14:50 10 August 2020
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    Das alltägliche Leben in der Schweiz wird – wie in vielen Ländern Europas – momentan massiv eingeschränkt. Dabei stellt sich die Frage, wann eine Normalität wieder einkehren kann, ohne eine erneute Infektionswelle von Infektionen auszulösen. Ein Epidemiologe beschreibt Szenarien, welche sich der Schweiz nach der Pandemie bieten.

    Der Schweizer Bundesrat hat am 17. März den Notstand ausgerufen und damit das meiste, was die Schweizer in ihrem Alltag kannten, stillgelegt. Die momentane Frist zur Schließung sämtlicher Läden, Restaurants und Schule dauert bis zum 19. April an. Doch was genau wird an diesem Stichtag dann passieren? In einem Interview mit der Schweizer Zeitung „Tages-Anzeiger“ spricht der Epidemiologe Marcel Salathé über mögliche Methoden der sicheren Auflösung des Lockdowns.

    Die größte Angst bei der Aufhebung oder dem Zurücknehmen der Maßnahmen besteht darin, eine neue Welle von Infektionen auszulösen. Dies sieht auch Salathé so. Einfach die Türen zu öffnen und weiterzuleben, sehe er als keine gute Lösung. Indem man dies täte, wäre man wieder auf dem gleichen Stand wie Mitte März. Dennoch ist er der Überzeugung, dass es sichere Wege gibt, wieder in die Normalität zurückzufinden.

    „Test-Isolate-Quarantine“

    Die Methode, die Marcel Salathé zusammen mit anderen Wissenschaftlern vorschlägt, nennt sich „Test-Isolate-Quarantine“ (zu Deutsch: Testen – Isolieren – unter Quarantäne stellen). Hier geht es darum, einen besseren Überblick über die getesteten Personen zu bewahren. „Jeder, der auch nur leichte Symptome hat, muss einen Test machen können, bevor er wieder arbeiten geht“, erklärt Salathé. Auch die Kontaktpersonen des Erkrankten müssten dafür schnellst möglich ermittelt und in Quarantäne gebracht werden.

    Diese Methode klingt erstmals nicht anders als die Maßnahmen, die der Bundesrat zu Beginn der Epidemie verordnet hatte. Der Unterschied liegt jedoch in den Kapazitäten. So hätte man vor einigen Wochen in der Schweiz nur 1000 Tests täglich durchführen können, während im Moment bis zu 7000 Tests täglich möglich sind. Dies sei in Salathés Augen ein guter Anfang, jedoch noch nicht genug. Dabei sei es schwierig eine konkrete Zahl zu nennen, laut dem Wissenschaftler aber sollte sich „jeder, der Husten oder andere Symptome hat“ schnell testen lassen können.

    Salathés Ansatz funktioniere jedoch nur, wenn die Kurve noch stärker abgeflacht ist. Laut seinen Angaben durfte es nur wenige neue Fälle pro Tag geben, damit die Methode „Test-Isolate-Quarantine“ Sinn macht. Bisher sei die Situation schwer einzuschätzen, gerade würden aber noch viel zu viele Neuerkrankte entdeckt werden. Außerdem sei diese Methode keine, die zur vollständigen Eindämmung des Virus führen würde. Sie könnte lediglich eine Umgangsweise bieten, so dass das Gesundheitssystem nicht überstrapaziert werde.

    Kontaktpersonen schneller finden

    Es gibt verschiedene Ansätze, wie man das effiziente und schnelle Finden von Kontaktpersonen gestalteten kann. Viele davon sehen auch das Benutzen von technologischen Hilfsmitteln wie Apps auf Smartphones vor. Dabei spricht sich Salathé für die Vorteile von sogenannten „Proximity Tracing“ Apps aus. Diese funktionieren laut dem Epidemiologen folgendermaßen:

    „Auch dabei werden Handys genutzt. Sie registrieren aber nur, dass Sie in der Nähe eines anderen Handys waren, beispielsweise mittels Bluetooth-Signal. Sobald ich dann positiv getestet werde, können automatisch alle anonym benachrichtigt werden, die ich angesteckt haben könnte. Beispielsweise eine Person, der ich längere Zeit im Zug gegenübersaß.“

    Noch bleiben rund um das Thema „Proximity Tracing“ viele Fragen in Bezug auf die Privatsphäre ungeklärt. Wichtig wäre auf jeden Fall, dass diese Apps transparent für deren Nutzer seien. „Es sollte einen Konsens geben, dass die Technologie vertrauenswürdig ist – und zwar international“, meint Salathé. Auch wenn es mehrere Apps gebe, würde es dann keine Rolle spielen. Bedeutend wäre nur, dass man sich auf eine Art der Technologie einigt und diese anschließend benutzt.

    lm

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    Tags:
    Quarantäne, Schweiz, Wissenschaftler, Coronavirus