13:56 09 Juli 2020
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    Corona-Pandemie breitet sich weiter aus – alle Entwicklungen (527)
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    Das Gebot von Südkorea in der Bewältigung der Corona-Krise heißt: testen, testen, testen. Diesem Beispiel folgten auch einige Bundesländer - und richteten an einigen Orten die Drive-In-Teststationen ein, wo man sich aus dem Auto heraus testen lassen kann. Sputnik gewährt einen Blick in deren Tagesgeschäft.

    Die allgemeinen Testkapazitäten in Deutschland sind letztlich laut Gesundheitsminister Jens Spahn bzw. dem Charite-Virologen Christian Drosten auf bis zu 500.000 Tests pro Woche gestiegen - im Vergleich zu etwa 160.000 Tests Ende Februar. Alleine in der Woche vom 23. bis zum 29. März waren dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge 354.521 Tests durchgeführt worden, in der Woche vom 9. bis zum 15. März dabei nur noch 127.457 Tests.

    Beigetragen dazu haben auch viele mobile Drive-In-Stationen - nach US-Format wie bei der Warenabholung und nach dem südkoreanischen Vorbild für die Corona-Tests geschaffen. Sollte man Verdacht auf eine Infektion haben, fährt man mit dem Auto zu einer Teststation, lässt sich einen Abstrich aus dem Rachenraum machen und fährt weiter. Im Vergleich zu den Warteräumen in den Kliniken mit einer dazugehörenden Ansteckungsgefahr ein Gewinn. Wo liegt aber der Hinterhalt? 

    In Südkorea…

    werden die Tests auch ohne Anweisung des Arztes gewährt und scheinen dadurch wirklich „Tests für alle“ zu sein. Der übereinstimmenden Berichterstattung zufolge erfolgen sie auf anonymer Basis, so dass einige sich mehrmals pro Woche testen lassen können. Die ganze Prozedur dauert etwa zehn Minuten, dafür muss zuvor ein Fragebogen auf die Symptome ausgefüllt werden. Da es sich um die normalen PCR-Tests handelt, muss man auf die Ergebnisse etwa fünf-sechs Tage warten. 

    Keine Wunschtestungen in Deutschland

    Dagegen bleibt die Anweisung des Gesundheitsamtes in Deutschland unausweichlich. Wer Corona-Sorgen hat, muss erst seinen Hausarzt kontaktieren und mit ihm zusammen einen Fragebogen ausfüllen. Sollte der Verdacht auf eine Infektion durch den Arzt bestätigt werden, macht dieser dann eine Meldung ans Gesundheitsamt, das den Patienten bei Bedarf in eine Drive-In einlädt. Wieviel Zeit die gesamte Prozedur seit dem Test in Anspruch nimmt, bleibt offen. Bis das Ergebnis kommt, müssen die Testierten in häuslicher Quarantäne bleiben.

    In Betrieb genommen werden die sogenannten Drive-Ins oft auf Initiative der örtlichen Hausärzte, des Gesundheitsamtes und der Kassenärztlichen Vereinigung. Man könne noch nicht sagen, wie viele Drive-Ins es in Deutschland unter den insgesamt über 400 funktionierenden Testzentren gebe, so eine Sprecherin der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gegenüber Sputnik. Alles passiere auf Initiative der Länder. Auch gebe es noch keine Zahlen zum Anteil der positiven Ergebnisse unter den Drive-Ins. Die allgemeine Quote liegt nach Angaben des RKI zwischen 5,9 und 8,7 Prozent.

    Diese Orte sind dabei

    Die hessischen Ärzte waren in Deutschland die Vorreiter, was das südkoreanische „Know-How“ anbelangt. Zwei Drive-In-Schalter gibt es seit Anfang März in der Kreisklinik in Groß-Gerau und in einer Arztpraxis in Marburg.  

