22:17 14 August 2020
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    Die Coronakrise treffe vor allem die, denen es am schlechtesten geht. Dem wollen nun 28 Organisationen aus der Schweiz entgegensteuern. Sie fordern Maßnahmen, um die existenziellen Bedürfnisse sozial benachteiligter Menschen würdevoll sicherzustellen. Konkret stehen in diesen Forderungen das beispielsweise das Erlassen von Strom- und Telefonkosten.

    In einer Pressemitteilung vom Montag gab die Organisation „ATD Vierte Welt“ aus der Schweiz bekannt, dass sie gegen Armut in Zeiten der Corona-Pandemie vorgehen will. Insgesamt beteiligen sich an dieser Aktion 28 Organisationen aus dem Bereich der Armutsbekämpfung und -prävention. Infolge der Coronakrise haben sie einige kurzfristige kurzfristige Lösungsvorschläge für ihre Klientengruppe. Langfristig fordern sie aber Lösungen, welche das Wissen und die Erfahrung armutsbetroffener Menschen miteinbeziehen.

    Ungleichheiten und Armut bekämpfen

    Laut dem Medienbericht der Organisation „ATD Vierte Welt“, werfe die momentane Situation ein Licht auf bereits bestehende Ungleichheiten. Außerdem zeige es deutlich, dass sich viele Menschen in der Schweiz in einer dauerhaften Krisensituation befinden. Die letzten Wochen hätten alle unterzeichnenden Organisationen eine Vielzahl an Erfahrungsberichten und Überlegungen von armutsbetroffenen Personen und Familien gesammelt. Alle diese Berichte deuten darauf hin, dass „die Krise diejenigen in unserer Gesellschaft am stärksten trifft, die bereits vorher mit Armut und sozialem Ausschluss konfrontiert waren“. So schreibt es „ATD Vierte Welt“.

    Zu den Organisationen gehören unter anderen einige Kirchliche Gesellschaften, „Emmaus Schweiz“, der Berufsverband Soziale Arbeit Schweiz und das Schweizerische Arbeitshilfswerk. Dabei stellen „Avenir Suisse“ und „ATD Vierte Welt“ die tragende Koordination.

    „Die gegenwärtige Situation unterstreicht die Notwendigkeit, die Erfahrung und das Wissen armutsbetroffener Menschen vollwertig miteinzubeziehen, um wirksame, existenzsichernde und würdevolle Antworten für alle zu finden. Ihr Beitrag ist unerlässlich, um Formen von Solidarität zu finden, die niemanden zurücklassen. In Krisenzeiten wie heute, aber auch auf längere Sicht“, steht es in der offiziellen Pressemitteilung vom Montag.

    Forderungen

    Um dieser Krise schnell und effektiv vorzubeugen, haben die Organisationen Forderungen aufgestellt. Dazu zählen kurzfristige wie auch längerfristige Forderungen. Zu den Maßnahmen, die sofort einsetzten sollen, gehört an erster Stelle die unbürokratische Sicherung von niederschwelliger Hilfe für alle Menschen in finanzieller Not. Zudem sollte Menschen ohne festen Wohnsitz ein Angebot würdevoller Aufenthalts- und Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Auch sanitäre Anlagen, die öffentlich zugänglich sind, sollen ihnen kostenlos zur Verfügung stehen.

    Ebenfalls fordern die Organisationen die Freischaltung von gesperrten Stromanschlüssen und den temporären Erlass der Stromkosten für sozial benachteiligte Menschen. Die Krankenkassen solcher Menschen sollten vollumfänglich übernommen werden. Arztkosten bei einer Corona-Behandlung würden in dem Sinne auch entfallen. Es werde sich auch um die Eltern gekümmert und gefordert, eine zusätzliche Unterstützungsmöglichkeit von Schulkindern einzurichten, wie auch die Bereitstellung von Anlaufstellen von alleinerziehenden Müttern. Zuletzt werde auch auf die Sicherstellung von Kommunikationsmöglichkeiten geachtet, also beispielsweise dem temporären Erlass von Telefongebühren.

    Armutserfahrungen in Zukunft miteinbeziehen

    Langfristig sehe man das Weiterentwickeln einer nationalen Armutsstrategie vor, welche die Würde von Armen gewährleistet. Die Gleichberechtigung und Chancengleichheit von allen Schulkindern, unabhängig von Herkunftssprache, sozialem Status und Bildungsniveau müsse sichergestellt werden. Genauso solle die Politik eine Bandbreite an digitalen Kommunikations- und Informationsmedien bereitstellen. Schließlich benötige es in Zeit der Krise, wie auch danach eine künftige strukturelle Veränderung, so die „ATD Vierte Welt“: „Mit dem Ziel in Partnerschaft eine Gesamtpolitik zur erarbeiten, die die Menschenrechte tatsächlich für alle verwirklicht.“

    lm

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    Tags:
    Verarmung, Armut, Schweiz, Coronavirus