14:42 10 August 2020
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    Corona-Pandemie breitet sich weiter aus – alle Entwicklungen (529)
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    Die Höhe der Sterblichkeit hängt vom kulturellen Miteinander ab. Zu diesem Ergebnis kommen zwei Ökonomen, die Länder mit unterschiedlichem Kontakt zwischen den verschiedenen Generationen untersuchten. Besonders gefährlich gestaltet sich demnach der Ausbruch in Ländern, in denen mehrere Generationen unter einem Dach leben, erklärten sie Sputnik.

    Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 (CoVid-19) trifft insbesondere ältere Menschen schwer. Doch nicht jede Gesellschaft mit einem hohen Anteil älterer Menschen wird gleich stark davon betroffen, was sich in unterschiedlichen Sterberaten ausdrückt. Ein Erklärungsansatz nimmt die verschiedenen Gesellschaftsstrukturen und Umgangsformen in den unterschiedlichen Ländern in den Fokus. Die entsprechende Studie stammt von den beiden Ökonomen Prof. Dr. Moritz Kuhn und Prof. Dr. Christian Bayer von der Universität Bonn, die die unterschiedlichen Entwicklungen auf unterschiedliche Kontakte zwischen den Generationen zurückführen.

    Dabei haben sich die Forscher angeschaut, wie viele Berufstätige mit ihren Eltern in einem Haushalt leben, erklärt Moritz Kuhn gegenüber Sputnik. „Die Idee dahinter war, dass wir ein viel breiteres Konzept abgreifen im Sinne davon, wie viel Interaktion es im täglichen Leben zwischen den Generationen gibt. Unsere Idee war, dass wir mit diesen Daten starke intergenerationale Kontakte in der Gesellschaft verfolgen.“ Den Fall, in dem solche Kontakte besonders hoch seien, stellt die Großfamilie dar, die in einem Haus wohne.

    „Wenn wir uns die Daten anschauen, in welchen Ländern viele von diesen Strukturen sind, wo die Kindergeneration, die bereits im Arbeitsmarkt tätig ist, mit ihren Eltern zusammenlebt, dann sind das Italien und Spanien in Europa, aber auch Griechenland“, so Kuhn. Ähnliche Strukturen gebe es auch im „Bereich des früheren Warschauer Vertrages“ wie Polen, Bulgarien, Slowenien, Slowakei, Rumänien, Ungarn oder die baltischen Staaten. Demgegenüber fände in Ländern wie Deutschland, der Schweiz, Dänemark und Österreich wenig „intergenerationale Interaktion“ statt.

    Asiatische Länder mit vielen Infektionen und relativ geringen Todeszahlen stellen für Kuhn eine Ausnahme dar. Zum einen vermuten die Forscher, dass diese Länder schneller und besser reagieren konnten, weil dort bereits notwendige Infrastruktur bestand und die notwendigen Abläufe bei einer Epidemie eingeübt waren. Schließlich hatten die Länder bereits Erfahrungen mit der Vogelgrippe gesammelt. Zum andern könnten auch kulturelle zwischen Europa und Asien eine Rolle spielen, denn die Begrüßungsrituale in Europa sind körperlicher als in Asien. In Italien und Frankreich gehören Küsschen dazu, in Deutschland umarmt man sich häufig, in asiatischen Ländern begrüßt man sich häufig mit einer Verbeugung.

    Kuhn betont auch, dass solche Faktoren vor allem eine Rolle am Anfang einer Epidemie für die Ausbreitung spielen und dass sie nicht für Erklärung ähnlicher Gesellschaften geeignet seien wie Deutschland und Frankreich, bei denen die Todeszahlen deutlich auseinander liegen. „Unsere Frage war nur: Wie schnell kommt der Virus von der arbeitenden in die älteren Teile der Bevölkerung. Da scheint es wirklich so zu sein, dass der Zusammenhang sehr systematisch ist“, betont der Ökonom. In einem späteren Entwicklungsstadium dagegen spielen aus einer Sicht Politikmaßnamen und Kapazitäten des Gesundheitssystems eine weit größere Rolle.

    Die Autoren hatten auch weitere Faktoren in ihrer Studie berücksichtigt. Dazu gehört der Anteil über 65-Jähriger, die Pro-Kopf-Ausgaben für das Gesundheitssystem, Haushaltseinkommen und Lebensstandard. Diese Faktoren spielen neben dem kulturellen Umgang miteinander eine ebenfalls wichtige Rolle, verwischen aber die Unterschiede zwischen Ländern mit geringem und Ländern mit hohem Kontakt zwischen den Generationen laut Kuhn nicht.

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    Tags:
    Sterblichkeit, Frankreich, Deutschland, Italien, Kultur, Coronavirus, Gesellschaft, Pandemie, Epidemie