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    Russen haben von der Schweiz laut einer Umfrage des Lewada-Zentrums ein durchaus positives Bild. Dies gaben 67 Prozent der Befragten an. Unterdessen wurde Deutschland im Rahmen anderer Studien mit knapp 61 Prozent positiv bewertet. Die EU mit 50 Prozent und die USA mit 42 Prozent haben im Durchschnitt schlechter abgeschnitten.

    Die Russen sehen die Schweiz als ein „warmes Bild des Westens“, meint der Soziologe Alexej Lewinson, obwohl sie eigentlich eine ziemlich oberflächliche und floskelhafte Vorstellung von diesem Land haben. Die Russen beschrieben ihre Vorstellung von der Schweiz mit folgenden Worten: „Ich würde sagen, man denkt an sie mit Pietät“, „Die Schweiz wird verehrt“, „Gegenwärtig werden die Schweizer wohl vergöttert“, „Die Schweiz ist wie das Land Narnia, so etwas Märchenhaftes“. Der Soziologe meint, die Russen begegnen dem Westen im Ganzen dennoch durchaus reserviert.

    Soziologe Alexei Lewinson von dem Lewada-Zentrum
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Soziologe Alexei Lewinson von dem Lewada-Zentrum

    Bei der Schweiz fallen ihnen aber vor allem triviale Stereotype ein: Schweizer Banken, Schweizer Uhren und Schweizer Käse, die aber positiv seien, merkt der Sozialforscher an. In erster Linie hebt er unter den Urteilen der Russen die Äußerungen zu der Schweizer Natur hervor, die von ihnen sehr hoch bewertet wird. „Wichtig ist dabei nicht, dass den Russen die Schönheit der Alpenlandschaften bekannt ist. Aus unseren früheren Umfragen folgt, dass, wenn gute Natur von Russen einem Land zugeschrieben wird, das in dieser Hinsicht nicht viel zu bieten hat, wie etwa die Niederlande, das Land trotzdem positiv eingeschätzt wird. So ist auch die schöne Natur der Schweiz eine Umschreibung für die gute Meinung von diesem Land.“

    Die Beziehungen zwischen Russland und der Schweiz werden von Russen mäßig positiv bewertet: von 13 Prozent als freundschaftlich, von 14 Prozent als gut nachbarschaftlich und von 42 Prozent der Befragten als ruhig und normal. Sehr wichtig ist laut dem Meinungsforscher, dass es wenig negative Antworten gegeben hat: „Nur ein Prozent der Befragten bezeichneten das Verhältnis als gespannt. Im Hinblick auf den aktuellen Zustand der Beziehungen zwischen Russen und dem Westen allgemein, der laut ihnen Russland zu Unrecht benachteiligt, insbesondere wegen der Krim-Geschichte, ist die Einstellung zur Schweiz bemerkenswert.“

    Macht die Schweiz bei den antirussischen Sanktionen mit?

    Diese Frage sei wichtig, so Lewinson, d.h. ob die Schweiz zu denjenigen gehöre, „die gegen uns Russen auftreten oder nicht. Da weisen die Leute eben eine selektive Herangehensweise auf. Sie beteiligt sich zwar daran, straft aber diejenigen, die wir selbst nicht mögen, die Oligarchen. Man geht davon aus, dass die Schweiz nicht von einfachen russischen Bürgern, sondern von Oligarchen besucht wird. Na, da spukt immer noch der Geist des Finanzmagnaten Michail Prochorow herum, der einst mit Mädchen in Courchevel gefeiert hat. Der Ort liegt zwar in Frankreich, aber dicht daneben. So sieht das stereotype Bild der Schweiz aus.“

    Einen sehr wichtigen Punkt des Fragebogens stellt die Neutralität der Schweiz dar, sagt der Experte weiter. „Davor haben die Russen einen tiefen Respekt. 59 Prozent der Befragten würdigen es, dass die Schweiz vor allem ein neutrales Land ist und sie es fertigbringt, in dieser gespaltenen Welt neutral zu bleiben. Zeichnungen der Teilnehmer der Umfrage zeigen Schweizer als Päpstliche Gardisten. Das heißt, es ist kein militantes Land, sondern eines, das dem römischen Papst Schutz bietet. In den Augen der Russen sind sie quasi die Kämpfer des Guten, was ebenfalls sehr wesentlich ist.“

    Russen zeichnen die Schweizer und sich selbst (Wie stellen sich Russen die Schweizer und sich selbst vor): Schweizer Mann
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Russen zeichnen die Schweizer und sich selbst (Wie stellen sich Russen die Schweizer und sich selbst vor): Schweizer Mann

