08:49 27 Oktober 2020
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    Corona-Pandemie breitet sich weiter aus – alle Entwicklungen (536)
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    Journalisten der Zeitung „El Mundo“ haben eine Notärztin bei ihrer Arbeit in der spanischen Hafenstadt Valencia begleitet und ihren Tag während der Corona-Pandemie dokumentiert.

    Die 44-jährige Anästhesistin Nerea Bueno ist seit 2001 als Ärztin tätig, schreiben Rodrigo Terrasa und Alberto di Lolli am Mittwoch.

    Sie habe noch nie solch eine Krise gesehen wie diese, zitiert das Blatt die Ärtzin.

    „Ich erlebte den Unfall in der U-Bahn von Valencia und andere kritische Situationen, aber nichts wie dies, nichts, was das System auf diese Weise erschüttern würde.“

    Schutzkleidung wie Raumanzug

    Seit die Notfallmediziner wegen eines Patienten alarmiert worden sind, bei dem ein Verdacht auf Coronavirus besteht, steckt Bueno die Ohroliven ihres Stethoskops in die Ohren und zieht in zehn Minuten die Schutzkleidung an.

    Die Journalisten vergleichen das Outfit mit einem „Raumanzug“: Haarband, Brille „wie bei einem Ski-Profi“, Atemschutzmaske, chirurgische Maske, transparenter Gesichtsschutz, weißes Overall sowie zwei paar Handschuhe und Überschuhe.

    „Das Gefühl der Isolierung ist vollständig“, so die Ärztin.

    Es sei sehr warm, die Brille beschlage, man sehe und höre nur schlecht. Die Maske drücke gegen das Gesicht.

    „Dieser Krieg hinterlässt uns Krusten, physische Narben. Die psychologischen bekommen wir später.“

    Nach dem Patientenbesuch desinfizieren die Ärzte alle benutzten Instrumente und legen die Schutzausrüstung ab, indem sie sich in Müllsäcke stellen. Die Ausrüstung wird dann in Behältern für biologische Abfälle zerstört. Manchmal kommen Feuerwehrleute und besprühen die Mediziner mit Desinfektionsmitteln.

    „Das ist wie ein Horrorfilm über Zombies“, so Bueno. „Die Leute haben nun Angst nicht nur vor dem Virus, sondern auch vor Krankenhäusern und vor uns. Sie schauen uns an, als ob Mediziner Zombies wären, als ob in unserem Inneren ein Insekt lebte.“

    Einige Patienten sterben zu Hause, weil sie die Ärtze erst dann alarmieren, wenn es zu spät sei und ihnen nicht geholfen werden könnte.

    „Die Angst sollte unser Verbündeter sein, damit die Menschen vorsichtiger sind. Die Angst wird jedoch zu unserem Gegner.“

    Sorgen um Kollegen und Kinder

    Die Anästhesistin gab zu, dass sie sich auch fürchte, vor allem, weil einige Ärzte vor der Infektion schutzlos bleiben. Außerdem, weil sie ihre Familie anstecken könnte.

    Bueno hat zwei Töchter, neun und elf Jahre alt. Der Ex-Ehemann der 44-Jährigen ist auch Arzt. Sie mache sich Sorgen, dass es, falls sie und der Vater ihrer Kinder beide isoliert werden müssten, niemanden geben würde, der sich um die Mädchen kümmern würde.

    „Und es ist sehr schwer, dass ich sie nicht umarmen und nicht küssen kann, wenn ich das Haus verlasse. Ich ergreife Vorsichtsmaßnahmen, die ich in meinem Leben noch nie getroffen habe.“

    „Wir kümmern uns um einander“

    Laut Bueno veränderten sich die Beziehungen zwischen den Menschen, die zusammen gegen Coronavirus kämpfen: Medizinpersonal, Feuerwehrleute, Polizisten, Techniker, Hilfskräfte.

    „Früher haben sich alle um sich gekümmert, jetzt kümmern wir uns alle um einander.“

    Die Pandemie habe das Leben der Gewissheit beraubt. Zuvor habe es Sicherheitsgefühl in der Gesellschaft gegeben. Man habe alles bekommen, was man gebraucht habe.

    „Und plötzlich ist nichts mehr sicher.“

    Trotz der tragischen Lage sei sie mit ihrer Arbeit zufrieden.

    „Ich glaube an diesen Beruf, ich fühle mich wie eine Kriegerin und ich kämpfe weiter jeden Tag.“

    Coronavirus

    Die Weltgesundheitsorganisation hatte am 11. März den Ausbruch des neuen Covid-19-Erregers als Pandemie eingestuft.

    Weltweit wurden laut der Johns-Hopkins-Universität (JHU) bereits mehr als 2,2 Millionen Menschen in 185 Ländern mit dem Virus SARS-CoV-2 infiziert. Bisher wurden demnach 156.064 Todesopfer registriert.

    Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle in Spanien beträgt nach Angaben der Organisation 191.726. An der neuartigen Krankheit seien 20.043 Patienten gestorben.

    mo/mt/sna

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