    In Nordrhein-Westfalen hat sich am 1. April als eine der letzten die Corona Drive-In in Emmerich am Rhein geöffnet. Im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk werden seit dieser Woche ebenfalls Patienten empfangen. Seit dem 17. März kann man sich auch in Duisburg aus dem Auto heraus testen lassen - wie auch am Harpener Feld in Bochum. Einen Termin kann man übrigens nach Absprache mit der Hotline der Stadt vereinbaren.

    In der bayerischen Hauptstadt München gibt es laut dem Stadtportal mittlerweile drei Corona-Teststationen: In der Bayernkaserne, auf der Theresienwiese und am Tropeninstitut der LMU. Die in der Bayernkaserne soll ab 26. März auch Personal aus Pflege und medizinischen Bereichen testen. Auch ein Drive-In in Unterföhring bei München ist seit dem 16. März im Einsatz. Ab heute kann man sich auch in Neumarkt in der Oberpfalz an der Kleinen Jurahalle testen lassen.

    In Baden-Würtemberg funktionieren seit dem 9. März zwei der ersten Drive-In-Testzentren in Deutschland überhaupt - im Landkreis Esslingen. Die beiden Stationen sind in Nürtingen und auf einem Parkplatz der Messe Stuttgart in Leinfelden-Echterdingen. Laut dem dortigen Landratsamt dauert ein Test hier etwa fünf Minuten, das Ergebnis liegt spätestens in 48 Stunden vor.  Im Karlsruher Stadtteil Rintheim in der Haid-und-Neu-Straße ist seit dem 16. März ebenfalls ein kleines Holzhäuschen als Drive-In-Station im Betrieb. 

    In Niedersachsen war der Andrang auf das Drive-In-Testzentrum in der Innenstadt von Hannover so enorm, das man das Zentrum letztendlich auf das Messegelände verlegte. Bislang werden da laut der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen täglich etwa 100 Tests durchgeführt. Am 2. März hat dazu noch ein mobiles Testzentrum in Braunschweig offen. Wer sich da testen lassen will, muss seine Symptome mit den Vorgabendes RKI vergleichen, so die Vereinigung.

    In den Großstädten Berlin und Hamburg gibt es noch keine Drive-Ins. Zwar wollte eine Gruppe der Bergedorfer Hausärzte in Hamburg laut der "Hamburger Morgenpost" solch eine Station an den Start bringen, doch die Kassenärztliche Vereinigung hat die Initiative wegen nicht ausreichender Nachfrage abgelehnt. In Berlin haben sich die Senatsgesundheitsverwaltung und die bezirklichen Gesundheitsämter trotz interessierter Amtsärzte gegen solch eine Teststation entschieden - weil man, so die Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD),  inzwischen schon acht Corona-Abklärungsstellen in Krankenhäusern geöffnet habe. Dort lässt man sich beraten. Die niedrige Quote von etwa 4,2 Prozent positiver Tests für ganz Berlin soll eben ein Grund sein.

    Großflächige Tests „illusorisch“

    Der Sinn der Methode wurde in Südkorea anfangs damit erklärt, dass es viel besser sei, einen Menschen zu testen und dann falls nötig in Quarantäne zu schicken, als eine Ausgangssperre in einer Stadt oder Region zu erlassen. Daran halten sich Epidemiologen wie Dr. Eric Feigl-Ding von Harvard T.H. Chan School of Public Health in den USA oder auch der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Universität Halle-Wittenberg, Dr. Alexander Kekulé. Allerdings lehnen sie dabei völlig grundlose Tests ab. 

    Mittlerweile werden die Testkapazitäten in Deutschland auch außerhalb von Drive Ins bzw. außerhalb von Krankenhäusern und Arztpraxen ausgeweitet. Großflächige Tests sind aber laut dem Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) momentan „illusorisch“. Auch müssen sie derzeit nach medizinischen Notwendigkeiten priorisiert werden, so der BDL-Vorsitzende Andreas Bobrowski gegenüber der Deutschen Nachrichtenagentur.

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    Tags:
    Jens Spahn, Coronavirus, Robert Koch-Institut (RKI)