    Russen würden gerne in der Schweiz leben und arbeiten

    Weniger wichtig finden Russen, dass in der Schweiz die Qualität von Dienstleistungen hoch ist, oder dass der Umweltschutz auf einem hohen Niveau betrieben wird. „Dennoch stimmen 71 bis 77 Prozent der Befragten diesen Behauptungen zu. 59 Prozent bejahen, dass die Hochschulen dort sehr gut sind. Das ist ebenfalls wesentlich. 55 Prozent der befragten Russen möchten in der Schweiz leben und arbeiten. Russen trauen ihr die Rolle des Vermittlers in Konflikten zu. Auch sollte Russland ihrer Meinung nach zur Lösung vieler schwer beizulegender Konflikte einen Vermittler einsetzen. Etwa wie der rund um die Ukraine.“

    Der Soziologe machte auf einen weiteren Punkt des Fragebogens aufmerksam: 45 Prozent der Russen sind damit einverstanden, dass man in der Schweiz alles sagen darf, was man denkt, und so leben kann, wie man will: „Die Russen ringen nicht allzu eifrig um die Meinungsfreiheit in ihrem Land, da aber diese Freiheit in der Schweiz vorhanden ist, wird Letztere positiv bewertet. Dabei werden nicht alle Freiheiten von Russen geschätzt. Die Freiheit der gleichgeschlechtlichen Ehen sagt ihnen nicht zu, wohl aber die Meinungsfreiheit.“

    Ist das Land langweilig? Oh, nein!

    Die Soziologen vom Lewada-Zentrum haben auch die negativen Beurteilungen der Schweiz ausgewertet. Das Land gilt als langweilig?

    „Russen fällt so etwas gar nicht ein. Auch sind 45 Prozent nicht damit einverstanden, Ausländer würden dort schlecht behandelt. Wie auch damit, dass die Einwohner angeblich keinen Sinn für Humor haben. Die Russen bringen ihrerseits genug Heiterkeit an den Tag, um zu sagen, dies würde nicht stimmen. Was die Kluft zwischen Reich und Arm angeht, hat sich die Mehrheit der Befragten geweigert, dieses Thema zu bewerten. Sie meinen eben, diese Kluft sei bei uns in Russland groß. Wie es sich damit in der Schweiz verhält, wissen wir nicht. Zumindest können wir ihr nicht vorwerfen, diese Kluft wäre bei ihr groß.“

    Alexej Lewinson kommt zum Schluss: „Russen halten die Schweiz für ein Muster des Wohlstands. Weniger verständlich ist die politische Ordnung in der Alpenrepublik. Sie wissen darüber recht wenig. Dass es in der Schweiz Meinungsfreiheit gibt, ist gut, aber den schweizerischen Wohlstand kennen die Russen besser und finden ihn wesentlicher als die schweizerischen Freiheiten und Rechte. Die Hauptsachen ist laut unseren Befragten und mir, dass die russischen Politiker der politischen Erfahrung der Schweiz Vieles entnehmen könnten.“

    Musterland Schweiz

    Dies betreffe die konföderative oder föderative Ordnung, fährt der Sozialforscher fort. „Die Russen empfinden die föderative Ordnung des eigenen Heimatlandes als problematisch. Auch die Idee eines multikonfessionellen und multinationalen Staates ist an sich für sie nicht einfach. Die aktuellen Debatten, ob man einige Bestimmungen der Verfassung abändern soll oder nicht, zeigen ein weiteres Mal, dass dies für die russische Gesellschaft eine komplizierte Frage ist.“

    Die Schweiz demonstriere dagegen, so der Meinungsforscher, eine sehr gut funktionierende Variante der Zusammenarbeit und des nationalen Zusammenlebens von Menschen mit unterschiedlichem sprachlichem und konfessionellem Hintergrund.

    „Dies ist eine wertvolle Erfahrung, die sich die Russen merken sollten. Die Tatsache, dass die Entscheidungen vom Volk getroffen werden, wird von den Russen positiv wahrgenommen, jedoch nicht mit der gleichen Begeisterung wie die Thesen zur Qualität des materiellen Lebens. Unsere Politiker sollten lernen, schrieb ein Befragter, wie ein Land, in dem man verschiedene Staatssprachen spricht, funktioniert, in dem es keine Konflikte innerhalb des Landes und auch außerhalb gibt und es den Menschen wirtschaftlich gut geht.“

    Die Soziologen des Lewada-Zentrums baten die Teilnehmer der Umfrage, alles erwachsene Menschen, eine Person aus der Schweiz und eine aus Russland zu zeichnen, um zu sehen, wie sie die Schweizer und sich selbst darstellen.

    • Russen zeichnen die Schweizer und sich selbst (Wie stellen sich Russen die Schweizer und sich selbst vor): Schweizer Frau (Foto vom Bildschirm mit einer Präsentationsfolie)
      Russen zeichnen die Schweizer und sich selbst (Wie stellen sich Russen die Schweizer und sich selbst vor): Schweizer Frau (Foto vom Bildschirm mit einer Präsentationsfolie)
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    • Russische Frau
      Russische Frau
      © Sputnik / Russische Frau
    • Wie Russen die Schweizer (links) und sich selbst sehen
      Wie Russen die Schweizer (links) und sich selbst sehen
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    Lewada-Zentrum, Soziologie, Klischees, Bevölkerung, Russland, Schweiz