06:59 30 September 2020
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    Die in der Corona-Krise angeordneten Verbote und massiven Einschränkungen können sich nach Expertenschätzungen negativ auf die Entwicklung von Kindern auswirken.

    Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mit Sitz in Köln, sagt dazu: „Durch das Kontaktverbot und das Eingesperrtsein drohen psychosoziale Schäden.“ Dem Experten zufolge werden die Bedürfnisse von Kindern bisher überhaupt nicht berücksichtigt.

    Laut Maria Große Perdekamp, der Fachlichen Leiterin des Kinderschutzbunds Köln, sei für Kinder ab dem Kita-Alter der Kontakt zu Altersgenossen sehr wichtig, weil sie dadurch soziale Kompetenzen erlernten. „Auch wenn Eltern sich noch so sehr bemühen, können sie das Spielen mit anderen Kindern nicht ersetzen.“ Der Expertin zufolge fehlt den Kindern bei einem längeren Kontaktverbot eine altersgemäße Förderung.

    Große Perdekamp räumt zugleich ein, dass es für einige Kinder auch wohltuend sein könne, wenn die Familie nun ganz auf sich zurückgezogen sei und „wenn Eltern mehr Zeit für ihre Kinder haben“.  

    Viele Eltern sehen sich überfordert

    Schüler sollen in der Corona-Zeit zu Hause Schulaufgaben machen. Während ältere Kinder mit digitalem Unterricht vielleicht gut zurecht kämen, gelte das für Grundschulkinder allenfalls begrenzt, sagt Große Perdekamp. Sie ist überzeugt, dass E-Schooling den Lehrer nicht ersetzen könne. Zudem sei die Situation konfliktträchtig, denn Eltern seien mit der Hausaufgabenbetreuung überfordert, während sie gleichzeitig im Homeoffice arbeiten oder gar um ihre berufliche Existenz bangen müssten. „Das kann zu enormen Spannungen und schlimmstenfalls zu Gewalt führen.“

    Der Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik Würzburg, Marcel Romanos, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP), betont, die langfristigen Folgen der Krise auf Kinder seien schwer abzuschätzen, weil es eine ähnliche Situation noch nie gegeben habe.

    Seiner Meinung nach könnten die Auswirkungen auf die Kinder sehr unterschiedlich sein. „Kinder aus finanziell gut gestellten Familien, mit Haus, Garten und Geschwistern, werden die Zeit sicherlich besser überstehen als Kinder aus sozial schwachen Familien“, sagt Romanos. Bei Jungen und Mädchen, die schon vor den Corona-Einschränkungen Probleme in Familie oder Schule hatten, würden sich die Schwierigkeiten in der Krise wahrscheinlich verstärken.

    Untersuchungen und Impfungen verschoben

    Dem Solinger Kinderarzt Fischbach bereitet auch die körperliche Gesundheit von Kindern und Jugendlichen Sorge. Denn viele Eltern verschöben aus Angst vor Corona Untersuchungen und Impfungen sowie Therapien wie Logopädie oder Ergotherapie. Hinzu komme Bewegungsmangel, weil Spiel- und Bolzplätze gesperrt sind und Sportvereine nicht aktiv sein dürfen.

    Nach Fischbachs Einschätzung seien die Kinder „absolute Verlierer“ der Corona-Krise. Dabei erkrankten sie nach bisherigem Wissensstand seltener und meist leichter an Covid-19 als Erwachsene.

    Inwieweit Kinder das Virus übertragen, sei noch nicht erforscht. Wenn demnächst erneut über die Corona-Maßnahmen beraten werde, müssten endlich auch die Interessen der Kinder in den Blick genommen werden, so Fischbach.

    Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sprach sich in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vor wenigen Tagen für weitere Lockerungen aus, die auch Kitas, Spielplätze, Schulen und Sportangebote betreffen müssten. Die Lebenswirklichkeit vieler Kinder sei durch die Corona-Politik aus dem Blick geraten, kritisierte der Politiker.

    Zuvor hatte bereits Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) eine vorsichtige Öffnung von Spielplätzen ins Gespräch gebracht.

    ls/sb/dpa

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