00:53 29 November 2020
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    Deutschland droht derzeit kein Szenario wie in Italien. Mit 13.000 Intensivbetten ist laut Stand vom Sonntag fast die Hälfte der Kapazitäten frei. Diese bundesweite Übersicht hat das im März ins Leben gerufene Intensivregister ermöglicht, an das seit Donnerstag alle Kliniken freie und belegte Intensivbetten täglich melden müssen.

    Vor nunmehr einem Monat wurde das bundesweite Intensivregister ins Leben gerufen, das die Kapazitäten deutscher Krankenhäuser erfassen soll. Seit Donnerstag gilt sogar eine landesweite Meldepflicht für alle Krankenhäuser mit Intensivstationen, über wie viele freie Intensivbetten sie verfügen und wie viele belegt sind. Infolge dieser Pflicht haben bereits mehr als 95 Prozent der deutschen Kliniken ihre Zahlen übermittelt. Das Ergebnis:

    „Stand heute stehen in Deutschland mindestens 30.058 Intensivbetten, 17.393 davon sind belegt und 12.665 frei“, teilte Professor Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in einer Pressemitteilung der Vereinigung am Sonntag das vorläufige Ergebnis mit. Das Ergebnis vergleicht er mit einer „Atempause“ für Mediziner und Politiker, mit einer Entwarnung ist es jedoch nicht gleichzusetzen: „Wir sind noch lange nicht über den Berg!“, so Janssens.

    Zum Vergleich: Am 8. April waren nur 6821 freie Betten erfasst.

    Intensivstation im Bundeswehr-Klinikum Ulm
    © REUTERS / ANDREAS GEBERT
    Diese Informationen stehen nicht nur Medizinern zur Verfügung, sondern können öffentlich auf der Seite intensivregister.de eingesehen werden. Dort sind alle Kliniken aufgelistet mit drei verschiedenen Kategorien der Intensivversorgung von Low-Care über High-Care bis hin zu ECMO³. Letzteres ist eine Luftversorgung von Patienten außerhalb des Körpers, wenn die Lungen so schwer geschädigt sind, dass sie keinen Sauerstoff aufnehmen können. Ganz grob wird dabei das Blut aus dem Körper herausgeleitet, in einem Beatmungsmischer mit Sauerstoff angereichert und wieder dem Körper zugeführt.

    Der Besucher der Seite sieht, ob die Kapazitäten bei einer Klinik noch frei sind, wenn ein grüner Kreis an der Stelle leuchtet, orange bedeutet, dass nur noch wenige Plätze frei sind und rot, dass die Kapazitäten erschöpft sind. Wenn ein Patient oder dessen Arzt zudem den eigenen Wohnort angibt, sucht das Verzeichnis nach vorhandenen Kapazitäten in der näheren Umgebung. Außerdem lässt sich auf einer Deutschlandkarte, die bis zur Kreisebene herunterreicht, der Anteil der Covid-19-Fälle an belegten Intensivbetten ersehen.

    „Aufgrund der föderalen Strukturen unseres Landes ist dieser Gesamtüberblick erstmals möglich und ein Meilenstein in einer möglichen Pandemiesteuerung“, betonen die beiden Sprecher des Registers.

    Außerdem lässt sich mit einem Blick auf die Deutschlandkarte derzeit ein klares Nord-Süd- sowie Ost-West-Gefälle beobachten. Die meisten Coronapatienten befinden sich in Süd- und in Westdeutschland in intensivmedizinischer Versorgung. Im Nordosten ist die Lage bisher deutlich entspannter.

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    Tags:
    Intensivstation, Gesundheitswesen, Coronavirus, Deutschland