11:35 04 Juli 2020
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    In Zeiten des Coronavirus haben sich viele Aspekte des Alltagslebens geändert. Neben Einschränkungen wird auch auf gewisse Medien öfter zugegriffen: Vor allem das digitale Angebot wird immer häufiger genutzt. In einer neuen Studie zeigt sich, wie sich das Verhalten von Fernsehzuschauern verändert hat, jetzt wo Corona das Hauptthema ist.

    Während viel Geschäfte, Läden und Unternehmen gerade um ihre Existenz ringen, profitiert die TV-Industrie von der heutigen Zeit. Laut den Fernsehforschern der AFG Videoforschung sei die Nutzung der Streaming-Dienste von Sendern wie ARD, ZDF und Joyn (Pro Sieben, Sat 1, Discover) um zehn Prozent im März gestiegen. Indem immer mehr Menschen gezwungen sind zuhause zu bleiben, wird auch mehr Fernsehen konsumiert. Dies fasst eine aktuelle Studie der AGF mit neuen Analysen zusammen.

    Mehr TV – vor allem bei jüngeren Generationen

    In solch einer Zeit steige das Bedürfnis nach Information und Ablenkung, so schreibt es die AFG in ihrer Studie. Dies spiegelt sich auch in den Einschaltquoten. Dieser Anstieg fällt insbesondere auf, da der Fernsehkonsum in den letzten Jahren gesunken ist. Auch die allgemeine Sehdauer sei gestiegen. Das Gesamtpublikum widmet dem Fernsehen durchschnittlich 244 Minuten, also 18 Minuten mehr als im Vorjahrmonat. Auch im Gegensatz zum Februar dieses Jahres zeichnet sich eine erhöhte Sehdauer von 15 Minuten.

    Dabei seien es vor allem die Jugendlichen, die das Fernsehen als neue Zuschauer gewinnt. Kerstin Niederauer-Kopf, die Vorsteherin von der AFG Videoforschung sagt: „Insbesondere die jüngere Zielgruppe wendet sich dem Medium TV derzeit wieder stärker zu“. Im Vergleich zum Vormonat Februar habe sich die Sehdauer aller 14- bis 49-Jährigen um zehn Prozent gesteigert.

    Nachrichten als Anker

    Es überrascht nicht, dass die Leute sich in solcher Zeit vor allen Dingen an Nachrichten klammern. Laut der Studie seien Nachrichten als besonderer Treiber für die gestiegene TV-Nutzung angegeben. Dabei nimmt die Studie auch Stimmen wie von Ines Imdahl, der Inhaberin von Rheingold-Salon. Imdahl begründet diese hohen Einschaltquoten bei Nachrichten-Shows damit, dass Menschen eine „Tages-Klammer“ benötigen. Es werde nach Fakten gesucht und die Nachrichten bieten somit auch klare Handlungsrichtlinien und antworten auf Fragen.

    „Aktuelle, seriöse und gut recherchierte Informationen werden besonders in schwierigen Zeiten von allen Altersgruppen gesucht und geschätzt und damit erreichen wir mit einem klassischen Massenmedium auch deutlich mehr Zuschauer in jüngeren Alterssegmenten. Dies ist umso bemerkenswerter, weil der Nutzungsanstieg über Sender mit langjähriger Berichterstattungskompetenz getrieben wird, die ein eher älteres Zielpublikum ansprechen“, sagt Niederauer-Kopf.

    Ablenkung vom Weltgeschehen

    Gleichzeitig kommt dazu, dass das Fernsehen eine gute Ablenkung zur bestehenden Situation biete. Laut Interviews, die im Rahmen der Studie geführt worden sind, würden die Zuschauer nach Normalität streben. Diese würden sie beispielsweise in Sendungen mit Thema Kochen, Shoppen, Daten oder Reisen finden. Auch Serien werden – wie im Vorjahr –auf einem hohen Niveau konsumiert.

    „In einer extremen Situation, die wir aktuell durch die Verbreitung des Corona-Virus erfahren, rücken die Kernkompetenzen von TV wieder in den Mittelpunkt: Fernsehen erreicht die Massen und kann Informationen schneller verbreiten als andere Medien. Es ist das Lagerfeuer, um das sich alle versammeln“, schließt Niederauer-Kopf das Fazit der Studie.

    lm

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    Tags:
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