gutscheinplattform. Wir haben dann ‚helfen.berlin‘ ins Leben gerufen. Stammgäste können da einfach Gutscheine für ihre Lieblingsorte kaufen und die jetzt so in dieser schwierigen Zeit damit finanziell unterstützen.“

    Das Prinzip folgt einem normalen Online-Shop. Man geht auf die Website www.helfen.berlin, dort auf „Shop“ und kann sich dann seinen „Lieblingsort“ aussuchen. Man kann das Angebot nach Bezirken filtern, und dort die unterschiedlichen Einträge.

    100.000 Euro in vier Tagen

    „Die Rückmeldung ist wirklich überwältigend“, freut sich Urberliner Kossatz. „Es ist unglaublich: wir haben jetzt schon über tausend Lieblingsorte, die sich registriert haben und in den ersten vier Tagen wurden Gutscheine im Wert von mehr als 100.000 Euro verkauft.“

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    Diese Zahlen sind allein auf Berlin bezogen. Es gibt allerdings auch Initiativen in vielen anderen Städten. Gebündelt wird das auf der Website: www.lokalsupport.com. Das Geld wird von „helfen.berlin“ einmal wöchentlich an die Läden ausgezahlt. Das bedeutet, dass die Liquidität schneller hergestellt wird, als bei staatlichen Hilfen. Kossatz, der 2015 mit der Kampagne „Das B – Like Berlin“ nach der Identität Berlins suchte, betont noch einen anderen Vorteil:

    „Viele Gastronomen fallen gerade in ein Loch. Über die Käufe von Gutscheinen zeigen ihnen Stammkunden, dass ihre Lieblingsorte gebraucht werden und dass man an sie glaubt. Das baut auf und bestärkt die Gastronomen in dieser schwierigen Zeit.“

    Findet man sein Restaurant, Bar, Café, Club, Laden, Hotel oder Attraktion (Museum, Theater, Kino) nicht auf der Hompage, dann rät er:

    „Wenn das Restaurant noch nicht registriert ist, dann geht man am besten schnellstens zu diesem Lieblingsrestaurant, oder Kino, oder Club und erzählt denen von uns. Dann können die sich selbst bei uns gerne registrieren.“

    Das Interview mit Karsten Kossatz zum Nachhören:

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