19:25 05 August 2020
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    Der Corona-Test der 47-jährigen Beatrice aus Freiburg war plötzlich positiv. Einige Wochen danach zeigt sie sich in einem Gespräch mit Sputnik zuversichtlich: Es gibt ganz bestimmt „ein Leben danach“. Im Moment ist sie für strikte Kontaktverbote.

    Die Auswirkungen der Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote lassen sich in der deutschen Corona-Statistik noch kaum berechnen. Bisher haben sich nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) etwa 57.298 Menschen in Deutschland infiziert, 455 sind schon gestorben, zehnmal so viel wie noch vor zehn Tagen (Internationale Dienste melden sogar 62.435 Fälle und 541 Tote in Deutschland - Anm. d. Red.). Vom RKI werden nur Fälle veröffentlicht, die durch Labordiagnostik, also durch Tests, bestätigt sind. Insgesamt geht das Institut aber von einer vier bis elfmal höheren Zahl aus.

    Offiziell sollen schon etwa 14.792 Menschen in Deutschland genesen sein. Auch Beatrice aus Freiburg, die Sputnik erreicht hat, gehört dazu. Nach Bayern und Nordrhein-Westfalen hat Baden-Württem­berg mit 10.943 Registrierten die meisten Corona-Fälle, darunter mindestens 119 Tote. In Krankenhäusern werden zuerst  die schlimmsten Fälle mit Lungen- und Atemproblemen behandelt. Bei vielen fühlt sich die Erkrankung eher wie „eine milde Grippe“ an - wie bei Beatrice. 

    Für die 47-jährige Lehrerin begann alles am Sonntag, den 8. März, als sie die ersten Symptome spürte. Wie und wo sie sich anstecken konnte, kann sie heute nicht mehr nachvollziehen, weil es „hier unten damals nicht im vollen Gange war“. „Ich hatte am Sonntagabend einfach Gliederschmerzen und Kopfweh, und dann bin ich am Montag früh in die Uniklinik gegangen, und sie haben Tests mit mir gemacht“, erzählt Beatrice gegenüber Sputnik. Schon am Abend sei die Nachricht gekommen, dass der Test positiv sei. „Das war eine Überraschung, denn ich kenne nach wie vor nur ganz wenige in meinem Umfeld, die infiziert waren“, sagt Beatrice. 

    Ob der Arzt ihr etwas verordnet hat? 

    „Ich hatte nie mit einem Hausarzt Kontakt, nur mit einem aus dem Gesundheitsamt“, antwortet Beatrice. „Sie haben regelmäßig angerufen und gesagt, wenn es schlimmer wird oder wenn ich Lungen- oder Atemprobleme habe, dann muss ich ins Krankenhaus.“ Das es der Frau relativ gut ging, hat man ihr also keine Medikamente verordnet, sondern sie nur aufgefordert, sich ab Symptombeginn für zwei Wochen komplett zu isolieren. „Dann sagte ich auch meinen Freunden, die ich am Wochenende gesehen habe, sie müssten eben zu Hause bleiben.“ 

    Drei-vier Tage habe sie dann im Bett gelegen und nur Gliederschmerzen und Kopfweh gehabt, also weder Fieber, noch Husten, noch Hals- oder Lungenprobleme, noch Durchfall. Gegen die Pneumokokken oder andere Lungenprobleme hat Beatrice sich in der Vergangenheit auch nicht impfen lassen. „Mit Geschmacks- und Geruchssinn hatte ich auch nichts“, bestätigt die Frau.

    „Nach vier Tagen bin ich sehr schlecht auf die Beine gekommen, war immer noch sehr k. o. Zwar habe ich erst Ibuprofen genommen, bis die Warnung in den Medien kam, es lieber nicht zu tun. „Ich kann aber nicht sagen, dass die Infektion sich durch Ibuprofen verstärkt hat.“ Das Gesundheitsamt habe dazu fast täglich angerufen und nach dem Befinden der Frau gefragt. 

    Als Beatrice sich in der Uniklinik habe testen lassen, habe es wegen der Tests noch keine Schlangen gegeben, aber auch die Infektion war „noch gar nicht so im Gespräch“. Ihre Schule habe erst nach einer Woche geschlossen. Warum?

    „Man hat sich nach meinem Fall mit dem Gesundheitsamt besprochen. Da ich am Freitag nicht in der Schule war und die Symptome erst am Sonntagabend spürte, ging man von bis zu zwei Tagen für die Ansteckung aus. Man hat mit mir also keine Gefahr gesehen.“ Zwar sind ihr immer noch nicht Fälle in ihrem Umkreis bekannt, aber die Frau ist sich fast sicher: Viele machen es gerade durch, wissen nur gar nichts davon. Das dürfte auch der Fall mit Ihrer Familie zeigen.

    „Wir waren zu viert zwei Wochen komplett daheim. Die anderen haben es in einer noch schwächeren Form durchgemacht, sie haben sich allerdings nicht testen lassen“. 

    Gute Freunde und der Bruder von Beatrice haben die Familie zwei Wochen lang versorgt: die Einkäufe einfach vor die Tür gestellt, mit Abstand kurz „Hallo“ gesagt - ohne Atemschutzmasken oder Handschuhe - und gegangen. Auch die Freunde von Beatrice hätten ihr viel Zuspruch gegeben und gemeint, sie müsse sich keine Gedanken machen darüber, dass sie sie hätte anstecken können. In der Schule dagegen hätten einige Kollegen ihretwegen wirklich Angst gehabt. „Es ist so schwierig, es einfach abzustellen, die Reaktionen sind sehr persönlich. Ich gehe schon hinaus, aber sie müssen vor mir keine Angst haben, weil ich das Virus nicht weitergebe.“

    Was lässt Beatrice behaupten, dass sie schon gesund ist? 

    „Das Gesundheitsamt ist jetzt so überfordert, dass sie nicht jeden hinterher prüfen“, erklärt sie. „Sie haben nur gesagt, ab Symptombeginn muss ich halt zwei Wochen zu Hause bleiben. Meistens verläuft es so, dass man danach noch etwa vier-fünf Tage ansteckend ist, aber danach ist man in der Regel schon geheilt und hat die Symptome nicht mehr“. Ihr Sohn habe ab seinen Symptomen eine Woche länger zu Hause bleiben müssen. Beatrice selbst soll aber mindestens für ein Jahr  immun sein, was auch heißt: nicht ansteckend. 

    Das Bundeskanzleramt hat am Wochenende klargestellt, dass es in der Corona-Pandemie vor dem 20. April keine Lockerungen der bestehenden Einschränkungen geben werde. Ältere Menschen müssten dabei noch deutlich länger als Jüngere mit Kontakteinschränkungen rechnen. Die harten Maßnahmen findet die Gesprächspartnerin von Sputnik im Moment „schon gut“ in der Hoffnung, dass die Infizierten-Kurve abflacht.

    „Ich habe von einigen Bekannten gehört, dass sie mal zu fünft ausgegangen seien und alle die Seuche gekriegt hätten. Von denen sind zwei ins Krankenhaus gekommen. Man weiß ja nicht, was genau passiert, wie hart es einen erwischt“, sagt Beatrice abschließend. Sie setzt aber darauf, dass etwa 80 Prozent aller Fälle doch nicht so schlimm sind.  

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