SNA Radio
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    Von
    102187675
    Abonnieren

    Die TV-Moderatorin Sonja Zietlow ist bisher eher selten für politische Äußerungen bekannt gewesen. Doch während der Corona-Krise veröffentlichte das RTL-Urgestein auf ihrer Facebook-Seite immer wieder Texte und Videos, die die Maßnahmen der Regierung kritisch hinterfragten. Ein jüngster Kommentar Zietlows sorgte nun für die Sperrung ihres Accounts.

    Die 51-jährige Moderatorin Sonja Zietlow kann auf eine beachtliche TV-Karriere zurückblicken: Ende der 90er-Jahre leitete die gebürtige Bonnerin im Nachmittagsprogramm von Sat.1 ihre Talksendung „Sonja“, danach die Quizshow „Der Schwächste fliegt“ auf RTL. Nach vielen weiteren Engagements für den Kölner Privatsender präsentiert sie seit 2004 den jährlichen Quoten-Hit „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“, in der Zietlow mit ihrem Co-Moderator Daniel Hartwich vereinzelt auch gegen das politische Tagesgeschehen stichelte.

    Abseits des Mainstreams…

    Während die gelernte Lufthansa-Pilotin beruflich eher für seichte Unterhaltung steht, scheint Zietlow privat eine differenziertere Meinung zu haben. Das wurde vor allem während der Corona-Krise sichtbar. Beinahe täglich teilte die Moderatorin auf ihrer privaten Facebook-Seite kritische Kommentare, Bilder und Videos. So postete sie beispielsweise ein Foto einer Krankenpflegerin, darunter war der Text zu lesen:

    „Wisst ihr, was ich vermisse? Dass mal irgendjemand sagt, dass wir die Misere, die durch Corona in den Krankenhäusern entsteht, den Politikern zu verdanken haben, die jetzt als vermeintliche Krisenmanager auftreten.“

    Die Politiker seien es gewesen, die bei Pflegekräften, Ärzten und Material alles kaputtgespart hätten und für Krankenhausschließungen verantwortlich seien.

    Kritik an der Regierung

    Ein besonderer Dorn im Auge der Entertainerin scheinen das Krisenmanagement der Regierung, sowie die Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen zu sein. Zietlow sieht dabei wichtige Grundrechte beschnitten, wie sie bereits am 5. April auf Facebook mitteilte:

    „Mir ist es so was von egal, wer raucht und ob es verboten wird. Jeder kann selbst entscheiden. Nur momentan sind viele Menschen in ihrer Entscheidungsfreiheit begrenzt worden, um eben diese ‚selbst gewählte’ Risikogruppe zu schützen!”

    In die gleiche Richtung geht ein Eintrag Zietlows vom 3. April, als sie einen Beitrag der Ärztin Barbara Dirhold teilte. Darin heißt es unter anderem als Forderung:

    „Abschirmen der Risikogruppen, und Bewegungsfreiheit für gesunde Arbeitnehmer zur Ausübung ihres Berufes und damit Aufrechterhaltung unserer Wirtschaft und mittelfristig auch unseres Gesundheitswesens.“

    Dabei müsse jedoch Freiwilligkeit gelten: Wenn jemand Angst habe, solle er zu Hause bleiben. Am 12. April veröffentlichte Zietlow schließlich das Video eines deutschen Krankenpflegers. Dieser berichtet vom Alltag aus dem Krankenhaus und empfiehlt die Abkehr von den starken Corona-Maßnahmen, hin zu mehr Hygieneregeln im Alltag.

    Die Diskreditierung beginnt…

    Einige deutsche Medien versuchten die RTL-Moderatorin für ihre Forderungen bereits zu diskreditieren. So notierte das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND), dass sich Zietlow um das Schicksal von Risikogruppen nicht „sonderlich zu scheren“ scheine und dass ihre Argumentationen ein beliebtes Mittel in rechten Kreisen sei. Auch würde das Umfeld „rechter Verschwörungstheoretiker“ ihre Facebook-Einträge rasant teilen und weiterverbreiten. Ein Eintrag Zietlows von Ostersonntag schien für mehrere Journalisten aber nun wohl das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben.

    Eine lange Liste

    Dort reagierte Zietlow auf die Vorwürfe gegen sie mit einer Liste von 28 Menschen mit Doktortitel, die wegen kritischer Äußerungen ebenfalls als „Verschwörungstheoretiker“ abgestempelt seien. Dort finden sich Namen, wie der des ehemaligen SPD-Abgeordneten Dr. Wolfgang Wodarg, der sich einst als aktiver Politiker mit der Pharma-Industrie anlegte und nun wegen seiner kritischen Äußerungen zur Corona-Pandemie als „Panikmacher“ gilt. Oder auch die Virologin Prof. Karin Mölling, die erklärte, die veröffentlichten Corona-Zahlen seien aus ihrer Sicht unvollständig.

    © Foto : Facebook von Sonja Zietlow

    In der Auflistung Zietlows findet sich auch der Name des Weltärzte-Präsidenten Frank Ulrich Montgomery, der seit seiner Kritik an dem uneinheitlichen Vorgehen der Bundesländer und an einer möglichen Maskenpflicht nur noch selten in der Presse vertreten ist. Und auch der Bonner Virologe Prof. Hendrik Streek, der federführend an der Corona-Studie in Heinsberg beteiligt ist und ebenfalls eine schrittweise Abschaffung der Maßnahmen fordert, ist auf der Liste notiert. Unter die Liste setzte Zietlow schließlich den Vermerk:

    „Gelten momentan als „NICHT Verschwörungstheoretiker“: Prof. Drosten, Lothar Wieler RKI, Bill Gates, Spahn.“

    Dahinter setzte die Moderatorin ein sich wunderndes Emoji. Ob Zietlow den Post selbst verfasst oder kopiert hat, ist nicht bekannt. Zahlreiche Facebook-User kommentierten den Eintrag. Dabei gab es auf der einen Seite viele Glückwünsche, auf der anderen Seite aber auch Stimmen, welche die RTL-Mitarbeiterin in eine Ecke mit dem kürzlich von dem Privatsender gefeuerten Sänger Xavier Naidoo stellen.

    Vieles bleibt im Dunkeln

    Seit Dienstag ist die private Facebook-Seite von Sonja Zietlow nun gesperrt, ebenso ihre offizielle Facebook-Fanseite. Ob die Moderatorin nach den zahlreichen verbalen Angriffen gegen sie die Accounts selbst stillgelegt hat, ob ihr Management dies übernahm, oder ob Facebook selbst etwas mit der Sperrung zu tun hat, ist bislang noch nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Auch RTL äußerte sich noch nicht zu dem Fall.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Für Menschen lebensbedrohlich: Hasenpest breitet sich weiter aus
    „Weiterhin treu zum russischen Markt stehen“: Logistikunternehmen Kühne+Nagel gedeiht in Russland
    200 Corona-Tote obduziert: Rechtsmediziner plädiert gegen Einschüchterung mit „Killervirus“
    Tags:
    RTL, Jens Spahn, Robert-Koch-Institut, Verschwörungstheorie, Dschungelcamp, Coronavirus